Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Geschlechtergerechte Sprache

Gendersprache: Erzbistum Freiburg will traditionelle Rollenmuster vermeiden

Ein Erlass des Erzbistums erlaubt in bestimmten Bereichen künftig den Genderstern. Ziel der Neuregelungen: Differenzen nicht nivellieren, aber „überwinden, wo sie ungerecht sind.“
Erzbistums Freiburg erlaubt in bestimmten Bereichen künftig den Genderstern.
Foto: Imago/Christian Ohde | In bestimmten Fällen kann gemäß der neuen Richtlinie des Erzbistums Freiburg der Genderstern verwendet werden.

Die Erzdiözese Freiburg hat neue Regelungen zur sogenannten „geschlechtergerechten Sprache“ eingeführt. Wie aus der am Dienstag veröffentlichten Aprilausgabe des Amtsblatts hervorgeht, soll grundsätzlich die Doppelnennung weiblicher und männlicher Formen erfolgen. Der Einsatz des Gendersterns soll auf bestimmte pastorale Kontexte beschränkt sein. Dies geht aus dem „Erlass zur Verwendung von geschlechtergerechter Sprache“ hervor, der nun für alle Dienststellen und Kirchengemeinden der Erzdiözese verbindlich ist.

Lesen Sie auch:

Ziel der neuen Regelung sei es, „das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern auch in einer sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen“, heißt es in der Präambel. Sprache sei Ausdruck von Denken und Bewusstsein und beeinflusse das gesellschaftliche Bild von Geschlechterrollen. Die Erzdiözese verpflichte sich daher, „auf allen Ebenen zu einem geschlechterspezifischen Handeln, das Differenzen wahrnimmt und diese nicht einfach nivelliert, aber überwindet, wo sie ungerecht sind“.

Die Doppelnennung, wie beispielsweise „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, bleibe der Grundsatz. Zulässig seien laut dem zweiten Paragraph des Erlasses auch Formulierungen mit senkrechtem Strich, etwa „Stelleninhaberin/Stelleninhaber“. Binnenzeichen wie das Binnen-I, der Schrägstrich mit Bindestrich, Klammern, Doppelpunkte, Unterstriche oder der Genderstern seien hingegen in der Regel nicht erlaubt. Eine Ausnahme gelte für die Jugend-, Hochschul- und Erwachsenenpastoral mit speziellem Fokus auf „Geschlechteridentität oder Geschlechtervielfalt“. In diesen Fällen könne im Sinne einer „differenzierten Zielgruppenkommunikation“ der „Asterisk“, also der Genderstern verwendet werden.

Klischees nicht reproduzieren

Auch geschlechtsneutrale Begriffe wie „Lehrkraft“ oder „Führungsperson“ bleiben erlaubt, sollen jedoch „nicht an zentralen und wichtigen Stellen eines Textes“ erscheinen. Zudem sei zu vermeiden, dass solche Begriffe im direkten Zusammenhang mit Personennamen genutzt werden.

Ziel der sprachlichen Vorgaben sei es auch, traditionelle Rollenmuster zu vermeiden. Der Erlass nennt als Beispiel den Begriff „Reinigungskräfte“ statt „Reinigungsdamen“. Solche Formulierungen trügen dazu bei, Klischees nicht zu reproduzieren.

Der neue Erlass ersetzt eine Vorgängerversion aus dem Jahr 2018, die bereits die Doppelnennung als Standard vorsah. Binnenzeichen waren damals jedoch generell untersagt, auch in jenen Bereichen, in denen sie nun zugelassen sind. 

In anderen Bistümern existieren ähnliche Richtlinien. So haben etwa Augsburg, Hildesheim, Rottenburg-Stuttgart und zuletzt Osnabrück eigene Regelungen veröffentlicht. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte sich bereits im Jahr 2021 auf die Verwendung des Gendersterns verständigt. Die neue Regelung gilt laut dem Erlass für den gesamten innerkirchlichen Schriftverkehr und alle offiziellen Publikationen der Erzdiözese Freiburg. Ausgenommen ist der Bereich der kirchlichen Gesetzgebung. (DT/jna)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Erzbistum Freiburg Gleichbehandlung Gleichstellung von Frauen Kirchengemeinden Traditionen Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Weitere Artikel

Das Weihnachtsfest hängt eng mit dem Bekenntnis von Nizäa zusammen, schreibt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer: Wie eine Ikone zur Katechese über das Geheimnis Christi wird.
22.12.2025, 07 Uhr
Bischof Rudolf Voderholzer
Nur Gottes Wort hören – unkommentiert: Der Podcast „Bibel to go“ bietet täglich die Schriftlesungen an. Dahinter stehen ein Schauspieler und ein Radiosprecher aus Berlin.
16.12.2025, 15 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Bei der letzten Sitzung der Synodalversammlung in Stuttgart geht es um Bilanz, Reformperspektiven und den Übergang zur Synodalkonferenz. Ob Rom dem Gremium zustimmen wird, ist weiterhin offen.
09.01.2026, 14 Uhr
Meldung
Die Kardinalsversammlung in Rom ist ohne Ergebnisse oder neue Ideen zu Ende gegangen. Dem Papst ging es darum, das Band der Einheit zu stärken. Aber viele fehlten.
09.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Mirko Cavar, früher Freikirchler, heute Katholik, lobt die Ökumene bei der MEHR-Konferenz. Er meint, die einzelnen Konfessionen könnten viel voneinander lernen.
08.01.2026, 13 Uhr
Elisabeth Hüffer
Der US-Bischof kritisiert den deutschen Sonderweg und plädiert für eine Synodalität, welche auf pastorale Praxis statt dauerhafte Grundsatzdiskussionen setzt.
09.01.2026, 10 Uhr
Meldung