Kommentar um "5 vor 12"

Für die Abtreibungslobby wird es eng

Was das Sterben von Abtreibungskliniken in den USA bedeutet. 
Immer mehr Abtreibungskliniken Abtreibungskliniken  geben in den USA auf
Foto: Daniel Naupold (dpa) | In den USA geben immer mehr Abtreibungskliniken auf und bieten keine Abtreibungen mehr an. Tendenz steigend.

Die Meldung des „Guttmacher-Institute“, der zufolge rund 100 Tage nach der Rücknahme des Urteil Roe vs. Wade aus dem Jahre 1973 in insgesamt 14 US-Bundesstaaten ganze 66 Kliniken keine Abtreibungen mehr anbieten, dürfte Balsam für die geschundenen Seelen vieler in den Medien gern gescholtener Lebensrechtler sein. Denn 2020 wurden in diesen Kliniken laut dem „Guttmacher-Institute“ rund 126.000 vorgeburtliche Kindstötungen durchgeführt. Das sind mehr als eine in den USA gut bekannte Stadt wie Heidelberg Einwohner hat.

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Bedauerlicherweise bedeutet das nicht, dass in den 14 Bundesstaaten nun überhaupt nicht mehr abgetrieben würde. Ein Teil der schwangeren Frauen wird jetzt – und auch in Zukunft – Bundesstaaten aufsuchen, die vorgeburtliche Kindstötungen, teilweise bis zur Geburt, nach wie vor erlauben. Ein weiterer Teil wird nun – und auch in Zukunft – ihr ungeborenes Kind durch Einnahme der Abtreibungspille zu Hause töten. Einige werden, auch das gehört zur Wahrheit, dabei auch selbst sterben. Etwa weil niemand da sein wird, um bei Komplikationen ihren Blutverlust rechtzeitig zu stoppen oder zu kompensieren.

Ein Teil der Frauen wird sich für Hilfsangebote öffnen

Der andere Teil der ungewollt schwangeren Frauen aber wird nun länger und ausführlicher als bisher darüber nachdenken, ob ein Leben mit dem Kind nicht doch eine erstrebenswerte Alternative sein kann und sich vermehrt für Hilfsangebote öffnen, die in den USA häufig von den Kirchen und privaten Initiativen und noch zu wenig von staatlicher Seite bereitgestellt werden. Und solange das bliebt, sind Lebensrechtler gefordert, ihre beachtlichen Anstrengungen auf diesem Gebiet weiter zu forcieren.

Die Medien wiederum sind gefordert sich der Realität zu stellen. Dazu gehört, endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass es in aller Regel die Lebensrechtler sind, die in den USA wie andernorts nicht nur für das Lebensrecht ungeborener Kinder demonstrieren, sondern sich auch tatsächlich um die Frauen in Not kümmern. Und zwar sowohl vor als auch nach einer Abtreibung. Nicht selten entstehen dabei lebenslange Freundschaften.

So sicher wie das Amen in der Kirche

Die Abtreibungslobby, die lediglich eine unmoralische Dienstleistung verkauft, ist mit den oft verzweifelten Frauen fertig, sobald sie ihr tödliches Geschäft unter Dach und Fach gebracht hat. Sie wird nun, da dieses Geschäft empfindliche Einbußen verspricht, jeden tragischen Todesfall einer abtreibungswilligen Schwangeren, für ihre Zwecke hemmungslos ausschlachten. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dabei wird sie allerdings in argumentative Schwierigkeiten geraten.

Denn entweder sind Frauen, auch während einer Schwangerschaft, stark, selbstbestimmt und völlig autonom. Dann aber kann auch der bereits begonnene Abtreibungstourismus in Bundesstaaten, die Abtreibungen erlauben, keine unüberwindbare Hürde darstellen, zumal viele einfallslose Arbeitgeber sich öffentlich bereit erklärt haben, diesen zu sponsern. Oder Frauen sind eben doch, in der Ausnahmesituation, die eine Schwangerschaft darstellt, verletzlich und schutzbedürftig. Dann aber ist ein „Recht auf Abtreibung“, das es wegen des Lebensrechts des Kindes ohnehin nicht geben kann, auch aus feministischer Perspektive keine gute Idee.

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Stefan Rehder Lebensschutz Roe v. Wade Tod und Trauer

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