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EKD steigt aus der „Woche für das Leben“ aus

DBK will Fortbestand auf der Herbstvollversammlung beraten – Lebensrechtler reagieren gelassen.
Kirchen eröffnen "Woche für das Leben"
Foto: Jens Schulze (epd-Pool) | Bild aus dem vergangenen Jahr. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, predigt im Rahmen der Woche für das Leben im Gottesdienst in der Nikolaikirche in Leipzig.

Die Evangelischen Kirchen in Deutschland steigen aus der seit 1994 gemeinsam mit der Deutsche Bischofskonferenz veranstalteten „Woche für das Leben“ aus. Das berichtete heute als erster der „Weser-Kurier“. Nach Informationen der „Tagespost“ hat der Rat der EKD dies der Deutsche Bischofskonferenz (DBK) bereits am Freitag schriftlich mitgeteilt. Eine diesbezügliche Anfrage der „Tagespost“ bei der EKD-Pressestelle blieb heute, trotz Wiederholung, unbeantwortet. Der „Weser-Kurier“ hatte den Pressesprecher der EKD, Carsten Splitt, mit den Worten zitiert: „Wir sind in Gesprächen über die weitere Gestaltung der Themenwoche und reden dazu auch mit unseren katholischen Partnern“.

DBK bedauert den Beschluss des Rats der EKD

Der Pressesprecher der Deutsche Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte der „Tagespost“ dagegen heute auf Anfrage: „Die Deutsche Bischofskonferenz bedauert, dass der Rat der EKD den Ausstieg aus der ökumenischen Woche für das Leben beschlossen hat. Wir sind traurig, dass eine der ältesten ökumenischen Initiativen in Deutschland, die sich seit fast 30 Jahren als wichtiger Beitrag zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens einsetzt, für die EKD keine Relevanz mehr hat.“

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Die Themen lägen „auf dem Tisch – von der Suizidprävention über die Frage von Demenz bis hin zu einem würdevollen Sterben im Alter“. Kopp: „Wir können nicht nachvollziehen, dass die EKD dieses gemeinsame Projekt, bei dem wir als Kirchen mit einer Stimme in der Öffentlichkeit aufgetreten sind, verlässt. Dazu hätten wir uns vor allem eine gemeinsame Bewertung der gerade abgeschlossenen Evaluation der Woche für das Leben gewünscht.“ Die Deutsche Bischofskonferenz werde nun „bei ihrer nächsten Vollversammlung über den Fortbestand der Woche für das Leben beraten, die dann möglicherweise nicht mehr ökumenisch stattfinden wird“, so Kopp.

Lebensrechtler reagieren gelassen 

Die deutsche Lebensrechtbewegung reagierte gelassen auf die Nachricht. Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V., Cornelia Kaminski, erklärte auf Anfrage der „Tagespost“: „Einerseits ist es bedauerlich, dass die beiden großen christlichen Kirchen in Fragen des Lebensschutzes künftig nicht mehr zusammen öffentlich in Erscheinung treten werden. Andererseits bietet dies der Katholische Kirche in Deutschland die Möglichkeit ihre diesbezüglichen Positionen nun wieder profilierter darzustellen.“ Die Chefin der größten Lebensrechtsorganisation in Deutschland nannte es „ein offenes Geheimnis“, dass die EKD in der Vergangenheit in vielen Fragen, die den Lebensschutz berührten, „weniger eindeutige und klare Positionen vertreten hat, als die Deutsche Bischofskonferenz und sich dies auch bei der Themenfindung und Ausgestaltung der ,Woche für das Leben‘ niedergeschlagen hat“. 

„Eine ,Woche für das Leben“, die sich mit Nischenthemen begnügt, während in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft Mega-Themen wie die Streichung vorgeburtlicher Kindstötung aus dem Strafgesetzbuch, die rechtliche Ausgestaltung des assistierten Suizids oder die Aufgabe des Verbots embryonenverbrauchender Forschung auf der Agenda stehen, braucht niemand.“ Auch zusammen stellten die beiden christlichen Konfessionen inzwischen eine Minderheit in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland dar. „In einer derart individualisierten Gesellschaft wie der unseren kommt es ohnehin nicht mehr auf Bevölkerungsmehrheiten an, sondern, wie die gesellschaftspolitischen Erfolge von Minderheiten zeigen, auf die Güte der Argumente sowie die Kampagnenfähigkeit“, so Kaminski weiter.

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Stefan Rehder Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. Deutsche Bischofskonferenz Katholische Kirche Lebensschutz Ökumene

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