Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Istanbul

Die Hagia Sophia als Kirche und Moschee?

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich plädiert für eine gemeinsame Nutzung.
Besucher im Innenraum der Hagia Sophia
Foto: Osman Orsal (XinHua) | Besucher im Innenraum der Hagia Sophia: Das Oberhaupt der größten christlichen Konfession in der Türkei hatte Mitte Juni auf Twitter dafür plädiert, die Hagia Sophia als Gotteshaus für Christen und Muslime zu nutzen.

Weder der Status als Museum noch jener als Moschee werde der Hagia Sophia von Istanbul gerecht, meint der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural. In einem Gastkommentar in der linksliberalen Tageszeitung „Der Standard“ schreibt Vural: „Dieses Gotteshaus war zuvor beides: Kirche und Moschee. Es sollte im Sinne eines Zusammenwachsens unserer Kulturkreise, um Ausgrenzung und Konflikte zu vermeiden, eine gemeinsame Nutzung möglich sein.“

Grundsätzlich begrüßt Vural, „dass dieses außergewöhnliche Gotteshaus wieder für seinen ursprünglichen Zweck genutzt wird: das Gebet“. Er räumt aber ein, dass die Umwidmung „in ein Gotteshaus, das einer Religion gehört, der Geschichte der Hagia Sophia nicht gerecht“ wird.

Lesen Sie auch:

Gemeinsame Nutzung von Christen und Muslimen?

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich greift damit – ohne ihn zu nennen – eine Idee auf, die der armenisch-apostolische Patriarch von Konstantinopel, Sahak Masalayan, vor einem Monat äußerte: Das Oberhaupt der größten christlichen Konfession in der Türkei hatte Mitte Juni auf Twitter dafür plädiert, die Hagia Sophia als Gotteshaus für Christen und Muslime zu nutzen. Der im Vorjahr ins Amt gewählte Patriarch, der die rund 70.000 christlichen Armenier in der Türkei repräsentiert, meinte, die Anwesenheit betender Muslime und Christen sei dem Bau, der ein Jahrtausend Kirche und fast ein halbes Jahrtausend Moschee war, angemessener als die Besucherströme von schaulustigen, oft ehrfurchtslosen Touristen. Wörtlich: „Mögen wir auch verschiedenen Religionen angehören, so dienen wir doch dem Einen Gott.“

DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Christen Hagia Sophia Moscheen Muslime

Weitere Artikel

Archäologische Funde am Arabischen Golf zeigen, dass christliche Gemeinden nicht sofort nach der Geburt des Islams verschwanden.
08.03.2026, 16 Uhr
Bodo Bost
In der Heimat seines Ordensvaters Augustinus ermutigte Papst Leo XIV. zur Bekehrung.
16.04.2026, 05 Uhr
Regina Einig
Sie war eine der bedeutendsten Kirchen der Christenheit: Dass Leo XIV. bei seinem Instanbul-Aufenthalt die Sultan-Ahmet-Moschee statt der Hagia Sophia besucht, hat einen guten Grund.
28.11.2025, 19 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Das neue Vatikanpapier zum Papstamt belebt die ökumenische Debatte. Doch beim Katholikentag wurde deutlich: Der Weg zu einer gemeinsamen christlichen Stimme bleibt weit.
16.05.2026, 16 Uhr
Heinrich Wullhorst
Ralph Brinkhaus fordert mehr Gottesbezug, Kardinal Marx hält sich lieber an die Vernunft. Doch wie jenseitig dürfen politische Ratschläge der Kirche dann noch sein?
16.05.2026, 13 Uhr
Jakob Ranke
Der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer verweist auf „Dynamiken“ bei der Prüfung der Satzung in den römischen Dikasterien.
16.05.2026, 12 Uhr
Meldung
Nikola Eterović ist Ende April als Nuntius ausgeschieden. Er hat sich auch grundsätzlich mit den Möglichkeiten der päpstlichen Diplomatie auseinandergesetzt.
16.05.2026, 19 Uhr
Michael Feldkamp