Wird J.D. Vance einmal Präsidentschaftskandidat der Republikaner? Gut möglich. Ob er bereits 2028 derjenige sein wird, der Trump beerben soll, scheint ungewisser denn je. Noch hat niemand seinen Hut in den Ring geworfen. Auch nicht der neben Vance wohl aussichtsreichste Kandidat, Außenminister Marco Rubio. Außer Frage steht: Tritt Vance an, ist er automatisch einer der Hauptfavoriten auf das Ticket der Republikaner. Doch der strategisch denkende Vance sollte zumindest das Szenario durchspielen, mindestens noch einen Wahlzyklus verstreichen zu lassen, ehe er sich für das höchste Staatsamt bewirbt.
Denn 2028 wird für die Republikaner keine Wahl wie jede andere: Es wird die erste Präsidentschaftswahl seit 2012 sein, bei der Donald Trump nicht auf dem Zettel steht. Die Republikaner befinden sich schon jetzt in einer kaum berechenbaren Übergangsphase: Es scheint offener denn je, welchen Kurs die Partei künftig einschlagen soll, wenn die polarisierende, und doch charismatische Führungsfigur Trump als Klammer wegfällt, die die unterschiedlichen Strömungen im rechten Lager verbindet. Angesichts des politischen Trümmerhaufens, den Trump zu hinterlassen droht, steht jeder Kandidat vor kaum lösbaren Herausforderungen. Will sich Vance, mit 42 Jahren für einen potenziellen Präsidenten noch überaus jung, diesen verschärften Bedingungen wirklich stellen?
Vance droht, unter Druck von ganz rechts zu geraten
Zumal Vance, wie 2024 schon die Demokratin Kamala Harris, mit dem Dilemma wird umgehen müssen, sich als Vizepräsident nicht glaubwürdig vom Präsidenten distanzieren zu können. Gerade jene Distanz dürfte angesichts der sinkenden Beliebtheitswerte Trumps, man denke nur an das Desaster in Nahost, aber von entscheidender Bedeutung sein. Hinzu kommt: Trump hat in den letzten zehn Jahren die Grenzen des Sag- und Machbaren innerhalb seiner Partei weit nach rechts verschoben. Auch wenn Vance in der medialen Berichterstattung hierzulande oft als Rechtsaußen dargestellt wird: Seine wirtschafts- und familienpolitischen Ideen tragen teilweise fast sozialdemokratische Züge. Trumps Kumpanei mit den Tech-Oligarchen à la Musk, Bezos und Zuckerberg dürfte er kaum fortsetzen.
Und nicht zu vergessen: Insbesondere unter dem republikanischen Nachwuchs in Behörden, Verwaltung und Thinktanks zeigt sich zunehmend eine tektonische Verschiebung zum rechten Rand. Es spricht Bände, dass selbst der orthodoxe Publizist Rod Dreher, der gewiss nicht im Verdacht steht, ein heimlicher Moderater zu sein oder linksliberale Sympathien zu hegen, im extrem rechten Aktivisten Nick Fuentes und dessen Anhängerschaft eine der größten Gefahren für Vance‘ weiteren Aufstieg sieht. Vance ist pro Israel, verheiratet mit einer Frau hinduistischen Glaubens mit indischen Wurzeln und wurde gefördert vom homosexuellen Investor Peter Thiel: Für das Lager um Fuentes sind da gleich mehrere rote Linien überschritten. Die Frage ist, welchen Einfluss es in Zukunft innerhalb der Republikaner ausüben wird.
Es spricht einiges dafür, dass J.D. Vance einmal zum Erben Trumps avanciert – nicht zuletzt seine abwechslungsreiche Biografie, mit der er auch den amerikanischen Traum vom Aufstieg aus sozial prekären Verhältnissen bis ganz nach oben verkörpert. Gleichzeitig ist es kein Geheimnis, dass Vance aufbrausend, impulsiv und ungeduldig sein kann. Womöglich wird seine Entscheidung, 2028 zu kandidieren, auch davon abhängen, ob er die Geduld und Weitsicht aufbringt, den richtigen Moment abzuwarten.
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