Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Papstreise/Istanbul

Papst Leo XIV. feiert Adventsmesse als Zeichen der Einheit

In der Volkswagen Arena in Istanbul rief der Papst dazu auf, Brücken zwischen Kirchen, Religionen und Völkern zu bauen und Träger von Hoffnung und Frieden zu sein.
Papstreise in die Türkei - heilige Messe
Foto: IMAGO/Tolga Uluturk (www.imago-images.de) | Papst Leo XIV. feierte eine heilige MEsse in der " Volkswagen Arena in Istanbul".

Am dritten Tag seiner ersten Apostolischen Reise hat Papst Leo XIV. in der Volkswagen Arena in Istanbul eine feierliche ökumenische und mehrsprachige Messe zum Ersten Advent mit rund 4.000 Gläubigen gefeiert. Die Liturgie stand ganz im Zeichen des 1.700-jährigen Jubiläums des Konzils von Nicäa und setzte mit einem 250-köpfigen Chor aus Angehörigen verschiedener christlicher Minderheiten in Istanbul sowie den Sprachen Syrisch, Armenisch, Türkisch, Latein, Englisch und Aramäisch ein starkes Zeichen gelebter Einheit in der Eucharistie.

Lesen Sie auch:

In seiner Predigt an diesem Vorabend des Festes des heiligen Apostels Andreas betonte Papst Leo XIV. die Bedeutung der Einheit innerhalb der katholischen Kirche, zwischen den christlichen Konfessionen und im Dialog der Religionen. Gleichzeitig rief er in einer zunehmend polarisierten Welt dazu auf, Vorurteile zu überwinden und aktiv Brücken zu bauen – als Zeugnis für den Frieden.

Mit Blick auf das Konzil von Nicäa erinnerte der Papst daran, dass die Adventszeit eine Vorbereitung darauf sei, „an Weihnachten wieder neu das Geheimnis Jesu, des Sohnes Gottes, mitzuerleben, der ,gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater‘ ist.“

Die Kraft des Zeugnisses erneuern

Ausgehend von den liturgischen Texten des Tages lud Papst Leo XIV. ein, anhand dreier biblischer Bilder über das Kirche-Sein nachzudenken. Das erste Bild – die „Stadt auf dem Berg“ aus Jes 2,1–5 – stehe für die im Glauben wiedergeborene Gemeinschaft, deren Licht alle Völker anziehe. „Die Freude am Guten ist ansteckend“, sagte der Papst und rief dazu auf, das eigene Glaubenszeugnis zu erneuern. Das göttliche Wirken sei nie nur persönliches Geschenk, sondern immer Gabe für die ganze Menschheit.

Als zweites Bild stellte der Papst das alttestamentliche Friedenswort vor Augen, in dem Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern umgeschmiedet werden. Dieses Bild, so Papst Leo, sei heute aktueller denn je: „Der Wunsch nach Frieden und Versöhnung ist nicht nur weltpolitisch dringend, sondern auch persönliche Aufgabe jedes Gläubigen.“

Zur Veranschaulichung verwies er auf die drei Brücken über den Bosporus, die Europa und Asien miteinander verbinden. Sie seien Sinnbild für die Brücken, die zwischen Christen, zwischen christlichen Konfessionen und zwischen Religionen gestärkt werden müssten.

Botschaft der Hoffnung sein – und Friedensstifter

Mit dem Blick auf das himmlische Jerusalem rief Papst Leo auf, „mit aller Kraft die Bande zu stärken, die uns vereinen, damit wir vor der Welt ein glaubwürdiges Zeichen der allumfassenden Liebe des Herrn sein können.“ Er erinnerte an Papst Johannes XXIII., der die ökumenische Bewegung maßgeblich geprägt habe: Der Ruf Christi „damit alle eins sind“ bleibe aktueller Auftrag für alle Getauften.

Die dritte Verbindung gelte den nichtchristlichen Religionen: Der Papst rief dazu auf, Mauern des Misstrauens abzubauen und das Gemeinsame sichtbar zu machen. Der interreligiöse Dialog könne zu Frieden beitragen und neue Wege des Verständnisses eröffnen. Christen sollten „das zur Geltung bringen, was uns verbindet“, um der Welt eine „starke Botschaft der Hoffnung“ zu geben und zu „Friedensstiftern“ zu werden.

Zum Abschluss hob Papst Leo hervor, dass der Advent Zeit der inneren Erneuerung und der Gemeinschaft sei. „Unsere Schritte bewegen sich auf einer Brücke, die die Erde mit dem Himmel verbindet und die der Herr für uns gebaut hat“, sagte er. Diese Brücke gelte es gemeinsam zu gehen und das „Ziel im Haus des Vaters suchen, wo alle Brüder und Schwestern in Einheit und Frieden vereint sind“.

„Wir fühlen uns als eine einzige Familie“

Am Ende der Messe dankte der Apostolische Vikar von Istanbul, Massimiliano Palinuro, Papst Leo XIV. für seine ermutigenden Worte. Der Papst habe als wahrer „Pontifex“ – Brückenbauer – geholfen, „Mauern der Feindschaft einzureißen und Brücken der Brüderlichkeit zu bauen“, damit die Christen in der Türkei Werkzeuge der Gerechtigkeit und des Friedens sein können.

Die Eucharistiefeier sei, so Palinuro, „ein Zeichen der Hoffnung: ein neuer Abendmahlssaal für ein erneuertes Pfingsten“. Über siebzig Nationen seien in der Arena versammelt gewesen – „doch wir fühlen uns als eine einzige Familie, in der sich niemand als Fremder oder Gast fühlt“. Wie einst in Nicäa finde die Kirche auch heute hier zur Einheit im Bekenntnis des einen Glaubens. Und der Weg zur vollen Gemeinschaft schreite unter der weisen Führung von Patriarch Bartholomäus voran.

Zum Abschluss überreichte Palinuro dem Papst einen silbernen Kelch mit den sechs Aposteln, die in der Türkei das Evangelium verkündet haben. Papst Leo schenkte der Kirche in Istanbul einen kunstvollen Kelch mit dem Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis und eine vergoldete silberne Patene, in deren Mitte fünf Kreuze eingraviert sind, die die fünf Wundmale des gekreuzigten Leibes Christi symbolisieren. Mit Applaus und „Viva il Papa“-Rufen endete die Messe.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Dorothea Schmidt Altes Testament Apostel Christen in der Türkei Jesus Christus Johannes XXIII. Leo XIV. Papstreisen Ökumene

Weitere Artikel

Die Missstände in der Türkei wird der Papst in Ankara allenfalls vorsichtig ansprechen. Er kommt als Fürsprecher der kleinen, verletzbaren christlichen Herde.
19.11.2025, 19 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Papst Leo XIV. und Patriarch Bartholomaios wollen die Einheit der Christen vorantreiben und ein gemeinsames Osterfestdatum finden. Gewalt im Namen Gottes lehnen sie ab.
29.11.2025, 15 Uhr
Meldung
Unter Leo XIV. ist von den Finanznöten des Vatikans nicht mehr die Rede – Stattdessen zahlen auch Staaten, von denen man es nicht erwartet hätte.
29.11.2025, 13 Uhr
Giulio Nova
Für Haltung, Demokratie, und Erneuerung in der Kirche: Irme Stetter-Karp wird das ZdK weiterhin als Präsidentin anführen. Bei der Vollversammlung in Berlin erhält sie gut 80 Prozent.
28.11.2025, 18 Uhr
Meldung