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In Österreich ist Beten umstritten

Eine adventliche Gebetsstunde im Parlament in Wien löst eine Kontroverse aus.
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP)
Foto: (Parlamentsdirektion)/J.Zinner | Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) sprach am Dienstagabend bei der Gebetsstunde nachdenkliche Worte.

Zu einer öffentlichen Debatte hat eine adventliche Gebetsstunde im österreichischen Parlament am Dienstagabend geführt. Die überparteiliche und interkonfessionelle Gebetsfeier, an der die Präsidenten von Nationalrat und Bundesrat teilnahmen, stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie: Hatten in den Vorjahren rund 200 geladene Gäste am Gebetsfrühstück teilgenommen, so waren am Dienstag nur wenige Sprecher physisch präsent, dafür übertrugen mehrere Radio- und Internetkanäle die 90 Minuten live. Über Video zugeschaltet sprachen die Spitzen von sechs christlichen Konfessionen sowie der Wiener Oberrabbiner Gebete.

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Proteste von der Opposition

Proteste gegen die Gebetsfeier kommen nun von den oppositionellen Parteien SPÖ und NEOS. Die liberalen NEOS wollen eine Gebetsveranstaltung im Parlament nicht dulden: „Das Parlament ist ja keine Kirche“, so der NEOS-Abgeordnete Niki Scherak, der für eine „strikte Trennung von Staat und Kirche“ eintritt. Der SPÖ-Abgeordnete Jörg Leichtfried meint: „Dass auf Betreiben des ÖVP-Nationalratspräsidenten via Livestream aus dem Parlament erzkonservativen katholischen Religionskreisen eine Bühne geboten wird, und sich ÖVP-Politiker dabei in Szene setzen, ist nicht akzeptabel und läuft der Trennung von Kirche und Staat eklatant zuwider.“

Kritik kam auch von der Katholischen Jungschar und der Katholischen Jugend, die gewollt hätten, dass „wesentlich breiter konfessions- und religionsübergreifend eingeladen“ worden wäre. Und von der kirchenfeindlichen „Initiative Religion ist Privatsache“, die in der Gebetsfeier „eine von der ÖVP und der Katholischen Kirche orchestrierte Vereinnahmung des Österreichischen Parlaments“ sieht. Tatsächlich jedoch sprachen neben christlichen und jüdischen Abgeordneten Vertreter von sechs christlichen Konfessionen und auch des Judentums.

"Schmerzliche Abwesenheit der Muslime

Die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak beklagte die „schmerzliche Abwesenheit der Muslime“. Angesichts der aktuellen Debatten über den „politischen Islam“ wirke das „wie eine klare Abgrenzung gegenüber der muslimischen Bevölkerung“. Die Wiener Tageszeitung „Die Presse“ ließ online über die Sinnhaftigkeit der parlamentarischen Gebetsfeier abstimmen: 78 Prozent (Stand Dienstagmittag) meinten, das sei eine gute Idee; kritisch sahen es lediglich 18 Prozent.  DT/sba

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