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J.D. Vance: Trump-Erklärer mit parteiübergreifendem Ansehen

Weiß, konservativ, aufgewachsen in Unterschichtsverhältnissen im amerikanischen Rostgürtel: J.D. Vance könnte das Musterbeispiel eines Trump-Wählers sein. Warum der Autor des Bestsellers „Hillbilly Elegy“ dennoch parteiübergreifend Anerkennung erfährt.
Konservative in den USA: Der Erfolg des J.D. Vance
Foto: Andreas Hoenig (dpa) | J.D. Vance stammt aus dem sogenannten "Rust Belt" der USA, in dem kaum noch etwas produziert wird. Im Bild: Transportgeräte in Powhatan Point (Ohio) in einem Kohle-Verladehafen.

Dass die Vereinigten Staaten trotz boomender Konjunktur und der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 1969 ein innerlich zutiefst gespaltenes Land sind, ist bekannt. Aber selbst in diesen Zeiten gibt es in Amerika Personen, die trotz ihres klaren Bekenntnisses der Zugehörigkeit zu einer Partei (in diesem Fall der republikanischen) und konservativen politischen Ansichten weit über die eigenen Parteigrenzen hinaus Anerkennung erfahren – und sogar als politischer Kommentator für CNN und die New York Times wirken können.

Seine Lebensgeschichte fasziniert nicht wenige Menschen in den USA

Die Rede ist von J.D. Vance, einem 35-jährigen Autor und Kapitalmanager. Und womit er überparteilich punktet, ist erstaunlich. Seine Lebensgeschichte fasziniert nicht wenige Menschen in den USA: Aus Unterschichtsverhältnissen in Middletown, Ohio stammend, hineingeboren in eine Familie voller Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt und Verzweiflung, wuchs er im sogenannten „Rostgürtel“ von Amerika auf, dem Industriegebiet, das heute – weil dort kaum noch etwas produziert wird – zu den darbenden Regionen der USA gehört.

Vance ist aufgrund seiner Herkunft das, was man einen „Hillbilly“ nennt oder als „White Trash“ bezeichnet. Nachdem seine heroinabhängige, insgesamt fünfmal verheiratete Mutter als Erziehungsberechtigte komplett ausfiel nahm sich dessen Großmutter seiner an und brachte Liebe, Struktur und Ordnung in sein Leben. Dank ihrer Hilfe und ihrem Vorbild schaffte er seinen Schulabschluss, ging für rund vier Jahre zu den US-Marines und absolvierte schließlich die renommierte Yale Law School.

2016 veröffentlicht Vance seine Lebensgeschichte: "Hillbilly Elegy"

Er arbeitete danach im Silicon Valley für den deutsch-amerikanischen Investor und Trump-Berater Peter Thiel als Kapitalmanager und veröffentlichte (mit knapp 32 Jahren) im Juni 2016 seine Lebensgeschichte in Form der Autobiographie „Hillbilly Elegy“. Nach einem Interview mit dem amerikanischen Publizisten und orthodoxen Christen Rod Dreher („Die Benedikt Option“) für die Online-Ausgabe des Magazins „The American Conservative“ entwickelte sich „Hillbilly Elegy“ knapp zwei Monate später zu einem unerwartet großen Bestseller – gegenwärtig sind rund 800 000 Exemplare verkauft.

Und obwohl das Buch noch vor der Präsidentenwahl 2016 erschien, gilt es aufgrund seiner mitfühlenden, aber nicht unkritischen Betrachtung der weißen amerikanischen Unterschicht vielen als wichtige Erklärung dafür, warum Donald Trump schließlich im November desselben Jahres als Sieger vom Platz ging: eben weil dieser es vermochte, jene sehr unglücklichen Menschen anzusprechen, die das Gefühl haben, dass die politische Klasse sie verraten habe.

DT

Ob J.D. Vance 2016 Donald Trump gewählt hat – und in welchen Punkten er dessen Politik zustimmt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 29. Mai 2019.

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Stefan Ahrens Donald Trump

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