Jetzt hängt sie im Museum. Und da gehört sie auch hin. Angela Merkel hat Deutschland ein Bild von sich malen lassen. Bis Oktober ist es im Bode-Museum zu sehen, vis-à-vis von der Berliner Wohnung der Altkanzlerin. Und dann kommt es in die Galerie der Regierungschefs im Kanzleramt. Setzt damit nun auch endgültig die Historisierung ihrer Regierungszeit ein?
Genau gegen die haben sich bisher Freunde wie Feinde von Merkel gesperrt. Für die einen ist und bleibt sie die große Verderberin der deutschen Politik, die von der Euro-Rettung über die Flüchtlingsfrage bis hin zur Corona-Pandemie das Land in den Abgrund gerissen habe. Und für die Fans ist Merkel auch weiterhin das Idealbild einer Kanzlerin, die klug und modern das Staatsschiff durch tobende Wellen lenkt. Das sind natürlich nur die beiden Pole des Meinungsspektrums. Aber es ist auffällig: Merkel löst noch immer Emotionen aus. Entweder geliebt oder gehasst. Zwischentöne gibt es selten.
Dass sie immer noch so großes Interesse wachruft, hat einen Grund: Sie gilt allgemein als die Schöpferin unserer politischen Gegenwart. Am Anfang war Merkel – zumindest für das, was sich in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland politisch ereignet hat. „Aber das dicke Ende kommt noch“, befürchten die Merkel-Kritiker. „Heute hat in Berlin keiner mehr das Ende im Blick, auf das alles hinauslaufen soll“, schimpfen die Merkelisten. Auf Sicht fahren – dieser alte Grundsatz von Angela M. scheint für sie nicht mehr unter Friedrich Merz zu gelten: zu fahrig, zu hektisch, zu unerfahren.
Irgendwie ein bisschen wie Friedrich der Große
Und tatsächlich, gerade gegenüber seinen Unterstützern muss sich Merz immer wieder an seiner Vor-Vorgängerin messen lassen. War er denn nicht als Gegentypus zu ihr angetreten? Merz ist in einem Dilemma: Von allen wird an ihm herumgemerkelt. Für die einen grenzt er sich viel zu sehr von der Altkanzlerin ab, für andere imitiert er sie. Was aber so oder so gilt: Angela Merkels Schatten liegt über der deutschen Politik.
Vielleicht hat sie gemerkt, dass es deswegen jetzt gerade günstig wäre, ihre Historisierung selbst einzuleiten. Bevor es noch so weit kommen könnte, dass Angela Merkel irgendwann den Deutschen völlig egal wird. Jetzt kann sie noch mit voller Aufmerksamkeit rechnen. Und eigene Akzente setzen. Wie will die Kanzlerin ihr Bild in der Geschichte sehen? Nüchtern, sachlich, klar. Fast wie eine Fotografie wirkt das Werk des jungen deutsch-französischen Malers Jérémie Queyras. Und sie trägt ihre Uniform. Blazer, Hose – aber ohne Raute, das wäre ihr zu albern erschienen. So stellt sich Angela Merkel wohl die perfekte Staatsdienerin vor. Der Betrachter stößt hier auf ihr Selbstbildnis. Irgendwie ein bisschen wie Friedrich der Große. Die Märkerin ist eben doch eine Preußin. Auch eine Botschaft an den anderen Fritz, diesen sauerländischen Luftikus: Mehr sein als scheinen. So schafft man das!
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