Damaskus

Appell an Joe Biden gegen syrische Wirtschaftssanktionen

Einen Tag nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten haben christliche Geistliche, Hilfsorganisationen und andere Würdenträger einen offenen Brief verfasst, die Sanktionen gegen Syrien aufzuheben. Es drohe eine humanitäre Katastrophe.
Winterwetter bedroht syrische Flüchtlingslager
Foto: Anas Alkharboutli (dpa) | Ein junger syrischer Mann hat die Arme verschränkt und trägt eine Kapuze während er auf einem schlammigen Weg in einem Flüchtlingslager für Binnenflüchtlinge steht.

Einen Tag nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden haben Vertreter von Kirchen, Hilfsorganisationen, Wissenschaft und Politik in einem offenen Brief dazu aufgerufen, die Wirtschaftssanktionen gegen Syrien aufzuheben. Sie beziehen sich auf die Aussagen von Alena Douhan, Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen, die schon im Dezember die USA dazu aufgerufen hatte, die Sanktionen gegen Syrien aufzuheben. Sie verschärften „die bereits schreckliche humanitäre Situation in Syrien, besonders im Verlauf der COVID-19-Pandemie“. 

Noch nie dagewesene humanitäre Katastrophe

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Die kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung Syriens führe in eine noch nie dagewesene humanitäre Katastrophe. Dies sei der Konsens innerhalb der Gemeinschaft der Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen. „Vor zehn Jahren war Syrien der Brotkorb der Region. Heute steht Syrien nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) nicht nur am Rande des Hungers, sondern des Verhungerns“, heißt es im Brief an den US-Präsidenten. „Millionen von bedrängten Syrern werden heute hungrig und frierend zu Bett gehen.“

Der Appell richtete sich daher eindringlich an den Präsidenten, um „durch die Umsetzung der Empfehlung der UN-Sonderberichterstatterin den Syrern zu helfen, jene humanitäre Krise zu beheben, die eine neue Welle der Instabilität im Mittleren Osten und darüber hinaus mit sich bringen kann“. Man sei überzeugt, dass die nationalen Interessen der USA erreicht werden könnten, ohne die Bevölkerung Syriens durch Wirtschaftssanktionen zu strafen.

Not durch Wirtschaftssanktionen "mutwillig" eskaliert

Unter den 95 Unterzeichnern sind sowohl der Melkitisch Griechisch-Katholische Patriach von Antiochia, Joseph I. Absi, wie auch der Syrisch-Katholische Patriarch von Antiochia, Ignatius Joseph III. Younan vertreten, die als Ostkirchen mit Rom verbunden sind, sowie der Syrisch-Orthodoxe Patriarch von Antiochia, Ignatius Ephräm II. Karim. Hilfsorganisationen wie SOS Chrétiens d’Orient, Solidarité Chrétiens d’Orient und Christian Solidarity International (CSI) haben ebenfalls unterschrieben. Auch nicht-syrische Geistliche schlossen sich dem Appell an, so Christopher Cocksworth, anglikanischer Bischof von Coventry, Gregor Maria Hanke, Bischof von Eichstätt, oder Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana. Auch der Diplomat Hellmut Hoffmann, jahrelanger Leiter der Abrüstungsmission in Genf, unterstützt den Brief.

Der Direktor von CSI-Deutschland, Pfarrer Peter Fuchs, setzte ebenfalls seine Unterschrift unter das Papier. „Als Priester, der in den vergangenen Kriegsjahren Syrien immer wieder besucht hat und sich frei im Land bewegen konnte, weiß ich um die Not der kleinen Leute“, sagt er gegenüber der Tagespost. „Ich hatte Einblick in die große Not der Verstümmelten, der Verletzten, der Waisen, der chronisch Kranken, der Ausgebombten und Vertriebenen, der Armen und Alten.“ Er sehe es als „unerträgliche Ungerechtigkeit“ an, dass die Not in Syrien durch Wirtschaftssanktionen „mutwillig“ eskaliert würde. „Die umfangreichen Wirtschaftssanktionen von USA und EU verhindern den Wiederaufbau Syriens, führen zu einer dramatischen Hungersnot und Verelendung der gesamten Bevölkerung.“ Kein Mensch dürfe dieser kollektiven Bestrafung der syrischen Zivilbevölkerung tatenlos zusehen. 

Lesen Sie ausführliche Hintergründe zur drohenden humanitären Katastrophe in Syrien in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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