Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nahost

Kämpfe, Massaker und Racheakte in Syrien

Ein Alawiten-Aufstand wird derzeit von den neuen Machthabern blutig niedergeschlagen. Die Gewalt konzentriert sich bisher offenbar auf die Region von Latakia.
Syrische Kämpfer auf dem Weg nach Qardaha, der Heimatstadt Assads
Foto: IMAGO/stringer (www.imago-images.de) | Die relative Ruhe nach dem Sturz Assads ist erstmal vorbei. Es soll zu Massakern auch an Zivilisten gekommen sein.

In Syrien kommt es seit Donnerstag zu schweren Gefechten zwischen aufständischen Anhängern des früheren Assad-Regimes und den Verbänden der aktuellen syrischen Übergangsregierung. Die Rede ist von rund 250 Todesopfern auf beiden Seiten, darunter sind auch viele Zivilisten. Die militärischen Auseinandersetzungen konzentrierten sich auf die am Mittelmeer liegende Region von Latakia, wo besonders viele Alawiten leben. Dieser schiitischen Splittergruppe gehörte auch der Assad-Clan an, der das Land 54 Jahre lang mit harter Hand regierte.

Lesen Sie auch:

Die Eskalation begann offenbar mit alawitschen Angriffen auf Sicherheitszentren und Kontrollpunkte in Dörfern und Städten rund um Latakia und Tartus unter der Führung von Brigadegeneral Ghiath Dala, der früher zur Republikanischen Garde unter Maher al-Assad, dem Bruder von Ex-Präsident Bashar al-Assad, gehörte. Daraufhin sollen Streitkräfte der Übergangsregierung mutmaßlich zusammen mit ausländischen Kämpfern die alawitschen Gebiete angegriffen haben. Die Rede ist auch von Racheakten an alawitischen Zivilisten. Laut einem Experten, der selbst syrischer Katholik ist, ließen sich Berichte über Massaker an der christlichen Minderheit bisher nicht verifizieren.

Nach Angaben von Rami Abdul Rahman, dem Leiter der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ in London, wurden 162 alawitsche Zivilisten auf grausame Weise hingerichtet. Der aktuelle Präsident Syriens, Ahmed al-Sharaa, versprach in einer Ansprache am Freitag, den Aufstand mit Gewalt niederzuschlagen. Gleichzeitig rief er dazu auf, alle Racheakte einzustellen und jene zur Verantwortung zu ziehen, die solche begangen haben. Laut der syrischen staatlichen Nachrichtenagentur Sana dient der Militäreinsatz an der Küste dazu, „die Überreste von Assads Milizen und deren Unterstützer“ niederzuringen. Unterdessen hat die Türkei Truppen an die syrische Grenze entsandt, insbesondere in die Nähe der kurdisch kontrollierten Gebiete im Norden Syriens. (DT/sba)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Assad-Regime Katholikinnen und Katholiken Massaker

Weitere Artikel

Martino Capelli bat die Muttergottes von Guadalupe um das Martyrium. Sein Gebet wurde erhört: 1944 wurden er und ein anderer Priester, Elia Comini, von der SS erschossen.
01.10.2026, 09 Uhr
Claudia Kock
Am Sonntag wird der italienische Pfarrer Ubaldo Marchioni seliggesprochen. Er wurde 1944 kaltblütig hingerichtet, als Nationalsozialisten ein furchtbares Massaker verübten.
29.09.2026, 05 Uhr
Claudia Kock

Kirche

Kirchenvertreter und Jordaniens Großmufti verurteilen den Angriff auf eine orthodoxe Kirche und rufen zum Gebet und zum Zusammenhalt von Christen und Muslimen auf.
24.10.2026, 14 Uhr
Meldung
Der Vatikan hat kurzfristig entschieden: Die Pilger der „Summorum-Pontificum“-Wallfahrt dürfen den Petersdom nicht einmal betreten. Eine unnötige Grausamkeit.
24.10.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Ein mehrtägiges Ratzinger-Symposion an der Universität Wien versteht sich als Ouvertüre zum Gedenkjahr des vor 100 Jahren geborenen Theologen-Papstes.
24.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Dogmatiker Jan-Heiner Tück würdigt Joseph Ratzingers Beitrag zum Zweiten Vatikanum und dessen Konzilsinterpretation bei theologischem Symposion an der Universität Wien.
24.10.2026, 08 Uhr
Meldung
Der Konflikt um die Neugestaltung des Altarraums der Basilika Weingarten geht in die nächste Runde: Neu aufgetauchte Unterlagen könnten die bisherigen Planungen infrage stellen.
23.10.2026, 14 Uhr
Meldung