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Experten kritisieren Islam-Debatte

"Löst keine Probleme" - "Führt nicht weiter" - "Riss in der Gesellschaft wird größer". Zahlreiche Experten aus Wissenschaft und Politik kritisieren die Debatte über die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland und Europa.
Halbmond auf dem Minarett der Abubakr Moschee in Frankfurt (Hessen)
Foto: Boris Roessler (dpa) | Der Halbmond auf dem Minarett der Abubakr Moschee in Frankfurt (Hessen) hebt sich als Schattenriss vor der Sonne ab. Foto: Boris Roessler/dpa+++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

"Damit lösen wir kein Problem", betonte der Politik- und Islamwissenschaftler Marwan Abou Taam mit Blick auf die aktuelle  Islam-Debatte. Der Regierungsdirektor in der Staatsschutz-Abteilung des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz, äußerte sich am Donnerstagabend bei einem Podium zum Thema "Gehört der Islam zu Europa?" in Münster.

"Wir fangen in der Debatte wieder bei Null an und diskutieren immer in dieselbe Richtung." Der Islam brauche keine fest organisierte Religionsgemeinschaft, wie der Staat sie sich wünsche. "Je vielfältiger er ist, desto besser ist es für die Gesellschaft", erklärte Abou Taam.

Abou Taam wandte sich bei der Veranstaltung des Münsteraner Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) dagegen, dem Islam eine vorgegebene Struktur überzustülpen. Religion sei Spiritualität, und der Islam kenne keine Hierarchie. "Wir werden keinen katholischen Islam bekommen, auch wenn die Staatsorgane am liebsten einen islamischen Papst hätten", urteilte der Regierungsdirektor. Stattdessen müsse man dafür sorgen, dass mehr Muslime vom politischen System profitieren und muslimische Kinder demokratisch erzogen würden.

Die nordrhein-westfälische Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) hob hervor, der Staat dürfe an die muslimischen Verbänden keine Forderungen richten, die er nicht auch an andere Religionsgemeinschaften stelle. Derzeit verdiene keiner der Verbände die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts. "Es würde viele Probleme gar nicht lösen, wenn man sie anerkennen würde, sondern vielleicht sogar noch vergrößern", gab Güler zu bedenken. Die Ditib, die sich in der Vergangenheit teils große Verdienste erworben habe, müsse sich vom türkischen Staat abnabeln.

Der Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), Franz Wolf, erläuterte, auch in Österreich gebe es derzeit starke gesellschaftliche Debatten über den Islam. "Die Gefahr, dass der Riss in der Gesellschaft größer wird, wächst", warnte Wolf. "Wir schaffen es nicht mehr, Probleme pragmatisch zu lösen." Von der muslimischen Glaubensgemeinschaft wünsche er sich mehr Dialogfähigkeit und Kritik.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisierte in der "Berliner Zeitung" (Freitag) ebenfalls die aktuelle Diskussion. Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, "führt so, wie sie zur Zeit läuft, nicht weiter". Sie lasse sich sehr einfach mit Ja oder Nein beantworten. "Da weiß man dann aber noch nicht, was das dann fürs konkrete Zusammenleben der Gesellschaft bedeutet."

Die entscheidende Frage sei, wie ein Islam aussehen müsse, der mit einer offenen Gesellschaft kompatibel sei. "Man darf sich nicht davon abhalten lassen, über ein Thema zu sprechen, weil es schon mal von der AfD aufgegriffen wurde. Aber wir müssen bei allen Themen Antworten der demokratischen Mitte geben."

KNA / DT (jbj)

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