Washington

Rassismusdebatte: Bischöfe kritisieren Trump

Im ganzen Land nehmen die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt zu. US-Präsident Trump zieht indes auch die Kritiker führender Kirchenvertreter auf sich, indem er in der Krise mit Auftritten vor symbolträchtigen religiösen Orten punkten will.
Trump-Besuch bei Schrein in Washington
Foto: Patrick Semansky (AP) | Der Besuch von US-Präsident Donald Trump mit seiner Frau Melania am Schrein für Papst Johannes Paul II. wurde vom Washingtoner Erzbischof verurteilt.

Während in den USA die teils gewaltsamen Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt weiter anhalten, mehren sich die kritischen Stimmen zu den Auftritten Donald Trumps vor religiösen Stätten in der Hauptstadt Washington. Der katholische Washingtoner Erzbischof Wilton Gregory verurteilte den Besuch des US-Präsidenten bei einem Schrein für den heiligen Papst Johannes Paul II. Auf dem Kurzmitteilungsdienst „Twitter“ bezeichnete Gregory es als „verwerflich“, dass eine katholische Einrichtung sich in einer Weise missbrauchen und manipulieren lasse, „die gegen unsere religiösen Prinzipien verstößt“. Johannes Paul II. sei ein glühender Verfechter der Rechte und Würde aller Menschen gewesen.

Katholische Gedenkstätte für Wahlkampzwecke benutzt

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Trump hatte den Schrein am Dienstagmittag zusammen mit seiner Frau Melania besucht und dort einen Kranz niedergelegt. US-Medienberichten zufolge kam es dabei vor der Gedenkstätte zu Protesten von katholischen Aktivisten, Nonnen, Laien und Anwohnern. Verwaltet wird das Denkmal nicht von der Erzdiözese Washington, sondern von der Laienorganisation der Kolumbusritter. Deren Sprecher erklärte, der Auftritt des Präsidenten soll schon länger geplant gewesen sein – anlässlich des 100. Geburtstags des polnischen Papstes Mitte Mai. Der Politologe und Professor an der Washingtoner „Catholic University of America“, Steve Schneck, erklärte, es sei „absolut unangemessen“, dass der Präsident der Vereinigten Staaten eine katholische Gedenkstätte wie den Schrein für Wahlkampfzwecke benutze. Man müsse darauf bestehen, dass die Kirche den Abstand wahre zu einer Person, die nichts verkörpere, wofür die Kirche stehe. Bei den Protesten vor dem Schrein, die von mehreren katholischen Organisationen, unter anderem Pax Christi International, organisiert worden waren, sollen laut Schneck etwa 2.000 Menschen zugegen gewesen seien.

Noch massivere Kritik von führenden Religionsvertretern hatte Trump am Vorabend auf sich gezogen, als er mit einer Bibel in der erhobenen Hand vor der St.-John-Kirche unweit des Weißen Hauses posiert hatte. In der Kirche war zuvor Feuer von Demonstranten gelegt worden. Bischof Michael Curry, der Vorsitzende der Episkopalkirche in den USA, twitterte beispielsweise, Trump habe ein Gotteshaus und die heilige Bibel für parteipolitische Zwecke missbraucht. In einer Zeit der „tiefen Verletzungen und des Schmerzes“ bedeute seine Aktion weder Hilfe noch Heilung.

Mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten

Kritik entzündete sich zudem auch daran, dass Trump sich von Polizeikräften mit Tränengas und Gummigeschossen einen Weg durch eine Menge friedlicher Demonstranten bahnen ließ, um vom Weißen Haus zur St.-John-Kirche zu gelangen. Der Washingtoner Erzbischof Gregory, selbst Afroamerikaner, rechtfertigte seinen Unmut mit dem Hinweis auf Johannes Paul II.: Dieser hätte es mit Sicherheit nicht gebilligt, mit Tränengas und anderen Mitteln gegen die Demonstranten vorzugehen, „für ein Foto vor einem Ort des Gebets und des Friedens“. Auf Gebete oder Solidaritätsbekundungen griff Trump Medienberichten zufolge vor der Kirche nicht zurück. Stattdessen betonte er, die USA seien das großartigste Land der Welt – und er werde es noch großartiger machen.

Es gibt aber auch Stimmen, die das jüngste Auftreten des republikanischen Präsidenten begrüßten. Der evangelikale Pastor Robert Jeffress aus dem texanischen Dallas bewertete Trumps Verhalten als „völlig angemessen“. Indem der Präsident die Bibel hochgehalten habe, „hat er nicht nur seine Solidarität mit dieser Kirchengemeinde bezeugt, sondern mit allen Gotteshäusern im Land. Und er hat seine Absicht deutlich gemacht, Kirchen beschützen zu wollen vor denen, die versuchen, diese zu zerstören.“ Jeffress, der als Verbündeter Trumps gilt, hatte auch den Gottesdienst am Tag vor dessen Amtseinführung geleitet. Zudem erhält der US-Präsident aus dem evangelikalen Lager generell überdurchschnittlich hohe Zustimmungswerte. Bei seinem Wahlsieg 2018 stimmten 80 Prozent der Evangelikalen für ihn.

Tod des Afroamerikaners Floyd Anlass der Proteste

Seit der Afroamerikaner George Floyd am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota starb, demonstrieren in zahlreichen Städten im ganzen Land immer mehr Menschen gegen Rassismus und exzessive Polizeigewalt. Die Proteste schlugen jedoch oftmals auch in Gewalt, Zerstörung und Plünderungen um, weshalb US-Präsident Trump meist von Terroristen und Linksradikalen spricht. Die katholischen US-Bischöfe hatten Polizeigewalt und Rassismus bereits vergangene Woche in einer Erklärung verurteilt und zum gesellschaftlichen Kampf gegen Diskriminierung aufgerufen. Gleichzeitig betonten die Bischöfe, dass stets nur mit friedlichen Mitteln gekämpft werden dürfe.

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