Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Kampf den TikTok-Dschihadisten!

Die Radikalisierung junger Muslime in Europa erfolgt nicht mehr im Orient, sondern online. Die vereitelten Taylor-Swift-Anschläge sind ein Musterbeispiel, aus dem Lehren zu ziehen sind.
Ermittlungen nach vereiteltem Terroranschlag in Wien
Foto: IMAGO/ALEX HALADA (www.imago-images.de) | Von „TikTok-Dschihadisten“ sprechen Experten mittlerweile. Der Staat muss deshalb in den Blick nehmen, was auf Telegram, TikTok & Co. abgeht.

In Wien wurde ein Terroranschlag auf Besucher von Taylor-Swift-Konzerten verhindert. Das ist zunächst eine gute Nachricht, auch wenn die Absage der drei Konzerte – durch die Veranstalter, nicht durch Polizei oder Regierung – für die knapp 200.000 angereisten Taylor-Swift-Fans traurig und frustrierend sein mag. Jetzt aber gilt es, aus dem versuchten Terroranschlag und seinen Details Konsequenzen zu ziehen.

Lesen Sie auch:

Verhaftet wurden in Österreich ein 19-jähriger IS-Anhänger und ein 17-Jähriger. Das entspricht laut Experten einem Muster: Der islamistische Terror wird jünger! Zwei Drittel der seit Oktober 2023 in Westeuropa wegen islamistischem Terror Verhafteten sind unter 19 Jahre alt. Es geht – mitten in einer demografisch rasch alternden Gesellschaft – also um ein Jugend-Phänomen, nicht nur um einen „Clash“ der Zivilisationen, sondern auch der Generationen.

Damit hängt zusammen, wie die Radikalisierung mittlerweile erfolgt, nämlich über TikTok, Telegram & Co. Bereits vor einem Jahrzehnt klagten alteingesessene Muslime in Bosnien, die Radikalisierung der Jugend ihres Landes komme längst nicht mehr aus den islamischen Ländern des Orients, sondern aus Deutschland und Österreich: mittels salafistischer Youtube-Videos. Der nun verhaftete und umfassend geständige 19-Jährige ist ein typischer Fall: Er ist kein Migrant, sondern in Österreich geboren, österreichisch-mazedonischer Doppelstaatsbürger und bis vor wenigen Monaten verhaltensunauffällig. Radikalisiert hat er sich nicht im Orient, sondern im Internet.

Keine rechtsfreien Räume zulassen

Von „TikTok-Dschihadisten“ sprechen Experten mittlerweile. Der Staat muss deshalb in den Blick nehmen, was auf Telegram, TikTok & Co. abgeht. Mehr noch: Es darf auch im Internet keine rechtsfreien Räume geben. Das klingt zunächst nach einer bedrohlichen Einschränkung unserer Freiheit, doch kann es eine freie Gesellschaft nur geben, wenn der Staat ihre Sicherheit garantiert. Wer Freiheit für terroristisches Gedankengut und hemmungslose Gewaltfantasien fordert, verwechselt Freiheit mit Anarchie. 

Signifikant ist am Wiener Fall auch, dass die österreichischen Behörden nur durch einen Hinweis befreundeter Geheimdienste auf die Terrorgefahr aufmerksam wurden. Das liegt zunächst an der unzureichenden österreichischen Rechtslage, die eine Überwachung von Messengerdiensten verbietet. Generell aber gilt: Die dem Terror zugeneigte salafistische Szene agiert – offline wie online – grenzüberschreitend und globalisiert.

Mit nationaler Geheimdienst- und Polizeiarbeit einer transnationalen Szene auf die Spur kommen zu wollen, ist etwa so aussichtsreich, wie mit Schwertern und Hellebarden gegen eine Panzerarmee anzutreten. Es braucht also transnationale Spezialeinheiten, die sich der Terrorprävention und der Terrorismusbekämpfung mit modernen Mitteln widmen. Am besten wäre ein europäischer Geheimdienst mit klar umrissenem Mandat.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Islamistischer Terror Muslime Terrorabwehr

Weitere Artikel

Hape Kerkeling und eine bunte Komödiantenschar nehmen einen zweifelhaften Integrations- und Anpassungswahn aufs Korn.
15.01.2026, 15 Uhr
Norbert Fink
Ein wacher Staat schützt seine Bürger, eine wache Gesellschaft schützt ihre Seele. Die Gefahr, die von Iran ausgeht, ist eine politische und geistliche Herausforderung.
01.07.2025, 14 Uhr
Florian Hartleb

Kirche

Die Bischöfe widersetzten sich den Bestrebungen der AfD, die Kirche zu diskreditieren, so der DBK-Vorsitzende Wilmer. Bald will er in Rom die Satzung der Synodalkonferenz anerkennen lassen.
26.02.2026, 16 Uhr
Regina Einig
Vieles spricht dafür, dass sich auch in Deutschland ein stiller Aufbruch ankündigt. Für christliche Gemeinschaften kommt es darauf an, die Steilvorlage zu verwandeln.
26.02.2026, 15 Uhr
Franziska Harter
Zum ersten Mal in der Geschichte sind die Gebeine des Heiligen von Assisi in seiner Heimatstadt ausgestellt. Seit Samstag kann man sie einen Monat lang verehren.
26.02.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Woelki, Voderholzer, Oster: Nach der Wahl des Hildesheimer Bischofs zum neuen DBK-Vorsitzenden ist die Stimmung auch unter der konservativen Bischofsminderheit positiv.
26.02.2026, 14 Uhr
Meldung
Am 28. Februar ist in Herne ein Harry-Potter-Gottesdienst geplant. Warum die Kirche Fernstehenden damit keinen christlichen Dienst erweist.
26.02.2026, 09 Uhr
Guido Rodheudt