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Politische Führung lässt sich nicht von Umfragen beeindrucken

Staatsmänner lenken die Stimmungen und lassen sich nicht von Stimmungen lenken. Ob es die auch in Ostdeutschland gibt, werden die nächsten Wochen zeigen.
Scholz, Lindner, Habeck
Foto: IMAGO/Frank Ossenbrink (www.imago-images.de) | Staatsmänner sollten führen und sich nicht von Meinungsumfragen vorführen lassen. Trotzdem sieht es für die Ampel finster aus.

Menschen wollen in der Regel zur Mehrheit gehören. Deswegen entwickeln sie ein feines Sensorium dafür, ihr Umfeld entsprechend abzutasten. Welche Stimmung herrscht vor, wer sind die Wortführer, welche Aussagen kommen besonders gut an? Mit Blick auf die Wahlen ist ein solche psychologische Feinjustierung gar nicht mehr nötig.

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Dafür gibt es die zahlreichen Meinungsforschungsinstitute, die Woche um Woche mit ihren Umfragen neue Stimmungsbilder liefern. Für besondere Aufregung – bei manchen aus Freude, bei anderen aus Furcht – sorgen die neusten Zahlen zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland. Der Trend: Die Ampel-Parteien sind weitestgehend marginalisiert. Sie müssen hoffen, überhaupt die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen.

Die Richtungsanzeiger

Eine Ausnahme ist Brandenburg, weil die SPD dort schon immer eine stärkere Stellung hatte und so auch jetzt auf Platz zwei hinter der AfD steht. Die andere Linie, die sich durch die Umfragen schon seit Wochen zieht: die AfD steht auf Platz eins. 

Jetzt sind solche Umfragen eben nicht nur irgendwelche Statistiken. Von vielen Wählern werden sie wie eine Art Kompass genutzt. Sie zeigen an in Richtung welcher Mehrheit sich die politischen Machtverhältnisse zu entwickeln scheinen. Und dann können sie entscheiden: Will ich zu den Gewinnern gehören oder zu den Verlierern? Und in der Regel – siehe oben – sieht sich der Menschen eben gerne als Gewinner.

Politik-Lehrer mögen nun zwar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber das Idealbild des politisch gebildeten Staatsbürgers, der gewissenhaft alle Wahlprogramme liest und sich dann ein Urteil bildet, war und ist eben eine Fama. Die Menschen wählen so, dass sie sich später im Gespräch mit dem Nachbarn oder an der Theke, mit ihrer Entscheidung nicht verstecken müssen. Die soziale Haut ist dünn, die Sehnsucht nach Übereinstimmung und Zusammengehörigkeit groß, entsprechend wird gewählt.

Führung beanspruchen

Politikern stellt sich eine andere Aufgabe. Natürlich müssen sie die Stimmungsbilder der Umfragen zur Kenntnis nehmen, auch mit ihnen kalkulieren. Sollten sie aber politische Führung für sich beanspruchen, und das sollten sie, müssen sie wissen: Sie müssen Stimmungen lenken, sich nicht von Stimmungen lenken lassen. Sicher, keine leichte Aufgabe. Aber zum Staatsmann gehört eben mehr, als bloß Umfragen lesen zu können.  

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Sebastian Sasse Alternative für Deutschland SPD

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