An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist eine Streit um eine Vorlesung der Psychologie-Professorin Ute Johanna Bayen am heutigen Dienstag zum Thema „Entwicklung von Trans-Identität“ entbrannt. Mehrere Studentenverbände haben zu einer Protestkundgebung aufgerufen.
Zu den Organisatoren gehören der „Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband Düsseldorf“, die Fachschaftsliste, die „Juso-Hochschulgruppe Düsseldorf“ und „Campusgrün HHU Düsseldorf“. In einem am Freitag auf der Plattform „Instagram“ veröffentlichten Aufruf erklären die Hochschulgruppen, Bayen wolle im Rahmen ihrer Vorlesung darüber sprechen, „warum die Existenz von Trans*Identitäten wissenschaftlich nicht haltbar sei und die Verbreitung von ‚Trans-Ideologie‘ Kinder und Jugendliche gefährden würde“. Solche Aussagen seien „nicht nur menschenfeindlich, sondern auch wissenschaftlich falsch“, heißt es in dem Beitrag. Man wolle „klar machen“, dass Transfeindlichkeit „weder auf unserem Campus noch in der Lehre Platz“ habe.
Auch der „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS) Düsseldorf beteiligte sich zunächst an dem gemeinsamen Instagram-Beitrag der Hochschulgruppen. In einer am gestrigen Montag veröffentlichten Stellungnahme erklärte der Verband jedoch, die endgültige Fassung sei „anders umgesetzt“ worden als im Studentenparlament besprochen. Der Verband habe „das Posting“ zunächst dennoch mitgetragen, weil ihm „das gemeinsame Signal wichtig war“. Nachträglich habe der RCDS den gemeinsamen Beitrag jedoch entfernt, da die veröffentlichte Fassung „nicht in allen Punkten“ der Position des Verbandes entsprochen habe.
Zudem stellte der Verband klar, dass er den Aufruf zur Kundgebung nicht teile und die Forderungen des „Allgemeinen Studierendenausschusses“ (AStA) nach einem Campusverbot sowie der Entlassung Bayens ausdrücklich ablehne. „Wir wollen, dass diese Vorlesung stattfindet, aber mit einem kritischen Auge betrachtet wird“, heißt es in der Stellungnahme. Die Freiheit von Forschung und Lehre schütze auch kontroverse wissenschaftliche Positionen. Der RCDS kündigte zudem an, am Dienstag an der Vorlesung teilzunehmen und sich erst anschließend ein eigenes Urteil zu bilden.
Die HHU hält an der Veranstaltung fest. Ein Sprecher der Universität erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Die Heinrich-Heine-Universität achtet das Grundrecht der Freiheit von Forschung und Lehre. Eine Absage der Vorlesung seitens der Hochschulleitung ist dementsprechend nicht vorgesehen.“
Bayen selbst wies die ihr gegenüber erhobenen Vorwürfe zurück. „In meiner Arbeit an der Universität diskriminiere ich selbstverständlich keine einzelnen Menschen oder Menschengruppen. Auch in meinem persönlichen Leben sind Menschen jeder Identität willkommen“, erklärte sie gegenüber der „Rheinischen Post“. Ihre Vorlesung vermittle Studenten im Bachelorstudiengang Psychologie „einen Überblick über den aktuellen Stand der psychologischen Forschung“ und berücksichtige „bestehende Forschungslücken, wissenschaftliche Kontroversen sowie unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten empirischer Befunde“. DT/jna
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