Wien

Österreich: Ethikunterricht neuerlich verschoben

Flächendeckende Einführung erst im Herbst 2021 – SPÖ fordert Ethik für alle, Regierung lehnt das ab.
Ethikunterricht in Österreich
Foto: Armin Weigel (dpa) | Das Regierungsprogramm, auf das sich ÖVP und Grüne zu Jahresbeginn verständigten, bestätigt das Ziel, den Religionsunterricht beizubehalten und einen ergänzenden Ethikunterricht einzuführen.

Lange geplant, wird die flächendeckende Einführung eines Ethikunterrichts an österreichischen Schulen neuerlich um ein Jahr verschoben. Seit gut zwei Jahrzehnten besteht das Fach Ethik in Österreich nur als Schulversuch an rund 200 Standorten. 2017 einigten sich die damaligen Koalitionspartner ÖVP und FPÖ darauf, Ethik als Pflichtfach für all jene Schüler einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen – und dies ab Herbst 2020.

Datum der Einführung verzögert sich um ein Jahr

Das Regierungsprogramm, auf das sich ÖVP und Grüne zu Jahresbeginn verständigten, bestätigt das Ziel, den Religionsunterricht beizubehalten und einen ergänzenden Ethikunterricht einzuführen. Das Datum der Einführung jedoch verzögert sich neuerlich um ein volles Jahr: „Aufsteigend ab dem Schuljahr 2021/22“ soll es Ethikunterricht geben, wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Bildungsminister Heinz Faßmann hervorgeht.

Zurückgewiesen wird von Faßmann die Unterstellung, Religionslehrer seien für den Ethik-Unterricht grundsätzlich ungeeignet: Schon bisher hätten viele Religionslehrer eine Lehrbefugnis in Ethik erworben. Aus den Schulversuchsberichten ergaben sich laut Faßmann „keine Anhaltspunkte, die auf zu problematisierende Haltungen von Religionslehrkräften, die Ethik unterrichten, schließen ließen“.

Bildungsministerium denkt nicht an Ethikunterricht "für alle"

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Auch an einen Ethikunterricht „für alle“ – also unabhängig davon, ob Schüler den konfessionellen Religionsunterricht besuchen – denkt das Bildungsministerium nicht. Die Zielgruppe für den Ethikunterricht seien „Religionsabmelder“ und Konfessionslose, „weil diese Jugendlichen im Unterschied zu allen, die den Religionsunterricht besuchen, keine Möglichkeit zur gezielten Befassung mit Grundfragen des Lebens sowie unterschiedlichen ethischen, religionsgeschichtlichen u.ä. Fragestellungen im Unterricht haben“, so Faßmann. Der Ethikunterricht solle die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen philosophischen, weltanschaulichen, kulturellen und religiösen Traditionen und Menschenbildern und einen Beitrag zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung leisten.

Demgegenüber plädiert die frühere Bildungsministerin und heutige SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid dafür, Ethikunterricht nicht als „Minderheitenprogramm“ einzuführen, sondern verpflichtend für alle Schüler ab zehn Jahren. Zur Tageszeitung „Der Standard“ (Dienstag) meinte Hammerschmid: „Niemand versteht, warum Kinder mit katholischem, jüdischem oder islamischem Glauben nicht gemeinsam mit Kindern ohne Religionszugehörigkeit über Ethik, Gleichberechtigung, Demokratie und Werte sprechen sollen.“

DT/sba

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