Man kennt das Spiel inzwischen: An einer Universität soll ein Vortrag gehalten werden. Die Person oder das Thema ist woken Aktivisten ein Dorn im Auge und sie blasen zum Protest. Die neueste Iteration fand an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt. Dort wollte Ute Johanna Bayen, seit 2007 Professorin für Mathematische und Kognitive Psychologie an nämlicher Hochschule, im Rahmen ihrer regulären Vorlesung über die „Entwicklung von Trans-Identität“ sprechen.
Stein des Anstoßes war, dass Bayen in einer Einladungsmail geschrieben hatte: „Trans-Ideologie ist wissenschaftlich nicht haltbar, verbreitet falsche Vorstellungen über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und gefährdet deren Entwicklung.“ Der „Allgemeine Studierendenausschuss“ (AStA) und das „Referat für trans*, inter* und nicht-binäre Studierende“ (TINby) machten gegen den Vortrag mobil, forderten die Absage und sogar die Entlassung der Professorin sowie ein Campusverbot für sie.
Zögerliches Bekenntnis zur Wissenschaftsfreiheit
So weit, so vertraut. Allerdings – und das ist das Entscheidende – ging die Sache anders weiter, als dies vor wenigen Jahren noch üblich und erwartbar gewesen wäre. Man denke nur an den Fall der jungen Biologin Marie-Luise Vollbrecht, die 2020 an der Berliner Humboldt-Universität für einen geplanten Vortrag über Zweigeschlechtlichkeit gecancelt wurde. Diesmal lief die Sache nicht ganz nach dem Geschmack der linken Diskurspolizei: Statt den Protestlern nachzugeben, den Vortrag abzusagen oder sich öffentlich von der inkriminierten Professorin zu distanzieren, erklärte die Rektorin Anja Steinbeck unter Verweis auf die „Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit“, es sei „nicht akzeptabel, jemanden im Vorfeld zum Schweigen zu bringen.“ Wie an der peinlichen Einschränkung „im Vorfeld“ ersichtlich, war dies zwar nur ein angstbehaftetes, verschwurbeltes Bekenntnis zur Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit, aber immerhin war es eines.
Der unter Polizeischutz gehaltene Vortrag wurde massiv gestört, aber er wurde gehalten. Auch medial dominierte klar das Kopfschütteln über die hysterische Zensurlust der studentischen Aktivist*innen. Dass der Wind sich langsam zu drehen beginnt und die woke Zensurhysterie nicht mehr widerstandslos die Hochschulen dominiert, haben auch die Studenten gemerkt. Inzwischen ließ der AStA verlautbaren, man sei von den ursprünglichen Forderungen nach Rausschmiss und Campusverbot für die Professorin abgerückt. Nun rufe man zu einem „friedlichen und wissenschaftsbasierten Austausch“ auf. Die woke Ideologie an deutschen Hochschulen ist noch nicht besiegt, aber sie wird inzwischen immerhin zu Rückzugsgefechten gezwungen.
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