Weltklimakonferenz

Es geht ums Ganze – und um Geld

Noch bis morgen findet die jährliche Weltklimakonferenz statt. Doch mehr als Appelle sind von der großen Politik nicht zu erwarten – handeln müssen wir selber. Ein Kommentar.
Kampf gegen den Klimawandel
Foto: Fotostand / K. Schmitt via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Klimawandel verlangt weit mehr von uns als die Heizung zwei Grad runter zu drehen. Er verlangt ein Umdenken in der Art, wie wir arbeiten, wohnen, reisen, essen, kurz: wie wir leben.

Trotz immer bedrohlicheren Nachrichten aus der Wissenschaft scheint der Klimawandel in Zeiten von Corona und Krieg in den Hintergrund gerückt. Freilich gibt es Schnittmengen zwischen der akuten Kriegskrise und der chronischen Klimakrise, Themenfelder wie die Energieversorgung etwa. Doch der Klimawandel verlangt weit mehr von uns als die Heizung zwei Grad runter zu drehen. Er verlangt ein Umdenken in der Art, wie wir arbeiten, wohnen, reisen, essen, kurz: wie wir leben. Und: Er verlangt, dass wir mit dem Umdenken anfangen und zu handeln beginnen. Ganz konkret.

In diesem Geist nimmt die Weltklimakonferenz, die COP27, das Klimaproblem auf: Together for just, ambitious implementation NOW („Gemeinsam für eine gerechte, ambitionierte Umsetzung JETZT“). Die Großbuchstaben sind kein Druckfehler, sondern sollen der Dringlichkeit des Anliegens Ausdruck verleihen, die Beschlüsse von Paris zu verwirklichen.

Auf dem Highway zur Klimahölle

UN-Generalsekretär António Guterres bemühte zur Veranschaulichung ausgerechnet ein Bild aus der Autowelt: Die Menschheit befände sich „auf dem Highway zur Klimahölle“ und habe dabei den „Fuß immer noch auf dem Gaspedal“. Der Fuß muss die Bremse finden. Das ist „ambitioniert“, in der Tat. Und kostet Geld. Daran erinnert das Attribut „gerecht“.

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Dass ein afrikanisches Land Gastgeber der Weltklimakonferenz ist, kommt – bei aller Kritik an Ägyptens Umgang mit Aktivisten und Kritikern – zur rechten Zeit. Denn die Perspektive derer, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, muss endlich ernst genommen werden. Heißt: Es muss Finanzhilfen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern geben.

Und tatsächlich beschloss die COP27, die Finanzfrage als eigenen Punkt auf die Agenda zu setzen – in den letzten Jahren war das an den Industrienationen gescheitert. Afrikas Stimme wird gehört, beim Heimspiel in Sharm El-Sheikh.

Alles gut? Nein. Das Klimaproblem wird noch nicht von allen in seiner Bedeutung erfasst – einige Staatschefs fehlten bei der Konferenz. Unterdessen steigen die CO2-Emissionen weiter, trotz der Lockdowns und Klimaschutzmaßnahmen der vergangenen Jahre.

Der Appell geht vor allem an China

Das muss sich ändern. JETZT. Der Appell geht vor allem nach China, dem Land mit dem größten Anteil am globalen Kohlendioxidausstoß – etwa ein Drittel geht aufs Konto der größten Volkswirtschaft der Erde. Der Appell richtet sich aber auch an die USA, denn die Vereinigten Staaten sind in Sachen Klimaschutz ein wichtiger Partner Chinas. Gerade diese für die Welt so wichtige Kooperation droht nun an der Taiwanfrage zu zerbrechen.
Eine Menge weiterer Appelle – an den Westen, endlich die versprochenen 100 Milliarden Dollar jährlich an die Länder des Südens zu überweisen, an die Wirtschaft, endlich mit dem Systemwechsel von fossilen und regenerativen Energieträgern voranzukommen – geht von der Weltklimakonferenz aus.

Doch all das wird selbst, wenn es umgesetzt wird, nur ein Teil der Lösung des Klimaproblems sein. Handeln müssen wir nämlich alle selbst, in unserem Alltag. Stichwort: Anders leben. Doch so etwas  kann aber keine Konferenz beschließen, und auch keine Regierung verordnen. Hier ist tatsächlich jede und jeder Einzelne gefragt.

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Josef Bordat António Guterres Klimakrise

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