Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Wien

Dombaumeister: Wiederaufbau Notre-Dames in fünf Jahren ambitioniert

Der Wiener Dombaumeister Wolfgang Zehetner kann sich nicht vorstellen, dass in fünf Jahren alle entstandenen Schäden behoben werden können. Grundsätzlich wünscht er sich einen originalgetreuen Wiederaufbau.
Wiederaufbau von Notre-Dame könnte länger dauern
Foto: Thibault Camus (AP) | Will keine Plastik-Wasserspeier aus dem 3D-Drucker an der Pariser Kathedrale Notre-Dame: der Wiener Dombaumeister Wolfgang Zehetner.

Der Wiener Dombaumeister Wolfgang Zehetner ist skeptisch, dass sich die von einem Brand schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen lässt. Dies hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron nach dem verheerenden Feuer versprochen. „Ich halte das für sehr ambitioniert“, so Zehetner, der auch Vorsitzender der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister ist, im Interview mit „Spiegel Online“.

Behebeung aller Schäden könnte Jahrzehnte dauern

Dabei sieht der Experte die Kosten nicht als das Problem. „Mit den momentan Spendenzusagen sollte das klappen.“ Jedoch kann sich der Dombaumeister nicht vorstellen, „dass man in dieser Zeit wirklich alle Schäden, die entstanden sind, beheben kann“. Dies könne seiner Einschätzung nach Jahrzehnte dauern, insbesondere, wenn man die Kathedrale originalgetreu wiederaufbauen wolle.

Dazu müssten auch die feingliedrigen Teile der Kirche wieder aus Steinblöcken gehauen werden, „und zwar von Handwerkern“, so Zehetner weiter. Diese Techniken seien zum Teil über 700 Jahre alt. Computer könnten heute zwar beim Fräsen helfen. Aber die Fertigstellung bleibe beim Handwerker. „Das macht ja auch einen Reiz bei originalgotischen Bauwerken wie Notre-Dame aus: dass in jedem Detail auch ein bisschen die Handschrift des Künstlers drinsteckt.“

Nicht viele Handwerker kommen für Mitarbeit am Wiederaufbau in Frage

Darüber hinaus weist der Dombaumeister darauf hin, dass es nicht viele Handwerker gebe, die für eine Mitarbeit am Wiederaufbau in Frage kämen - „in ganz Europa vielleicht einige hundert“. Ein weiteres Problem sei es, passende Material für einen originalgetreuen Wiederaufbau zu finden. Normalerweise versuche man, Stein aus der Umgebung zu nehmen, der schon beim ursprünglichen Bau verwendet wurde. „Nur denke ich, dass die Steinbrüche, die dieses Material geliefert haben, heute ausgeschöpft oder ausgebeutet oder zugebaut sind: Da stehen im Großraum Paris heute vielleicht Hochhäuser drauf.“ Daher halte er es im Fall von Notre-Dame für legitim, den von Geologen analysierten, passendsten Stein zu beschaffen, „etwa aus Indien oder Brasilien“.

Grundsätzlich sei es sein persönlicher Wunsch, so Zehetner, dass das „mittelalterliche Vorbild für viele Kathedralen, diese Monument der gotischen Architektur, eine Ikone“, möglichst originalgetreu wiederhergestellt werde. Er könne sich keine Plastik-Wasserspeier aus dem 3D-Drucker vorstellen.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Emmanuel Macron Notre-Dame Wiederaufbau

Weitere Artikel

Es ist soweit: Die ersten Bilder aus dem Inneren der neu erstandenen Kathedrale gehen um die Welt.
29.11.2024, 18 Uhr
Franziska Harter
UN-Generalsekretär Guterres thematisiert in Syrien zu Recht die katastrophale Wirtschaftslage. Auf die desaströse Menschenrechtsentwicklung unter al-Sharaa geht er leider nicht ein.
01.08.2026, 15 Uhr
Stephan Baier
In der Ukraine offenbart sich immer deutlicher die Unfähigkeit der Europäer, sich den brutalen Realitäten zu stellen. Man flüchtet in eine Traumwelt, doch das Erwachen wird böse sein.
23.08.2025, 15 Uhr
Stefan Haböck

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser