Berlin

Kommentar um "5 vor 12": Der fehlende Aufschrei

Die mangelnde Aufarbeitung des Falls Kentler zeigt, dass die Argumentation der Linksliberalen auch heute noch lautet: Die Exzesse der sexuellen Befreiung waren zwar nicht schön, aber es gab ja auch gute Seiten.
Fall Kentler
Foto: imago stock&people via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Fall Kentler spült politische Ansichten nach oben, die nicht vergehen wollen. Grüne und Liberale kommentieren ihre "progressiven" Forderungen von damals nur ungerne.

Der Fall Kentler ist nicht nur für Berliner Jugendämter ein delikater Skandal. Er spült politische Ansichten nach oben, die nicht vergehen wollen. Grüne und Liberale kommentieren ihre „progressiven“ Forderungen von damals nur ungerne. Dieselben Leute, die auf dem hohen moralischen Ross jedes Vergehen des Abendlandes in den letzten 2.000 Jahren geißeln, verweisen auf den Zeitgeist der 68er und Post-68er-Jahre. 

"Dauernder Fortschritt" ist kein Wert an sich

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Das ist die Crux der Causa Kentler: dass ein „dauernder Fortschritt“ auf gesellschaftlichem Feld kein Wert an sich ist, und sexualpädagogischer Jakobinismus ein logischer Schluss der „Sexuellen Revolution“. Unter der Guillotine opferten ihre Anhänger dieses Mal nicht Louis XVI. und Marie Antoinette, sondern Marco und Sven. Die Argumentation der Linksliberalen ist auch heute ähnlich: Die Exzesse der sexuellen Befreiung waren zwar nicht schön, aber es gab ja auch gute Seiten. 

Nichts anderes erklärt der Sexualpädagoge Uwe Sielert. Man müsse „differenzieren“ und Kentler habe „Segensreiches und sehr Problematisches“ mit sich gebracht. Eine qualitative Wertung, ob das eine das andere wert war, steckt bereits darin. Sie lautet: ja. 

Risse im revolutionären Geschichtsbild

Deswegen bleibt der Aufschrei nicht nur aus; er muss ausfallen. Eine restlose Aufklärung der pädosexuellen Machenschaften des Kentler-Netzwerkes würde zu viele Gewissheiten umwerfen, wenn es um die Errungenschaften der 68er-Generation geht. Das revolutionäre Geschichtsbild würde unweigerlich Risse bekommen, weil die eigenen Kinder buchstäblich gefressen wurden.

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