Chicago

The American Conservative: „Die Krawalle haben die schwarze Community Jahrzehnte zurückgeworfen“

Der schwarze Pastor Corey Brooks berichtet in einem Beitrag für das US-amerikanische Magazin von Gewalt und Plünderungen der vergangenen Tage in dem von ihm betreuten Stadtviertel Chicagos. 
Graffiti des getöteten Afroamerikaners George Floyd
Foto: Uwe Anspach (dpa) | Bild des getöteten Afroamerikaners George Floyd neben dem Schriftzug „R.I.P. George Floyd“.

Der schwarze Pastor, der die christliche Bewegung „New Beginnings Church of Chicago“ gründete, zitiert Martin Luther King mit den Worten, dass Gewalt „die Gemeinschaft zerstört und Brüderlichkeit unmöglich macht. Sie lässt die Gesellschaft in einem Monolog, statt sie zu einem Dialog zu führen“. In diesem Sinne hätten gewalttätigen Plünderungen der letzten Tage „einen ohrenbetäubenden Monolog hervorgebracht“.

Blühende Gemeinden

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Brooks leitet im Süden von Chicago ein Anti-Gewalt-Projekt. Insbesondere junge schwarze Männer, die aus kriminellen Gangs aussteigen wollen, werden unterstützt. Der Süden Chicagos habe „die fragwürdige Auszeichnung erhalten, eine der höchsten Mordraten im Land zu haben. Im Laufe der Jahre haben wir diese Statistik verändert“. Sie hätten eine „blühende“ Gemeinde mit durchschnittlich 600 bis 750 Menschen aufgebaut, die jeden Sonntag zum Gottesdienst gingen. Ihre Arbeit hätte sich bezahlt gemacht: „Ich habe die Begeisterung junger Männer gesehen, die sich von gewalttätigen Gangs abgewandt haben“, um neu anzufangen und einen neuen Job anzunehmen.
„Doch die Krawalle der vergangenen Woche haben uns in unseren Dienst zurückgeworfen und unserer Gemeinschaft unschätzbaren Schaden zugefügt“, so Brooks weiter. George Floyds Tod durch einen Polizeibeamten in Minneapolis habe „verständliche Empörung entfacht. Die Proteste begannen als eine natürliche Welle der Trauer, als weiße und schwarze Amerikaner in ihrem Entsetzen über diese gefühllose Tat vereint waren“. Diese Proteste wurden gewalttätig, „und die Opfer der verbreiteten Plünderungen sind oftmals Leiter der schwarzen Gemeinschaft und Ladenbesitzer. Wie bringt dies unser Anliegen des harmonischen Zusammenlebens der Rassen [im Original: racial harmony] weiter?“, fragt Brooks.

Kein Rückzug der Polizei

Die „große Mehrheit der Polizeibeamten in unserem Land fördert die Rassengleichheit und unterstützt schwarze Amerikaner darin, am American Dream teilzuhaben“, betont der Pastor. Niemand „will schließlich in einem nicht von der Polizei kontrollierten und gesetzlosen Stadtviertel leben“. Im Süden Chicagos könne man keinen Rückzug der Polizei „aufgrund von politischen Agenden“ gebrauchen. „Im Fall von George Floyd brauchen wir Gerechtigkeit und Zusicherungen, dass diese hasserfüllten Akte nicht noch einmal stattfinden“. Zugleich brauche man Partnerschaften mit der Polizei, damit „Recht und Ordnung in unseren Stadtvierteln wiederhergestellt werden“. Die „Demokraten jedoch halten an verqueren Phrasen fest, die nichts dazu leisten, um die Zerstörung unserer Häuser aufzuhalten. Es ist kein Zufall, dass die brutalsten Plünderungen und Zerstörungen in dieser vergangenen Woche in Städten geschahen, die maßgeblich von Demokraten geleitet werden“, resümiert Brooks.

 

DT/ks

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