Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Europa

Alarmierende Christenfeindlichkeit

Die Beobachtungsstelle „OIDAC“ hat für das Jahr 2021 mehr als 500 Hassverbrechen gegen Christen registriert.
Wegen Vandalismus geschlossene Kirche
Foto: Hermann J. Knippertz (imago stock&people) | Eine Folge der Christenfeindlichkeit: die Öffnungszeiten vieler Kirchen wurden aufgrund von zunehmendem Vandalismus eingeschränkt.

Laut einem Bericht der Nichtregierungsorganisation „Observatory on intolerance and discrimination against christians in europe“ (OIDAC) wurden im Jahr 2021 in Europa über 500 Hassverbrechen gegen Christen begangen. Darunter fallen 14 Fälle von körperlichen Angriffen. Vier Christen wurden wegen ihres Glaubens ermordet. Der größte Anteil der Hassverbrechen betraf mit über 300 Fällen Vandalismus, die zweithäufigste Kategorie war der Diebstahl religiöser Objekte, konsekrierter Hostien oder Spenden. In rund 60 Fällen handelte es sich um erfolgte oder versuchte Brandstiftung.

Die in Wien ansässige Organisation schätzt, dass die Dunkelziffer beträchtlich sein dürfte, da die mediale Berichterstattung lückenhaft sei und viele Taten, wie bei Hasskriminalität im Allgemeinen, nicht zur Anzeige gebracht würden. Die von der OIDAC veröffentlichten Zahlen spiegeln zudem nur den Teil der Verbrechen wieder, die von der Organisation selbst erfasst wurden. Die Zahlen nationaler Polizeibehörden liegen zum Teil viel höher. So werden allein für Frankreich für das Jahr 2021 offiziell 857 dokumentierte Fälle von Hassverbrechen gegen Christen ausgewiesen. Im Vergleich zu vergangenen Erhebungen weist der Trend nach oben. So erfasste die OIDAC für das Jahr 2018 noch 325 Taten, 2017 rund 275.

Der Bericht des OIDAC bildet eine der Grundlagen für den Berichts der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) über die in den vergangenen zwölf Monaten begangenen Hassverbrechen, der jährlich zum internationalen Tag der Toleranz am 16. November erscheint, und zuletzt 980 jährliche Fälle von Hassverbrechen gegen Christen ausgewiesen hatte.

Lesen Sie auch:

Zunehmende Selbstzensur

Neben den Zahlen zur Hasskriminalität befasst sich der Bericht der OIDAC auch mit nicht strafrechtlich relevanten Phänomenen, die Christen in Europa an der freien Ausübung ihrer Religion hindern. So konstatiert der Bericht zunehmende Selbstzensur von Christen im öffentlichen Raum. Grund sei die wahrgenommene Intoleranz ihren Glaubensinhalten gegenüber, die einen abschreckenden Effekt zur Folge habe. Tatsächlich gebe es auch Fälle direkter Zensur in den sozialen Medien, wenn Gläubige für Onlinebeiträge, die christliche Botschaften enthielten, gesperrt würden. Auch hätten unklar formulierte Gesetze gegen Hassrede zur Festnahme von Straßenpredigern vornehmlich im vereinigten Königreich geführt.

Wie die katholische Nachrichtenagentur berichtet, sieht die OIDAC-Geschäftsführerin, Madleine Enzlberger, klare Verantwortliche für die Entwicklung. „Die Spaltung zwischen Christen und säkularen Gruppen wird oft von den Medien und der Politik vorangetrieben“, so Enzlberger. „Toleranz und Respekt sollten für alle Gruppen der Gesellschaft gleichermaßen gelten und geschützt werden.“ KNA/DT/jra

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Christen

Weitere Artikel

Vandalismus, gewaltsame Übergriffe und rechtliche Diskriminierung: EU-Abgeordnete rufen die EU und ihre Mitgliedsländer dazu auf, den Schutz auch von Christen endlich ernst zu nehmen.
18.11.2025, 18 Uhr
Franziska Harter
Wer sich ab und an über die öffentlich-rechtliche Berichterstattung über Christen ärgert, sollte nicht vergessen: Christen haben auch ihrerseits eine Informationspflicht.
13.11.2025, 13 Uhr
Sebastian Sasse
Fälle von Angriffen auf christliche Gotteshäuser haben sich in den letzten Wochen gehäuft. Auch die Politik steht hier in der Pflicht, denn es geht ums Gemeinwohl.
28.05.2025, 19 Uhr
Franziska Harter

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting