San Francisco

Transgender-Gesetz: Kalifornien setzt Idaho auf die schwarze Liste

Kalifornien verbietet staatlich geförderte Reisen in den US-Bundesstaat Idaho. Der Grund: ein Transgender-Gesetz, das nur biologischen Frauen die Teilnahme am Frauensport – und nicht Männern, die sich selbst zu Frauen erklären - ermöglicht.

New York Gay Pride
Die Bandbreite im Umgangs mit Transpersonen im Sport ist in den US-Bundesstaaten groß. Manche verlangen Hormontests, andere wie etwa Nebraska, entscheiden über eine Teilnahme von sich selbst als Mädchen oder Frauen bezeichnende Jungen oder Männer von Fall zu Fall. Foto: Michael Brochstein (ZUMA Wire)

In einer Pressemitteilung verkündete Xavier Becerra, Kaliforniens Justizminister und Generalstaatsanwalt: „Wenn Staaten diskriminierende Gesetze erlassen, sagt Kalifornien unmissverständlich seine Meinung. Der Staat Idaho hat drastische Maßnahmen unternommen, um die Rechte der Transgender-Community zu untergraben, indem Menschen daran gehindert werden, in der Schule Sport zu treiben oder Dokumente zu erlangen, die ihre Identität wiedergeben“. Dies geht aus einem Kommentar für The Daily Signal, der Plattform der konservativen Denkfabrik „The Heritage Foundation“, hervor.

Wie US-Bundesstaaten mit Trans-Personen im Sport umgehen

Becerra bezog sich mit seiner Äußerung auf das vom Gouverneur von Idaho, Brad Little, unterzeichnete Gesetz, das „biologischen Männern, die sagen, dass sie sich als Mädchen oder Frauen identifizieren, verbot, am Frauensport in öffentlichen Schulen, Colleges und Universitäten teilzunehmen“. Dieses Gesetz mit dem Namen „House Bill 500“ befasst sich mit der Gerechtigkeit und Fairness im Frauensport und wurde mit einer bedeutenden Mehrheit in Idahos Repräsentantenhaus und Senat verabschiedet. Auch unter den Bewohnern des US-Bundesstaates sei es nicht umstritten gewesen.

Idaho ist übrigens der erste US-Bundesstaat, der ein solches Gesetz erlässt, auch wenn weitere Staaten wie Georgia, Washington und Missouri ähnliche Regelungen erwägen. Dennoch ist die Bandbreite des Umgangs mit Transpersonen im Sport unter den amerikanischen Bundesstaaten groß. Manche Bundesstaaten verlangen Hormontests, andere wie etwa Nebraska, entscheiden über eine Teilnahme von sich selbst als Mädchen oder Frauen bezeichnende Jungen oder Männer von Fall zu Fall. Demokratische Kongressabgeordnete ziehen bereits eine Gesetzgebung in Betracht, mit der Schulen gezwungen werden sollen, das „gefühlte“ und nicht das angeborene Geschlecht zur Grundlage für die Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen zu machen.

Steuerfinanzierte Reisen in Staaten mit „diskriminierenden“ Praktiken untersagt

So heißt es in einer Pressemitteilung des  Gesetzgebungsausschusses des US-Repräsentantenhauses „United States House Committee on the Judiciary“: „Argumente, die besagen, dass Transgender-Athleten, die an sportlichen Wettkämpfen im Einklang mit ihrer Genderidentität teilnehmen, Wettbewerbsvorteile hätten, haben sich nicht bestätigt. Der Sport hat einen positiven Einfluss auf das körperliche, soziale und emotionale Wohlbefinden, und wir sollten Transgender-Athleten diese Gelegenheiten nicht einfach deshalb verwehren, weil sie ab und zu gewinnen können“.

Und so ist auch Kalifornien mit der neuen Regelung in Idaho nicht einverstanden. Denn die 2019 verabschiedete kalifornische „Assembly Bill 1887“ befindet: „Kalifornien muss Maßnahmen ergreifen, um die Unterstützung oder Finanzierung von Diskriminierungen gegen Lesben, Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender-Personen zu vermeiden“. Damit werden steuerfinanzierte Reisen in Staaten mit „diskriminierenden“ Praktiken untersagt. Das Verbot gilt für sämtliche staatliche Behörden, Gremien, Beamte sowie für alle öffentlichen Universitäten Kaliforniens. Damit wurde Idaho der Liste von Staaten hinzugefügt, die diesem kalifornischen Reiseverbot bereits unterliegen. Es wurde zum elften Staat dieser schwarzen Liste, auf der auch Texas, North Carolina, South Carolina und weitere stehen. 

"Widersprüchlich, wenn nicht gar verlogen"

Der Kommentator findet dieses Vorgehen „unerträglich“, zumal Kalifornien von sich selbst meint, es sei ein „Modell des Fortschritts, ein Vorbild an Fairness, Gleichheit und Inklusion“. Doch eine Regelung zu übernehmen, die Staaten auf eine schwarze Liste setzt, „die gewährleisten, dass die Freiheiten von jedermann weiterhin erhalten bleiben, und dann so zu tun, als ob ein auf die Liste gesetzter Staat ein Verbrechen begangen hätte, scheint ein wenig widersprüchlich zu sein, wenn nicht gar verlogen“.

Denn Idaho habe schließlich ein ganz „logisches Gesetz“ erlassen, mit dem sichergestellt wird, dass Frauen in sportlichen Wettkämpfen nur mit anderen biologischen Frauen unter fairen Bedingungen konkurrieren können, und eben nicht mit biologischen Männern: „Seit wann ist es diskriminierend zu sagen, dass nur Mädchen in einer weiblichen Fußballmannschaft spielen können? Das ist nicht Diskriminierung, so sind die Regeln“, stellt der Kommentar fest.

DT/ks

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