Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Es gibt ein anderes Russland

Russische Stimmen gegen Wladimir Putin und seinen völkerrechtswidrigen, blutigen Krieg verdienen unsere Aufmerksamkeit.
Julia Nawalnaja
Foto: IMAGO/Matthias Schumann (www.imago-images.de) | Sie will den Kampf ihres ermordeten Ehemannes fortführen: Julia Nawalnaja im Mai 2025 in Dresden.

Der Kreml diffamiert jede Kritik an Wladimir Putin und seinem völkerrechtswidrigen Krieg als „Russophobie“, und viele Putin-Apologeten im Westen übernehmen diese Sprachregelung. Umso wichtiger sind russische Stimmen, die den Tyrannen im Kreml, seinen brutalen Überfall auf das Nachbarland, seine Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Russischen Föderation, seine hybriden Kriege in den Nachbarländern und seine vielfältigen Verbrechen offen beim Namen nennen und kritisieren.

Lesen Sie auch:

In Russland selbst ist das kaum noch möglich, denn Putin ist längst vom Autokraten zum Diktator geworden. Er regiert mit Willkür, Angst und Gewalt. Kritiker wissen, dass sie mit willkürlicher Verhaftung, Enteignung, Verleumdung und sogar heimtückischem Mord rechnen müssen. Die Liste der russischen Opfer des Putin-Regimes ist lang und prominent. Die Botschaft hinter jeder Verhaftung, jedem Polit-Mord, jeder Folter lautet: Niemand ist sicher; jeden kann Putins langer Arm treffen. Eine lähmende Angst hat sich in der russischen Gesellschaft breit gemacht – wie einst in der kommunistischen Sowjetunion, der Putin nachtrauert.

Russland hat Besseres verdient

Im Exil aber gibt es weiterhin und immer wieder Russen, die sich nicht einschüchtern lassen, sondern mutig das Wort ergreifen: Da ist Julia Nawalnaja, die Witwe des vom System Putin im Februar ermordeten Regimekritikers Alexej Nawalny; da ist Wladimir Kara-Mursa, der wegen seiner Kritik an Putins Krieg zu einer langen Haftstrafe verurteilt und im August bei einem Gefangenenaustausch abgeschoben wurde; da ist auch der Bürgerrechtler Oleg Orlow, einst Mitbegründer und führender Jurist der russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“, deren Stalin-Kritik Putin so erzürnte, dass er die Organisation zerschlagen ließ.

Sie alle stehen für ein anderes, ein besseres Russland – und hoffentlich für das Russland nach Putin. Denn Russland hat eine bessere Führung verdient als den hasserfüllten, skrupellosen KGB-Agenten, der das Land in mehrere Kriege geführt, die Brücken zum Westen niedergebrannt und einen Kuschelkurs mit den übelsten Tyrannen des Planeten begonnen hat. Wer den Kriegsverbrecher Putin mit Russland identifiziert, ist wahrhaft „russophob“, denn Russland hat andere, klügere und edlere Gesichter.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Alexej Nawalny Kriegsverbrecher Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Licht im Dunkeln: ‚Russlands Zukunft‘ kämpft gegen die Zensur und bringt die Opposition zurück. Wird dieser neue Sender die Wende im Kampf um die Köpfe der Russen herbeiführen?
16.06.2025, 11 Uhr
Marc Stegherr
Die Visa-Einschränkungen der EU für russische Staatsbürger treffen die Falschen und stärken den Kreml. Stattdessen bräuchte es etwas anderes.
13.12.2025, 07 Uhr
Daria Boll-Palievskaya
Regieren kann man lernen: Wie Thomas von Aquin gegen den übergriffigen Staat argumentiert.
20.07.2026, 07 Uhr
Manfred Gerwing

Kirche

Dass die katholische Kirche angesichts der Krise in Ceuta als Stimme der Vernunft wahrgenommen wird, liegt vor allem an Erzbischof Rocha. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand.
11.08.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Die Laienpredigt ist vom Vatikan nicht erlaubt. Wenn er davon erfahre, dass nicht geweihte Menschen predigten, werde er aber nicht disziplinarisch eingreifen, so der Mainzer Bischof.
11.08.2026, 06 Uhr
Meldung
Wilhelm II. besuchte 1898 Jerusalem. Was sich daraus über die religionspolitischen Ziele des Kaisers lernen lässt.
10.08.2026, 09 Uhr
Benjamin Hasselhorn
Die Exkommunikation für unerlaubte Bischofsweihen wurde 1951 auch wegen der Situation der Kirche im kommunistischen China eingeführt. Heute übt Rom gegenüber dem Land Nachsicht.
07.08.2026, 19 Uhr
Jakob Naser