Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Santiago

Chile: Keine allgemeine Straffreiheit für die Abtreibung

Mit knapper Mehrheit lehnt das chilenische Parlament einen Gesetzentwurf ab, der Abtreibung bis zur 14. Woche erlaubt hätte.
Abstimmung über Abtreibung in Chile
Foto: Sebastian Beltran Gaete (Agencia Uno) | Der amtierende chilenische Präsident Sebastian Pinera ist gegen die Ausweitung des "Rechts" auf straffreie Abtreibung.

Das Abgeordnetenhaus von Chile hat am Dienstag einen Gesetzentwurf abgelehnt, nach dem Abtreibung bis zur 14. Schwangerschaftswoche allgemein straffrei gestellt werden sollte. Das Ergebnis – 65 Nein- und 62 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung – hat zur Folge, dass die Initiative nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode diskutiert werden kann.

Sieg für die amtierende Regierung

Laut dem linksliberalen Online-Nachrichtenportal „actualidad.rt.com“ stelle dies ein Sieg für die Regierung von Präsident Sebastián Piñera dar, die gegen die Ausweitung „dieses Rechts“ gewesen sei. In Chile ist die vorgeburtliche Kindstötung seit 2017 aus drei Gründen straffrei: bei Gefahr für das Leben der Mutter oder bei Lebensunfähigkeit des Fötus (medizinische Indikation) sowie nach einer Vergewaltigung (kriminologische Indikation).

Lesen Sie auch:

Ebenfalls am Dienstag hat der Verfassungsausschuss des chilenischen Senats die Entscheidung über die gleichgeschlechtliche „Ehe“ verschoben. Die Abstimmung stand zwar auf der Tagesordnung des Ausschusses, der den Entwurf zur Erörterung und Abstimmung in die Plenarsitzung am Nachmittag verweisen sollte. Stattdessen beschloss der Verfassungsausschuss jedoch, dass der Entwurf von einem gemeinsamen Ausschuss diskutiert werden soll, der kommenden Montag zusammentritt.

Unter dem Einfluss der Präsidentschaftswahl

Beide Entscheidungen stehen unter dem Einfluss der Präsidentschaftswahl. Der konservative José Antonio Kast, der die erste Runde am 21. November gewonnen hat, hat bereits angekündigt, dass er im Falle eines Sieges in der zweiten Runde am 19. Dezember gegen Gabriel Boric das Gesetz aufheben wird, das die Abtreibung aus den genannten Indikationen erlaubt.

Einige Senatoren sprachen auch unumwunden vom erwähnten Zusammenhang, so die Senatorin Luz Ebensperger, die als „politischen Opportunismus“ den Druck bezeichnete, damit das Gesetz so nah oder so weit wie möglich vor dem zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen verabschiedet werde. Für Senator Alfonso de Urresti bestehe „eine natürliche Besorgnis“, da Kast „eine frontale Agenda“ gegen diese Art von Gesetz verfolge.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Schwangerschaftsabbruch Sebastián Piñera

Weitere Artikel

Erfolglose Intervention: Donald Trump konnte in Peking den katholischen Hongkonger Medienunternehmer nicht aus dem Gefängnis bekommen.
21.05.2026, 09 Uhr
Michael Leh
Der US-Bundesstaat Massachusetts senkt die Hürden für Spätabtreibungen. Lebensschützer sprechen von einer faktischen Freigabe bis zur Geburt.
12.08.2026, 18 Uhr
José García
Die gesetzliche Regelung von Abtreibung habe sich bewährt, so die ZdK-Präsidentin Stetter-Karp. Einen positiven Aspekt kann sie dem neuen Gesetzentwurf jedoch abgewinnen.
10.02.2025, 13 Uhr
Meldung

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser