Poträt der Woche: Franziska Becker

Der Karikaturistin Franziska Becker wurde der Hedwig-Dohm-Preis verliehen. Aber die Zeichner, deren Arbeit in der feministischen Zeitschrift "Emma" erscheint, ist eine schwierige Preisträgerin. Von Sebastian Sasse

Die Karikaturistin Franziska Becker
Im Gesellschaftsbild der Karikaturistin erscheinen Religionen tendenziell eher in dunklen Farben. Etwa dann, wenn sie sich mit katholischen Abtreibungsgegnern auseinandersetzt. Foto: dpa
Die Karikaturistin Franziska Becker
Im Gesellschaftsbild der Karikaturistin erscheinen Religionen tendenziell eher in dunklen Farben. Etwa dann, wenn sie si... Foto: dpa

Im Vokabelheft steht: tolerare – erdulden, erleiden. Etwas zu tolerieren, ist also nicht unbedingt eine Haltung, die dem, der da gerade eine Position erträgt, leicht fällt. Freilich gerät dies manchmal in Vergessenheit. Die Verleihung des Hedwig-Dohm-Preises am vergangenen Samstag an die Karikaturistin Franziska Becker ruft dies wieder in Erinnerung. In ihrem Hausblatt „Emma“, Zentralorgan des deutschen Feminismus, hat sie seit Jahrzehnten alle gesellschaftspolitischen Debatten zeichnerisch begleitet, vor allem natürlich dann, wenn es um Frauenrechte ging. In dem Gesellschaftsbild der Karikaturistin erscheinen Religionen tendenziell eher in dunklen Farben. Etwa dann, wenn sie sich mit katholischen Abtreibungsgegnern auseinandergesetzt hat. Eine Protestnote vom Vatikan sei deswegen freilich noch nie in der Redaktion eingegangen, erläuterte vor kurzem „Emma“-Gründerin Alice Schwarzer in der „Welt“. Und auch Becker selbst bescheinigte im „Cicero“, nichts sei ihr damals an Kritik entgegengeschlagen. Offenbar herrschte hier eine hohe Bereitschaft vor, auch scharfe Kritik zu erdulden.

Alice Schwarzer sieht Becker als "erstes Opfer eines selbstgerechten islamischen Furors"

Ganz anders nun die Reaktionen von muslimischer Seite kurz vor der Preisverleihung: Becker hat sich in ihren Zeichnungen auch immer mit der Kopftuch-Frage auseinandergesetzt. Da gibt es etwa eine Zeichnung mit einer muslimischen Bankbeamtin, mit Kopftuch versteht sich, die ihrer Kundin mitteilt: „Tut mir leid, Auszahlungen nur noch mit schriftlicher Genehmigung eines Ehemannes, Vaters, Bruders oder Sohnes.“ Nun werfen Becker Kritiker vor, ihre Zeichnungen seien rassistisch und islamfeindlich. Alice Schwarzer konterte und bezeichnete Becker als „erstes Opfer eines selbstgerechten islamischen Furors“.

Das Spannende an der Debatte, sie zeigt Bruchlinien innerhalb des deutschen Feminismus auf: Die Generation Schwarzer, zu der auch die 69-jährige Becker zählt, vertritt den klassischen Feminismus. In einem „Spiegel“-Interview hat Becker nun die Vorwürfe deutlich zurückgewiesen, sie mache sich auf Kosten von Schwachen, eben den muslimischen Kopftuch-Frauen, lustig. „Ich spotte nicht über unterdrückte, geprügelte Kopftuchträgerinnen [...]. Ich zeige Frauen, die freiwillig und sehr bewusst und aus ideologischen Gründen das Kopftuch tragen. Sie sind keine Opfer, sie sind Täterinnen.“

"Ich spotte nicht über unterdrückte, geprügelte
Kopftuchträgerinnen. Ich zeige Frauen,
die freiwillig und sehr bewusst und aus
ideologischen Gründen das Kopftuch tragen"
Franziska Becker

Und zur jungen Generation der Feministinnen meint sie, diese seien „viel humorloser und verbissener als wir früher“. Von dem „Shitstorm“ gegen sie lasse sie sich jedenfalls nicht beeindrucken. Ihre feministischen „Schwestern“ werden auch künftig noch manches erdulden müssen.