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„Marsch“-Veranstalter: „Es war ein Versagen der Meinungsfreiheit“

Die Polizei sei mit der Situation beim Marsch für das Leben in Köln überfordert gewesen, so die Veranstalter gegenüber der „Tagespost“.
Polizisten stehen vor Gegendemonstranten gegen den „Marsch für das Leben“.
Foto: IMAGO/Guido Schiefer (www.imago-images.de) | Polizisten stehen vor Gegendemonstranten gegen den „Marsch für das Leben“.

Trotz professionellen Verhaltens am Einsatzort seien die Polizeikräfte beim „Marsch für das Leben“ am Heumarkt in Köln am vergangenen Samstag in der Unterzahl und mit der Situation überfordert gewesen, so Georg Dietlein, Rechtsanwalt und Versammlungsleiter der Veranstaltung gegenüber der „Tagespost“. „Es war ein Versagen der Meinungsfreiheit“, bedauert Dietlein. Dass die Polizei weniger vorbereitet gewesen sei als beim „Marsch für das Leben“ in Berlin, könne an einer anderen Demonstrationskultur in Köln liegen, so der Rechtsanwalt. Seinem Eindruck nach sei die Polizei während des Einsatzes überrascht gewesen. Laut Dietlein habe der Einsatzleiter am Ort zugegeben, dass zu wenig Leute da seien. Da die Gegendemonstration nicht friedlich gewesen sei, habe die Polizei die Gegendemonstranten, die den „Marsch“ mit einer Sitzblockade aufhielten, nicht einfach wegtragen können. „Das war weniger ein Versagen der Polizei als die Folge einer erstmaligen Erfahrung“, so Dietlein.

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Vorwürfe von verbaler und körperlicher Gewalt

Einige Teilnehmer hätten von offenen Anfeindungen berichtet; Andreas Düren von „Sundays for Life“, der beim „Marsch“ einen Stand mit Freiwilligen betreute, wirft Demonstranten auch körperliche Gewalt vor. „Gewalt gegen Dinge kennen wir schon, aber nicht Gewalt gegen Personen“, so Dietlein. Laut den Veranstaltern hätten Teilnehmer, darunter Minderjährige wie auch ältere Personen, nach Auflösung der Veranstaltung noch Anfeindungen erlebt. Unter anderem hätten die Gegendemonstranten sie beschimpft und ihnen Gegenstände wie Fahnen entwendet. Den durch den Vandalismus entstandenen Sachschaden an Ständen, Pavillions und Bühnen können die Veranstalter zurzeit noch nicht abschätzen.

Dabei habe man die Polizei im Vorfeld mehrmals um ausreichende Schutzmaßnahmen gebeten. „Es gab ja viele Fälle von Vandalismus, die besonders in den letzten zwei, drei Wochen zugenommen haben“, so Mona Schwaderlapp, Autorin des Online-Magazins „f1rstlife“ und Mitorganisatorin des Marsches in Köln. So seien zum Beispiel das Haus von Kardinal Woelki, sowie Gebäude des Opus Dei mit Farbe beschmiert worden. Die Gegendemonstration, ebenfalls am Heumarkt, sei frühzeitig angemeldet worden. Die Gegendemonstranten organisierten sich, so Schwaderlapp, über Kanäle auf Instagram oder X, ehemals Twitter. Noch nicht klar sei, woher die Gegendemonstranten die Route der Demonstration gegen Abtreibung und Sterbehilfe gekannt hätte.

Einschnitt der Religionsfreiheit

Auch eine Heilige Messe, die Teilnehmer des „Marsches“ besuchen wollten, hätten Gegendemonstranten gezielt verhindert, was dann auf den sozialen Medien gefeiert worden sei, so Schwaderlapp: „Das ist nicht nur ein Eingriff in die Meinungs-, sondern auch die Religionsfreiheit.“ Die Veranstalter haben laut eigener Aussage im Anschluss an die Veranstaltung den Kontakt mit der Kölner Polizei gesucht. DT/sdu

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