Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Tödliche Messerattacke im Regionalexpress

NDR Hamburg will nicht über Herkunft des Täters sprechen

Dies diene dem „Erhalt der Demokratie“, gab der öffentlich-rechtliche Sender bei Facebook bekannt.
Nach Messerattacke in Zug zwischen Kiel und Hamburg
Foto: Marcus Brandt (dpa) | 26.01.2023, Schleswig-Holstein, Brokstedt: Blumen und Kerzen liegen auf dem Bahnsteig im Bahnhof von Brokstedt. Bei einer Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind am 25.01.2023 zwei Menschen ...

Am Mittwochnachmittag stach der Asylbewerber Ibrahim A.  wahllos auf Personen im Regionalexpress 70 zwischen Kiel und Hamburg ein. Bei seiner Tat tötete er ein 16-jähriges Mädchen und einen 19-jährigen Mann, verletzte sieben weitere Personen zum Teil schwer. Bei dem mutmaßlichen Angreifer handelt es sich um einen Staatenlosen aus dem Gaza-Streifen, der 2014 als Flüchtling nach Deutschland kam und seit 2015 bereits zwölfmal mit dem deutschen Gesetz in Konflikt geriet. 

Andere Medien benannten Herkunft, während der NDR schwieg

Obwohl die Herkunft des mutmaßlichen Täters relativ schnell ermittelt werden konnte und im Zuge der Berichterstattung von Medien wie „Bild“, „Welt“, „Spiegel“ oder „Zeit“ klar benannt worden ist, wollte der öffentlich-rechtliche „NDR Hamburg“ zunächst nicht über die Herkunft des Täters sprechen. „Je weniger wir über die Hintergründe einer Tat wissen, desto zurückhaltender sind wir bei der Nennung der Herkunft.“ 

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Dass andere Medien über die Herkunft berichten, sei für den NDR noch lange kein Grund für eine ebensolche Berichterstattung: Denn nach Auffassung des Senders führt die Aussage über die Herkunft von Ibrahim A. „zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung oder zu Fehlinterpretationen“.

NDR muss sich Vorwurf des „betreuten Denkens“ gefallen lassen

Nachdem User ihr Unverständnis zu dieser Vorgehensweise äußerten, legte das Social-Media-Team des Hamburger NDR noch einmal nach und rechtfertigte das Schweigen zur Herkunft des mutmaßlichen Täters erneut – dieses Mal „zum Erhalt der Demokratie“. Und zwar: „Ja Korrektheit ist uns sehr wichtig. Ebenso, wie unsere Seiten von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu befreien.“ Soll aus Sicht des NDR-Social-Media-Teams heißen: Die Herkunft des Täters zu nennen, befeuere Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Verschweigen der Herkunft ist demnach ein anti-rassistischer Akt.

Die Kommentarspalte unter dem Facebook-Post ist inzwischen gesperrt - „Argumente ausgetauscht“ heißt es vonseiten des Social-Media-Teams. Genauso wie das Nichterklärenwollen beziehungsweise -können, warum im Gegensatz zu "NDR Hamburg" auf anderen NDR-Portalen durchaus die Herkunft des mutmaßlichen Täters benannt worden ist.

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