Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Sasses Woche in Berlin

Baerbock und das Stildefizit der politischen Klasse

Die Außenministerin will witzig sein und greift ins Fettnäpfchen. Zu Deutschland fällt ihr nur Pommes-Schranke ein.
Baerbock
Foto: IMAGO/ (www.imago-images.de) | Annalena Baerbock sieht die Pommesschranke als wesentliches Merkmal für Deutschland.

Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit zurück: Vor allem bei Mädchen lagen da die Poesiealben im Trend. Die wurden an Freunde und Familie weitergereicht. Jeder sollte sich dort mit einem mehr oder weniger sinnigen Spruch verewigen. Manchmal ging das Büchlein auch an einen Lehrer. Ein bestimmter Pädagogen-Typus begriff das als besondere Chance, endlich einmal beweisen zu können, wie witzig er doch sei.

Lesen Sie auch:

Die Texte lasen sich wie verkrampfte Pseudo-Lockerheiten, die alles waren, nur nicht lustig. Daran kann man denken, wenn man liest, wie Annalena Baerbock auf eine Umfrage der "Bild-Zeitung" reagiert hat. Das Boulevard-Blatt wollte von Prominenten wissen, warum sie Deutschland lieben. Die Bundesaußenministerin antwortete: "Ich liebe Deutschland, weil Pommes-Schranke auf dem Dönerteller unschlagbar ist, weil uns unsere Vielfalt nicht nur am Imbissstand stärkt 

 Wir sind: ,Mit alles und scharf.'" 

Das ist wirklich symptomatisch. Nichts wirkt anbiedernder als so eine aufgesetzte Anbiederei. Aber offenbar beherrschen die Ministerin und ihre Berater nicht das Kleine Kommunikations-Einmaleins.

Zumal in dieser Krisenzeit können die Bürger von ihren Repräsentanten Stil und Würde erwarten statt infantiler Albernheiten. Aber keiner will mehr erwachsen sein.

Sasses Woche in Berlin
Foto: privat / dpa/Montage pwi | Woche für Woche berichtet unser Berlinkorrespondent in seiner Kolumne über aktuelles aus der Bundeshauptstadt.

Krawatte trägt kaum auch noch jemand. Das konnte man jetzt bei den offiziellen Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des Grundgesetzes sehen. Das Leitbild ist das Gartenfest, nicht der Staatsakt. Und auch der Bundespräsident, der immerhin noch einen Binder um hat, wirkt eher wie der Schuldirektor, der seine Abiturienten entlässt.

Es muss ja nicht gleich eine Militärparade sein. Aber etwas mehr Sinn für Repräsentation würde den Deutschen nicht schaden.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Annalena Baerbock

Weitere Artikel

Einer Liberalisierung des § 218 StGB hätte „die CDU niemals zugestimmt“, meint die Sprecherin für Bildung und Familie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Anne König.
12.08.2025, 18 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Die Weichenstellung beim ersten großen Konsistorium von Leo XIV. betraf nicht die Inhalte der Beratungen, sondern den Stil der Kirchenführung.
15.01.2026, 07 Uhr
Guido Horst
Beim Empfang für die auswärtigen Diplomaten bemängelt der Papst die Meinungsfreiheit im Westen und übt scharfe Kritik an der wachsenden „Kriegslust“.
14.01.2026, 11 Uhr
Giulio Nova
Prominente Redner, beeindruckende Musikacts und inspirierende Zeugnisse: Die MEHR-Konferenz 2026 überzeugt mit ihrer Vielseitigkeit. Ein Besuch bei den „hippen Missionaren“ in Augsburg.
13.01.2026, 16 Uhr
Marika Bals
Das neue Jahr beginnt mit dem päpstlichen Segen: Ein Blick hinter die Kulissen der Privataudienz der „Tagespost“ und des „Neuen Anfangs“ bei Papst Leo XIV.
13.01.2026, 15 Uhr
Franziska Harter