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Baerbock und das Stildefizit der politischen Klasse

Die Außenministerin will witzig sein und greift ins Fettnäpfchen. Zu Deutschland fällt ihr nur Pommes-Schranke ein.
Baerbock
Foto: IMAGO/ (www.imago-images.de) | Annalena Baerbock sieht die Pommesschranke als wesentliches Merkmal für Deutschland.

Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit zurück: Vor allem bei Mädchen lagen da die Poesiealben im Trend. Die wurden an Freunde und Familie weitergereicht. Jeder sollte sich dort mit einem mehr oder weniger sinnigen Spruch verewigen. Manchmal ging das Büchlein auch an einen Lehrer. Ein bestimmter Pädagogen-Typus begriff das als besondere Chance, endlich einmal beweisen zu können, wie witzig er doch sei.

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Die Texte lasen sich wie verkrampfte Pseudo-Lockerheiten, die alles waren, nur nicht lustig. Daran kann man denken, wenn man liest, wie Annalena Baerbock auf eine Umfrage der "Bild-Zeitung" reagiert hat. Das Boulevard-Blatt wollte von Prominenten wissen, warum sie Deutschland lieben. Die Bundesaußenministerin antwortete: "Ich liebe Deutschland, weil Pommes-Schranke auf dem Dönerteller unschlagbar ist, weil uns unsere Vielfalt nicht nur am Imbissstand stärkt 

 Wir sind: ,Mit alles und scharf.'" 

Das ist wirklich symptomatisch. Nichts wirkt anbiedernder als so eine aufgesetzte Anbiederei. Aber offenbar beherrschen die Ministerin und ihre Berater nicht das Kleine Kommunikations-Einmaleins.

Zumal in dieser Krisenzeit können die Bürger von ihren Repräsentanten Stil und Würde erwarten statt infantiler Albernheiten. Aber keiner will mehr erwachsen sein.

Sasses Woche in Berlin
Foto: privat / dpa/Montage pwi | Woche für Woche berichtet unser Berlinkorrespondent in seiner Kolumne über aktuelles aus der Bundeshauptstadt.

Krawatte trägt kaum auch noch jemand. Das konnte man jetzt bei den offiziellen Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des Grundgesetzes sehen. Das Leitbild ist das Gartenfest, nicht der Staatsakt. Und auch der Bundespräsident, der immerhin noch einen Binder um hat, wirkt eher wie der Schuldirektor, der seine Abiturienten entlässt.

Es muss ja nicht gleich eine Militärparade sein. Aber etwas mehr Sinn für Repräsentation würde den Deutschen nicht schaden.

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Sebastian Sasse Annalena Baerbock

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