Chengdu

China: Kritischer Pastor zu neun Jahren Haft verurteilt

Peking tritt die Religionsfreiheit mit Füßen. Das Urteil gegen Wang Yi zeigt dies deutlich. Menschenrechtler schlagen Alarm.
Gefängnis in China
Foto: Open Doors | In China wurde der Pastor Wang Yi zu neun Jahren Haft verurteilt. Symbolbild: Ein Gefängnis in China.

In China ist ein evangelischer Pfarrer zu einer Haftstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Pastor Wang Yi wurde laut Angaben eines Gerichts im südwestchinesischen Chengdu wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“ und „illegaler Geschäftstätigkeit“ schuldig gesprochen. Dies hat  die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) am Montag berichtet. Wang hatte eine Untergrundkirche in Chengdu geleitet.

Auch die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) berichtet über den Fall. Laut NZZ verliert der Pfarrer zudem für drei Jahre seine politischen Rechte. Außerdem werden Gegenstände aus dem Besitz Wangs im Wert von 50 000 Yuan, beschlagnahmt. Das entspricht etwa 6.500 Euro.

Amnesty: Ein Schlag gegen die Religionsfreiheit

Die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ kritisierte das Urteil gegen Wang scharf. Es sei ein Schlag gegen die in China eigentlich garantierte Religionsfreiheit. Wang habe nur seinen Glauben praktiziert und sich friedlich für Menschenrechte in China eingesetzt, sagte Patrick Poon von „Amnesty International“ in Hongkong. 

Das Urteil gegen den Pastor macht deutlich, dass Religionsfreiheit in China nur theoretisch existiert. Es sei Ziel der Kommunistischen Partei, dass sich religiöse Gruppen der Partei und dem Staat unterordnen. Die Repressalien würden immer schärfer, schreibt die NZZ zum Fall Wang. Weiter heißt es in dem Bericht: Trotz oder wegen der atheistischen Staatsdoktrin seien zahlreiche Chinesen auf der Suche nach Spiritualität. „Das zeigt sich auch in der wachsenden Zahl an Christen seit den achtziger Jahren. Wie viele es in China gibt, ist schwer zu schätzen. Die Mehrzahl gehört jenen illegalen protestantischen Haus- oder katholischen Untergrundkirchen an. Oft zitierte Quellen gehen von bis zu 70 Millionen Christen aus, wobei 58 Millionen einer protestantischen und 12 Millionen einer katholischen Glaubensgemeinschaft zugerechnet werden.“

„Verfolgung ist ein Preis, den zu zahlen der Herr wert ist. Wir ertragen sie lieber, als unseren Glauben zu verbergen“ 

Nach Angaben von „Open Doors“ war Pastor Wang am 9. Dezember 2018 im westchinesischen Chengdu zusammen mit seiner Frau Jiang Rong und 10 Kirchenmitarbeitern verhaftet worden. Seine Kirchengemeinde sei geschlossen worden, ebenso wie am 16. Dezember die Gemeinde des bekannten Pastors Samuel Lamb im südchinesischen Guangzhou. Beide hätte keine offizielle Genehmigung gehabt – ähnlich wie Tausende anderer Kirchen.

„Open Doors“ bezeichnet Wang als renommierten Rechts- und Menschenrechtswissenschaftler und christlicher Leiter. Er gehöre zu den Gründern Early Rain Covenant Church. Wang sei bekannt gewesen für seine entschiedene Ablehnung staatlicher Eingriffe in kirchliche Aktivitäten und für seine Ermutigung anderer Christen, ihr Recht auf Religionsfreiheit wahrzunehmen. Wang war deshalb bereits mehrfach festgenommen worden, bis zu seiner Festnahme im Dezember 2018 aber jedes Mal innerhalb von 48 Stunden wieder freigelassen. 

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Zwei Tage nach Wangs Verhaftung  im Dezember 2018 hatten Mitglieder seiner Gemeinde im Auftrag des Pastors einen Brief veröffentlicht, den er für den Fall seiner Inhaftierung vorbereitet hatte. In dem Schreiben bezeichnet Wang das Vorgehen der chinesischen Regierung gegen die christlichen Kirchen als „zutiefst boshaft“ und „gesetzwidrig“. Wang betont: „Meine Berufung verlangt, dass ich gewaltfreie Methoden anwende, um jene menschlichen Gesetze zu missachten, die Gott und der Bibel widersprechen.“ Sein kurz nach ihm verhafteter Assistent Li Yingqiang äußerte, unmittelbar bevor er abgeführt wurde: „Verfolgung ist ein Preis, den zu zahlen der Herr wert ist. Wir ertragen sie lieber, als unseren Glauben zu verberge, und wir hoffen, dass weitere chinesische Kirchen ihre Stimmnen erheben und sich an unsere Seite stellen.“

Auf dem Weltverfolgungsindex von „Open Doors“ rangiert China aktuell an 27. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

DT/Open Doors

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