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Deutschland soll nicht der „Puff Europas“ bleiben

Freier kriminalisieren, nicht Frauen: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner fordert ein Verbot der Prostitution. Richtig so: Eine Trendumkehr ist dringend geboten.
Politikredakteur Sebastian Sasse, Reeperbahn
Foto: DT / IMAGO / Winfried Rothermel | Puff des Nordens: die Hamburger Reeperbahn. Nicht gerade ein deutsches Ruhmesblatt.

Drastisch, deutlich, richtig: Bundestagsvpräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat Deutschland den „Puff Europas“ genannt. Damit macht die zweite Frau im Staat auf einen Zustand aufmerksam, der alle, die sich um Frauenrechte sorgen, umtreiben muss: die Lage von Prostituierten. „Wenn wir sonst über Frauenrechte sprechen, aber sagen, dass Prostitution ein Beruf wie jeder andere sei, dann ist das nicht nur lächerlich, sondern Verächtlichmachen von Frauen. Es gibt auch keine Schülerpraktika in diesem Beruf“, erklärte die Christdemokratin. Und Klöckner belässt es auch nicht bei der bloßen Empörung, sie will, dass Prostitution verboten wird. Ihr Vorbild ist das sogenannte nordische Modell, das in Schweden und Norwegen praktiziert wird.

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Hier ist der Kauf von Sex illegal, nicht aber der Verkauf. Die Folge: Nicht die Prostituierte wird kriminalisiert, sondern der Freier. Die Gesetze, die bisher in Deutschland gelten, seien hingegen nicht ausreichend. Es bestehe immer noch ein hohes Gewaltpotenzial in dem Gewerbe, das sich in der Übermacht von Männern ausdrücke. Auch die Frauen, die nicht freiwillig als Prostituierte arbeiteten, müssten endlich in den Blick genommen werden. 32.000 Prostituierte sind nach dem Statistischen Bundesamt offiziell in Deutschland registriert. Die Dunkelziffer ist aber weitaus größer. So schätzt etwa die Deutsche Steuergewerkschaft, dass es rund 250.000 Prostituierte gebe. Seit 2017 gilt das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz, danach sind Prostituierte dazu verpflichtet, sich anzumelden, Bordell-Betriebe unterliegen einer Erlaubnispflicht.

Ort und Veranstaltung hat Klöckner gut gewählt: Sie sprach bei der Verleihung des „Heldinnen-Awards“, der von der Alice-Schwarzer-Stiftung vergeben wird. Dieses Mal wurden Sabine Constabel und Cathrin Schauer-Kelpin ausgezeichnet, die sich als Streetworkerinnen um Prostituierte kümmern. Klöckner mahnt mit ihren klaren Worten bei dieser Veranstaltung an, dass es unter echten Feministinnen eine Solidarität über Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinweg geben muss. Und beweist damit, dass gerade gläubige Christen hier die richtigen Bündnispartner sind, wenn auch manche in der feministischen Szene vielleicht noch versuchen, das zu ignorieren.

Die Bundestagspräsidentin beweist hier wieder einmal, dass sie ein Gespür dafür hat, Themen zu setzen. Und zwar bewusst gegen den Trend, den man auch Mainstream nennen kann. Gerade in der Frage der Prostitution ist so eine Trendumkehr dringend geboten. Das Schloss Bellevue ist eine Option Klöckner. Es ist leider schon länger her, dass dort jemand saß, der deutliche Worte findet und die richtigen Themen setzt.

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