Kommentar um "5 vor 12"

Pharisäerspiel auf Kosten der Christen

Der Bundestag schmettert einen AfD-Vorschlag ab, der Christen schützen soll. Es ist eine Selbstdemontage, die der AfD mehr nützt als ein erfolgreicher Antrag. 
Symbolfoto Deutscher Bundestag
Foto: via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Bundestag schmettert einen AfD-Vorschlag ab, der Christen schützen sollte.

Der Schutz von Christen wird vertagt. Der Bundestag stellte sich gegen einen AfD-Antrag, der die Einsetzung eines Bundesbeauftragten für Christenfeindlichkeit zum Thema hatte. Angesichts der jüngsten Drohungen gegen armenische Christen vonseiten türkischer Ultranationalisten ist das ein falsches Zeichen zur falschen Zeit. Man schließt die Augen vor Übergriffen in Flüchtlingsheimen und Kirchenschändungen, weil der Vorstoß von der falschen Seite kommt.

Nur Christen

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Die ablehnenden Fraktionen weisen darauf hin, dass sich der Antrag allein auf Christen kapriziere. Das Gleichnis vom guten Samariter machte die Runde, der sich „um alle“ kümmere. Heißt das, dassandere Religionsgruppen diskriminiert werden, weil eine bestimmte Gruppe geschützt werden soll? Dieselben Mandatsträger, die sich für eine Gleichbehandlung aussprechen, haben kein Problem, einen Antrag gegen die Verfolgung der Rohingya zu stellen oder den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland (zu Recht) zu stützen. Die Argumentation driftet ins Absurde.

Thema instrumentalisiert

Die AfD mag das Thema instrumentalisieren. Aber niemand hindert Union, SPD, FDP, Grüne und Linke daran, einen eigenen Antrag zu stellen. Stattdessen spielen die Fraktionen das Spiel mit, wenn bei ihnen die existenzielle Bedrohung verfolgter Christen hinter dem guten Gefühl eigener moralischer Überlegenheit gegenüber der AfD rangiert. Der gute Samariter, der allen helfen will, mutiert dann schnell zum Pharisäer, der auf den Zöllner verweist und sagt: zum Glück bin ich nicht wie dieser dort. 

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