Anlässlich des zweiten Jahrestags des Krieges in Nahost am 7. Oktober hat der Lateinische Patriarch von Jerusalem und höchste katholische Vertreter im Nahen Osten, Kardinal Pierbattista Pizzaballa eine ernüchterte Bilanz gezogen. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal „katholisch.de“ sagte er, zwischen Israelis und Palästinensern herrsche eine „Unmenschlichkeit, die kaum zu begreifen ist“.
Der Kardinal sprach von einer menschlichen Verwüstung, einer „Verrohung in den gegenseitigen Beziehungen“ zwischen beiden Lagern. Es gebe „kein Vertrauen mehr, keinerlei menschliches Interesse des einen am anderen“. Sein Wunsch wäre es, „ein Wort der Hoffnung zu sagen“. „Es wäre zu einfach zu sagen, die Dinge änderten sich, aber wir wissen nicht, wie und wann.“ Was politisch in der Zukunft passieren werde, sei ein Geheimnis. Er selbst halte die Zweistaaten-Lösung für ideal, so Pizzaballa. Diese erscheine aber „immer weniger real“.
Gebet, humanitäre Hilfe und öffentlicher Druck
Die Kirche unterstütze die Menschen, nicht nur die 450 verbliebenen Christen in Gaza, wo sie nur könne - vor allem medizinisch, denn die Gesundheitssituation sei sehr problematisch, berichtete Pizzaballa. Man leiste aber auch humanitäre Hilfe, unterhalte Schulen und versuche, Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen. Aber: „Das ist nicht leicht.“
Die Menschen in Gaza — Palästinenser wie Israelis— bräuchten „so viel wie möglich“ an humanitärer Hilfe, so der Patriarch. Ansonsten sei Beten „das Einzige, das die Gläubigen tun können“. Daneben müsse man den internationalen Druck auch über die Medien aufrechterhalten. „Man darf zu diesen Vorgängen nicht schweigen“, appellierte er in Richtung Weltkirche.
„Große Unterstützung von der Universalkirche“
Das Einzige, worüber der Kardinal positiv berichten konnte, war die „große Unterstützung von der Universalkirche“. Wörtlich sagte er: „Viele Diözesen in aller Welt unterstützen uns, auch in Afrika. Sie schicken Beiträge zur materiellen Hilfe. Und sie schicken uns Solidaritätsbriefe und Schreiben der Verbundenheit. Das ist sehr schön.“
Auch Papst Leo XIV. setze sich immer wieder mit der Gemeinde in Gaza in Verbindung und äußere sich öffentlich zur Situation in Nahost. Pizzaballa wörtlich: „Er tut, was er kann.“ Zudem arbeite die vatikanische Diplomatie für die Christen dort, soweit es „in dieser schwierigen Situation“ eben möglich sei.
Bevor der Papst dem Heiligen Land allerdings einen Besuch abstatten könne, „müssten die Bedingungen stimmen“, so der Kardinal, sowohl politisch wie sozial und religiös. „Bevor wir über einen Papstbesuch sprechen, müssen wir dafür arbeiten, dass es im Heiligen Land ein aufgeschlossenes Klima gibt.“ DT/dsc
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