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Alexej Nawalny ist tot, weil er das System Putin kritisierte

Ein unerschrockener Kämpfer für ein anderes Russland starb im unmenschlichen Straflager „Polarwolf“.
Demonstranten fordern vor der russischen Botschaft in Berlin-Mitte Nawalnys Freilassung
Foto: IMAGO/snapshot-photography/K.M.Krause (www.imago-images.de) | Freunden hatte Alexei Nawalny gesagt, es werde von seiner Bekanntheit und der Publizität im Westen abhängen, ob ihn das System nur verhaften oder auch ermorden werde. Nun ist letzteres Szenario eingetreten.

Nun hat ihn der Kreml also doch ermordet. Nicht durch Schüsse in den Hinterkopf, wie 2015 den Putin-Kritiker und Oppositionspolitiker Boris Nemzow, nicht mit Gift, wie es ursprünglich versucht wurde, aber durch eine jahrelange unmenschliche Behandlung. Alexej Nawalny ist ein Opfer der Putin-Diktatur: nicht das erste und nicht das letzte, aber eines der prominentesten.

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Alexej Nawalny, am 4. Juni 1974 westlich von Moskau geboren, war einer der mutigsten, konsequentesten und lautesten Kritiker der Korruption des „Systems Putin“ und der russischen Eliten. Er hätte sich das Leben leichter machen können, nachdem er Rechtswissenschaften und Börsenwesen an der Finanzuniversität in Moskau studiert hatte und mit einem Stipendium sogar an der amerikanischen Eliteuniversität Yale schnuppern durfte. Doch Nawalny, verheiratet und Vater von zwei Kindern, übernahm Verantwortung für die Zukunft seines Landes. Genauer gesagt: Er kämpfte für ein Russland, das Wladimir Putin um jeden Preis verhindern will.

2011 gründete er die aus Spenden finanzierte „Stiftung für Korruptionsbekämpfung“, die zehn Jahre später wieder verboten wurde. Er wollte nicht schweigen, während der mafiose Putin-Clan und seine Nutznießer das Land ausrauben und ins Elend führen. Also schwang er sich 2012/13 zum unumstrittenen Anführer der russischen Opposition auf, errang bei der Moskauer Bürgermeisterwahl 27 Prozent und gründete die Partei „Russland der Zukunft“.

Vergiftet, verhaftet, verurteilt

Das System witterte einen gefährlichen Herausforderer und schlug zurück: Im Juli 2013 wurde er erstmals strafrechtlich verurteilt, zudem wurde ihm sein Status als Anwalt entzogen. Nachdem er seine Kandidatur für die Präsidentschaft 2018 angekündigt hatte, wurde Nawalny verhaftet; seine Kandidatur wurde für unzulässig erklärt. Am 20. August 2020 wurde er mit dem nur in Armee- und Geheimdienstkreisen verfügbaren Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet und in Russland ins künstliche Koma versetzt. Gerettet wurde Nawalny nur, weil seine Frau die Verlegung in die Berliner Charité erzwang.

Als Nawalny am 17. Januar 2021 in Begleitung seiner Frau nach Moskau flog, wusste er, was ihm bevorstehen würde. Freunden hatte er zuvor gesagt, es werde von seiner Bekanntheit und der Publizität im Westen abhängen, ob ihn das System nur verhaften oder auch ermorden werde. Tatsächlich wurde er noch bei der Einreise am Flughafen festgenommen und verbrachte die folgenden drei Jahre durchgehend in Haft: Zunächst in Pokrow, 100 Kilometer östlich von Moskau, zuletzt im berüchtigt brutalen Straflager „Polarwolf“, in der entlegenen Polarregion, mehr als 2.000 Kilometer von der Hauptstadt Moskau entfernt. Seine Vertrauten berichteten von Schikanen, Schlafentzug, Isolationshaft, Demütigungen und Folter.

Nawalnys Extremismus: friedlicher Widerstand gegen Putin

Nach Angaben der Gefängnisverwaltung starb der 47-Jährige am Freitag; die Gründe für seinen Tod würden untersucht. Doch die Ergebnisse dieser Untersuchung sind so irrelevant wie die Prozesse und Urteilsbegründungen, weil sie alle ohnehin nur Teil einer Inszenierung sind. Der wahre Grund für Nawalnys Tod ist, dass er es wagte, Wladimir Putin und dessen mafioses Herrschaftssystem zu kritisieren. Der „Extremismus“, der Nawalny seine finale Verurteilung einbrachte, bestand im friedlichen Widerstand gegen Putins Amtsführung und die Korruption des herrschenden Systems.

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Stephan Baier Alexej Nawalny Russische Regierung Straflager Wladimir Wladimirowitsch Putin

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