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Björn Höcke oder wie ein Ideologie-Nerd Deutschland spalten will

Der Thüringer AfD-Politiker hat wieder einen rausgehauen. Wie lange will sich das seine Partei noch bieten lassen?
Björn Höcke und seine Ideologie
| Solange ein Ideologie-Nerd wie Björn Höcke seinen Spleen irgendwo am Rande auslebt, beim Waldbaden an der Donar-Eiche, soll er es tun. Aber er macht das vor einem Millionenpublikum.

Ein Nerd ist ein Mensch, der sein ganzes Leben auf ein bestimmtes Sachgebiet konzentriert. In dem kennt er sich natürlich bestens aus, ist er doch von einer besonders starken Leidenschaftlichkeit beseelt. Viele große Forscherpersönlichkeiten sind ein Beispiel dafür, wie solche Eigenschaften zu großen Leistungen beitragen können. Aber es stellt sich doch eine Frage: Was ist zuerst da, die Disposition zum Nerd, die sich einfach ein Fachgebiet sucht, in dem sie sich ausleben kann?

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Oder ist es eher umgekehrt: Die große Leidenschaft für ein bestimmtes Thema zieht eine bestimmte Charakterbildung nach sich. Sei’s drum, es besteht jedenfalls die Gefahr, dass sich potenzielle Nerds nicht auf konstruktive Themengebiete stürzen, sondern sich mit der gleichen Ausschließlichkeit in einer Ideologie verlieren. Das Musterbeispiel für so einen Ideologie-Nerd ist Björn Höcke.

Höcke zieht eine Mauer zwischen Ost- und Westdeutschen hoch

Mit seiner jüngsten Äußerung hat er einmal mehr gezeigt, wie er tickt. In einem Interview mit der „Weltwoche“ zitierte er zustimmend eine Äußerung, die er mal gehört habe: „In der westlichen Republik gibt es deutschsprechende Amerikaner oder wohnen deutschsprechende Amerikaner, und im Osten der Republik wohnen deutschsprechende Deutsche.“

Jeder, der jetzt irritiert ist, hat wohl vorher noch nie etwas von dem Thüringer Politiker gehört. Dass alles das, wofür der freie Westen steht, symbolisiert durch die USA, für Höcke des Teufels ist, ist nun wirklich nicht neu. Und dass er seine Vorstellung von dem, was nun Deutschtum sei, dem radikal entgegenstellt, ist ebenfalls keine Überraschung. Dass Höcke hier auch nebenbei eine Mauer zwischen West- und Ostdeutschen hochzieht, sollte zumindest all jene naiven Patrioten irritieren, die bisher glaubten, in der AfD einen politischen Vertreter von Vaterlandsliebe gefunden zu haben. Björn Höcke will mit diesem Staat, dieser Bundesrepublik, nichts zu tun haben. Sein Deutschland ist eine ideologische Verzerrung, viel 19. Jahrhundert, ein Schuss Romantik und dazu ein Habitus, der eher Turnvater Jahn als einem modernen Politiker ähnelt.

Die AfD reagiert nach den alten Reflexen

Solange so ein Ideologie-Nerd seinen Spleen irgendwo am Rande auslebt, beim Waldbaden an der Donar-Eiche, soll er es tun. Aber Höcke macht das vor einem Millionenpublikum. Und nicht nur das: Für viele ist der ehemalige Lehrer zum programmatischen Vordenker geworden. Die nächste Nerd-Generation steht längst in den Startlöchern.

Und die AfD? Sie reagiert nur nach den alten Reflexen. Alles nicht so schlimm. Sieht so Patriotismus aus, wenn man angesichts der drängenden Probleme – Zukunft des Sozialstaats, Verteidigungsfähigkeit – seine Energie darauf konzentriert, einen Freak zu verteidigen, der ständig neue ideologische Nebelkerzen wirft? Regierungsfähigkeit sieht anders aus.

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Sebastian Sasse Björn Höcke

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