Mexiko

Mexikos Abtreibungslobby gibt zu, Zahlen zu manipulieren

Auf einem Video von 2016, das aber erst jetzt bekannt wurde, sagt eine prominente mexikanische Abtreibungsaktivistin, sie hätten Zahlen „aufgebläht“.
Anti-Abtreibungs-Demonstration in Mexico City
Foto: IMAGO/Gerardo Vieyra / Eyepix Group (www.imago-images.de) | Auch in Mexiko politisches Streitthema: Lebenssschützerin bei einer Demonstration gegen Abtreibung in Mexico City im Mai 2022

In den letzten Tagen ist ein Video bekannt geworden, das Manipulation durch Mexikos Abtreibungslobby deutlich offenlegt. Das Video stammt zwar vom 25. Oktober 2016, ging aber erst in den letzten Tagen in den Sozial Netzwerken viral, nachdem die mexikanische Plattform „Pasos por la Vida“ („Schritte für das Leben“) es über ihren Instagram-Account geteilt hatte.

Darin gibt Marta Lamas, eine der Gründerinnen der „Grupo de Información en Reproducción Elegida“ („Gruppe zur Information über selbstgewählte Fortpflanzung“, GIRE) und Professorin an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) zu, dass die Abtreibungsbefürworter die Zahlen der Frauen, die durch illegale Abtreibungen starben, „aufgebläht“ hätten: „Ich erinnere mich daran, dass wir sagten: ‚Durch illegale Abtreibungen sterben jährlich 100.000 Frauen’. Es stellte sich aber heraus, dass im ganzen Land 100.000 Menschen, Männer und Frauen, überhaupt starben“, sagte sie unter dem Gelächter des Publikums. 

„Ich möchte, dass Abtreibung straffrei wird.“

Es sei „ein sehr komplizierter Prozess, bei dem wir eine Menge gelernt haben“. Auf der im Video enthaltenen, von der UNAM veranstalteten Podiumsdiskussion „Gespräche über die feministische Bewegung“ erklärt Lamas, mit GIRE habe sie ein „kleines Instrument“ gehabt, um ein „radikales Ziel“ zu verfolgen: „Ich möchte, dass Abtreibung straffrei wird.“
 

Über das Video berichtet die zu EWTN Global Catholic Network gehörende spanischsprachige Plattform „ACI Prensa“, die weiter ausführt: Auf Drängen feministischer Organisationen wie GIRE sei unter dem damaligen Regierungschef von Mexiko-Stadt Marcelo Ebrard Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche straffrei gestellt worden. Unter dem Präsidenten Mexikos Andrés Manuel López Obrador sei die Straffreiheit für die Abtreibung auf acht weitere mexikanische Bundesstaaten ausgeweitet worden.

Video dokumentiert Zynismus der Abtreibungslobby

Zu „GIRE“ heißt es bei ACI Prensa weiter, sie sei seit 30 Jahren eine der stärksten Pro-Abtreibungs-Plattformen Mexikos. Finanziert werde sie auch von der „MacArthur Foundation“, die nach Angaben auf der eigenen Homepage (macfound.org) GIRE von 1994 bis 2007 insgesamt 2,540 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt habe, „darunter neun Zuschüsse im Bereich Bevölkerung und reproduktive Gesundheit“. Dazu kommt etwa auch die „William+Flora Hewlett Foundation“ (hewlett.org), die GIRE seit dem Jahr 2000 mit 1,8 Millionen Dollar unterstützt.

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In einem Interview mit ACI Prensa wies Pilar Rebollo, Direktorin von „Pasos por la Vida“ in Mexiko, darauf hin, dass „dieses Video zwar nicht neu“ sei, aber dazu diene, die Wahrheiten der Abtreibungsindustrie „aufzudecken“. In dem Video sei „ein solcher Zynismus zu sehen: ‚So haben wir es gemacht’, und die Zuhörer lachen“. Sie erinnert daran, dass die Abtreibungslobby ebenfalls die Falschinformation verbreitet habe, dass in mexikanischen Gefängnissen Frauen wegen einer Abtreibung eingesperrt seien.

ACI Prensa zitiert ebenfalls den Leiter der mexikanischen Pro-Life-Plattform „ConParticipación“ mit den Worten: „Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Gruppen, die für die Abtreibung Straffreiheit gefordert haben, selbst zugeben, über die Zahl der Todesfälle durch illegale Abtreibungen gelogen zu haben. Denn viele Befürworter der Straffreiheit für Abtreibungen glauben, dadurch würden Tausende von Frauenleben gerettet, die bei einer heimlichen Abtreibung sterben würden“.  DT/jg

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