Unter Berufung auf die italienische Zeitung „Il Tempo“ behaupteten mehrere Medien, darunter katholische Agenturen, Papst Leo XIV. verweigere dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron bewusst einen Audienztermin. Anders als für den englischen und den spanischen König sowie die Präsidenten Italiens und Deutschlands habe Leo XIV. für Frankreichs Präsidenten keinen Termin eingeräumt. Der Papst habe sogar persönlich angeordnet, die Anfrage abzulehnen, und zwar wegen Macrons Haltung in Fragen der Abtreibung und der Sterbehilfe, hieß es.
Tatsächlich hatte die französische Nationalversammlung auf Betreiben Macrons 2024 ein „Recht auf Abtreibung“ als Grundrecht in die französische Verfassung aufgenommen. In der aktuellen Debatte um eine Legalisierung der Sterbehilfe setzt sich Macron für eine Freigabe ein.
Man will keinen Präzedenzfall schaffen
Recherchen der „Tagespost“ in Rom jedoch zeigen, dass der Heilige Stuhl zwar die Politik und Sichtweise des französischen Präsidenten in Fragen des Lebensschutzes klar missbilligt. Von einem Boykott Macrons oder einer päpstlichen Weisung, dem Präsidenten Frankreichs keinen Audienztermin zu gewähren, kann allerdings keine Rede sein. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen, heißt es in diplomatischen Kreisen. Dem Vernehmen nach soll bisher schlicht kein Termin gefunden worden sein, der beiden Seiten passt.
In seiner Ansprache an das Diplomatische Korps hat Papst Leo XIV. vor wenigen Tagen klar und deutlich zur Frage der Abtreibung Position bezogen. Die Kirche lehne Abtreibung „kategorisch“ ab, so der Papst. Und sie bedauere, „dass öffentliche Mittel für die Vernichtung von Leben verwendet werden, statt in die Unterstützung von Müttern und Familien investiert zu werden“. Die Euthanasie bezeichnete der Papst als „eine falsche Form des Mitgefühls“. Beide Anmerkungen beziehen sich wohl nicht nur, aber auch auf die Politik in Frankreich. DT/sba
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