Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12"

Die Terrorgefahr wächst

Es gibt keinen Westen mehr: Donald Trump stimmte seinen Militärschlag mit Israel ab, aber nicht mit den Europäern.
Trump Addresses The Nation On The Attack On Iran
Foto: IMAGO/Carlos Barria - Pool via CNP (www.imago-images.de) | Donald Trump, der als Friedensstifter in die Geschichte der USA (und die Liste der Nobelpreisträger) eingehen wollte, ist zu militärischer Initiative bereit.

Bis zuletzt hatten die Europäer versucht, einer Verhandlungslösung Raum zu verschaffen und auf Deeskalation zu setzen. Mit seinem direkten militärischen Eingreifen im Iran hat US-Präsident Donald Trump den Europäern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Während die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands sowie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas in Genf auf Diplomatie gegenüber Teheran setzten, bereitete Trump mit Israels Premierminister Netanjahu bereits den ultimativen Luftschlag gegen die iranischen Atomanlagen vor.
Wie immer man Trumps Vorgehen militärisch und politisch beurteilt, lautet die erste Lektion aus diesem Vorgehen: Es gibt keinen „Westen“ mehr. Washington stimmt sich mit Israel ab, aber nicht mit Großbritannien und der Europäischen Union. Zwei Tage vor dem Beginn des NATO-Gipfels ist das keine gute Botschaft für uns, aber eine tolle Nachricht für Wladimir Putin und Xi Jinping.

Die zweite Lektion lautet: Donald Trump ist keineswegs ein Isolationist, sondern vertritt das, was er für Amerikas Interesse hält, global mit robusten Mitteln und gerne auch im Alleingang. Die Vereinten Nationen, das Völkerrecht und die Partner der USA spielen dabei keine Rolle. Der Präsident, der als Friedensstifter in die Geschichte der USA (und die Liste der Nobelpreisträger) eingehen wollte, ist zu militärischer Initiative bereit. Und seine Risikobereitschaft ist dabei enorm, denn die weltweite Terrorgefahr ist damit ja nicht gebannt, sondern höher denn je. Nicht nur die unmittelbare regionale Eskalationsgefahr ist – trotz der massiven Schwächung des Iran und seiner Verbündeten – nun akut, sondern auch das Risiko, dass der Iran oder seine schiitischen Sympathisanten nun israelische, amerikanische oder einfach „westliche“ Ziele irgendwo auf der Welt zum legitimen Terrorziel erklären.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Benjamin Netanjahu Donald Trump Militärschläge Terrorgefahr UNO Wladimir Wladimirowitsch Putin Xi Jinping

Weitere Artikel

Der Sohn des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro greift in Brasilien nach der Macht. Er steht für einen stramm rechten, evangelikalen Weg und für die Nähe zu Donald Trump.
20.10.2026, 08 Uhr
Tobias Käufer
Israel und die USA führen einen Krieg gegen Iran, bei dem es nicht nur um das Atom- und Rüstungsprogramm oder um die arabischen Proxys der iranischen Mullahs geht.
28.02.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Die Mullahs in Teheran haben ihre Überlebensfähigkeit und ihren Widerstandswillen soeben bewiesen. Dennoch dreht Donald Trump gefährlich an der Eskalationsschraube.
23.03.2026, 16 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Christus verkünden statt auf die Straße mit Gebrüll: Frankreichs Bischöfe ermutigen die Jugend, gerade jetzt in der Heiligkeit zu wachsen. Die Unruhen zeugten von Sinnsuche.
26.10.2026, 14 Uhr
José García
Proteste in Frankreich, verfolgte Lebensschützer in England: Und trotz allem gibt es für Christen immer Grund zur Hoffnung. Das meinen auch Frankreichs Bischöfe.
26.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Kirchenvertreter und Jordaniens Großmufti verurteilen den Angriff auf eine orthodoxe Kirche und rufen zum Gebet und zum Zusammenhalt von Christen und Muslimen auf.
24.10.2026, 14 Uhr
Meldung
Der Vatikan hat kurzfristig entschieden: Die Pilger der „Summorum-Pontificum“-Wallfahrt dürfen den Petersdom nicht einmal betreten. Eine unnötige Grausamkeit.
24.10.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Ein mehrtägiges Ratzinger-Symposion an der Universität Wien versteht sich als Ouvertüre zum Gedenkjahr des vor 100 Jahren geborenen Theologen-Papstes.
24.10.2026, 18 Uhr
Meldung