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Lage im indischen Manipur bleibt angespannt

Vor vier Monaten kam es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen in dem indischen Bundesstaat. Der Konflikt hat auch eine religiöse Dimension.
Brennende Häuser im Dorf Khopibung
Foto: Kirche in Not | Im indischen Bundesstaat Manipur tobt ein Konflikt zwischen der mehrheitlich hinduistischen Ethnie der Meitei und den Minderheitsstämmen der Kuki-Chin. Im Bild: Brennende Häuser im Dorf Khopibung.

Im indischen Bundesstaat Manipur an der Grenze zu Myanmar ist die Lage vier Monate nach Ausbruch bürgerkriegsähnlicher Kämpfe weiter angespannt. Der Konflikt hatte sich zwischen der mehrheitlich hinduistischen Ethnie der Meitei und den Minderheitsstämmen der Kuki-Chin entzündet, die hauptsächlich Christen sind. Dass bei den Ausschreitungen auch Gotteshäuser angegriffen wurden, die von christlichen Meitei besucht werden, gilt Kirchenverantwortlichen als Indiz dafür, dass der Konflikt auch eine religiöse Dimension hat.

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Erzbischof Dominic Lumon aus Imphal, der Hauptstadt des Bundesstaates, bat im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) um ein aktiveres Vorgehen der indischen Regierung: „Wir hoffen, dass die Zentralregierung eingreift. Wenn sie ,Stopp’ sagt, wird die Gewalt meiner Meinung nach aufhören. Wenn jedoch niemand eingreift, wird die Gewalt noch monatelang weitergehen.“ Medienberichten zufolge sind bei den Unruhen bislang mindestens 185 Menschen ums Leben gekommen.

Premierminister Modi schweigt

Auffällig sei das Schweigen von Premierminister Narendra Modi, der der hindu-nationalistischen Partei BJP angehört, zu der Gewaltserie. Er habe die betroffene Region in den vergangenen Monaten nie besucht, bemängelte der Erzbischof: „Wir haben nicht viel von ihm gehört. Nur einmal hat er sich geäußert, als Videos auftauchten, in denen zwei Mädchen nackt zur Schau gestellt wurden. Aber zum Thema der Gewalt im Allgemeinen hat er nichts gesagt.“

Über Ursachen des Konflikts äußerte sich kürzlich der Jesuit Walter Fernandes, ehemaliger Direktor des Indischen Sozialinstituts in Neu-Delhi, der jahrzehntelang im Nordosten Indiens gelebt hat. Er erklärte laut Osservatore Romano: „Der Konflikt besteht zwischen Stammesangehörigen und Nicht-Stammesangehörigen. Allerdings versuchen einige politische Kräfte, ihn in einen religiösen Konflikt zu verwandeln, da die Stammesangehörigen in Manipur größtenteils Christen sind und die Meitei, die 53 Prozent der Bevölkerung ausmachen, Hindus sind. Die Meitei leben auf 10 Prozent des Territoriums und wollen Zugang zu dem fruchtbaren Gebiet, das als Stammesgebiet reserviert ist. Der Oberste Gerichtshof hat zu ihren Gunsten entschieden, was Proteste der Kuki ausgelöst hat, die wiederum die Gewalt entfacht haben.“

Das zerstörte Leben der Menschen in Manipur wieder aufbauen

Unterdessen haben nach einer Meldung von „UCA News“ die Bischöfe der  syro-malabarischen katholischen Kirche, einer mit Rom verbundenen („unierten“) Ostkirche in Indien, die Katholiken aufgefordert, den Menschen in Manipur beim Wiederaufbau ihres zerstörten Lebens zu helfen. „Wir alle müssen von ganzem Herzen helfen, das zerstörte Leben der Menschen in Manipur wieder aufzubauen“, sagten die Bischöfe am Ende einer einwöchigen Synodensitzung am 26. August. Etwa 54 amtierende und pensionierte Bischöfe der Kirche, die an der Synode teilnahmen, brachten ihre Bestürzung über die beispiellose Gewalt in dem bergigen Bundesstaat zum Ausdruck.

Kardinal George Alencherry, das Oberhaupt der Kirche, forderte in einem Rundschreiben nach der Synode die von der pro-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) geführte Bundes- und Staatsregierung auf, „ernsthafte Schritte zu unternehmen, um den Frieden in dem unruhigen Staat wiederherzustellen“.  DT/chp

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