Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Für Verdienste in deutsch-jüdischen Beziehungen

Michael Wolffsohn mit Israel-Jacobson-Preis ausgezeichnet

In seiner Rede prophezeit der Historiker einen Exodus der Juden aus der Diaspora nach Israel.
Michael Wolfssohn, Historiker und Publizist
Foto: Jürgen Heinrich (imago stock&people) | Michael Wolfssohn, Historiker und Publizist, ist mit dem Israel-Jacobson-Preis für sein Engagement für deutsch-jüdische Beziehungen ausgezeichnet worden.

Er war nie ein Professor, der sich in den Elfenbeinturm zurückzieht, sondern hat sich immer als Intellektueller in die öffentlichen Debatten eingemischt. Doch in diesen Tagen ist die Fachkenntnis von Michael Wolffsohn besonders gefragt. Der Historiker, der sich selbst einmal als „deutsch-jüdischen Patrioten“ bezeichnet hat, ist nicht nur ein exzellenter Kenner der Hintergründe der Nahost-Krise, er beobachtet  und analysiert schon seit Jahrzehnten das deutsch-jüdische Verhältnis. Am vergangenen Sonntag ist nun der 76-Jährige, der bis zu seiner Emeritierung Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München gelehrt hat, mit dem Israel-Jacobson-Preis der Union progressiver Juden in Deutschland für seine Verdienste um die Beziehungen zwischen Deutschen und Juden auf staatlicher, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Ebene ausgezeichnet worden. Mit seinen präzisen  Analysen und klaren Stellungnahmen wie seinem Engagement für das progressive Judentum habe sich Wolffsohn als ein streitbarer, aber zuverlässiger Partner der jüdischen Gemeinschaft erwiesen, so die Veranstalter.

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Diaspora-Judentum re-israelisiert sich

„Wo sind die Juden sicher?“ – dieser Leitfrage ging Wolffsohn in seiner Rede nach und warf dabei einen Blick auf das Verhältnis zwischen Diasporajuden und Israel wie auf die Rolle, die das liberale Judentum künftig spielen kann. Dabei zog er einmal die große historische Linie nach, setzte aber gleichzeitig auf die Schlussfolgerungen aus dem Angriff nach dem 7. Oktober einen Fokus. Wolffsohn stellte fest, die jüdische Diaspora habe sich von Israel re-emanzipiert. Anders als bis in die 80er Jahre bestehe sie auf „Partnerschaft unter Gleichen“. Doch damit werde sie gesamtjüdisch scheitern. Denn in Reaktion auf die jüngsten Ereignisse wie auf die Zunahme von „christlichen und postchristlichen Antijudaismen“, „islamischem Terror“ und der „Ohnmacht besonders der westeuropäischen Staaten, ihre Juden erfolgreich zu schützen“ habe „eine Re-Judaisierung als Re-Israelisierung bzw. ein neuer Judenexodus“ begonnen. Dieser mit dem Ziel Israel werde sich massiv verstärken, so seine Prognose.

„Wo sind Juden sicher? Auch in Israel nicht. Aber es besteht bezüglich der israelischen Unsicherheit auf der einen Seite und der der diasporajüdischen auf der anderen Seite ein fundamentaler Unterschied: In der Diaspora sind die Juden als Juden – egal, ob säkular oder religiös – innenpolitisch bedroht, in Israel außenpolitisch“, so Wolffsohn. „Vor islamischem Terror sind die Juden auch in Israel nicht sicher“, aber sie wüssten, „wenn überhaupt ein Staat seine Bürger schützen kann und will“, dann sei es Israel. DT/sesa

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