Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Bonn

Scholz: Kirche hat mir Wertegerüst mitgegeben

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz betont, seine Entscheidungen nach christlichen Werten auszurichten. Als Kanzler wolle er dafür eintreten, dass die christliche Prägung der deutschen Kultur erhalten bleibe.
ZDF-Sendung "Klartext, Herr Scholz!"
Foto: Claudius Pflug (ZDF) | Als Politiker trete er dafür ein, dass diese Arbeit erhalten bleibe und „die christliche Prägung unserer Kultur“ wertgeschätzt werde, so SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist nach eigener Aussage vom christlichen Glauben geprägt. Im Gespräch mit der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA) erklärte der amtierende Vizekanzler: „Die Kirche hat mir ein Wertegerüst mitgegeben, das mir wichtig ist und nach dem ich auch meine Entscheidungen ausrichte.“ Ob man die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens lieber Solidarität nenne oder christliche Nächstenliebe mache für ihn keinen Unterschied, so Scholz, der in der evangelischen Kirche getauft wurde, später jedoch aus der Kirche austrat. Beruflich habe ihn das christliche Arbeitsethos beeinflusst: „Meine Arbeit möchte ich möglichst gut machen und damit auch dem Gemeinwesen dienen.“

Auf Engagement der Christen stützen

Weiter betonte Scholz, Deutschland sei von der christlichen Kultur geprägt. Dies habe sich auch in der deutschen Sprache niedergeschlagen: „Etwa in der deutschen Luther-Bibel und den Bildern und Redewendungen, die wir dort vermittelt bekommen - zum Beispiel ,Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein‘ oder ,Hochmut kommt vor dem Fall‘.“ Für ihn sei es zudem sehr wichtig, „dass wir uns auch künftig auf das große Engagement vieler Christen und Christinnen stützen können, sei es in der Gemeindearbeit oder in der sozialen Arbeit in Kitas oder Krankenhäusern“. Als Politiker trete er dafür ein, dass diese Arbeit erhalten bleibe und „die christliche Prägung unserer Kultur“ wertgeschätzt werde.

Lesen Sie auch:

Im KNA-Interview nahm Scholz auch zu seinem Verständnis des Familienbegriffs Stellung. Auf die Frage, ob die klassische Ehe seiner Ansicht nach ausgedient habe, antwortete der SPD-Politiker, dessen Partei für einen „erweiterten Familienbegriff“ eintritt: „Nein, überhaupt nicht. Ich bin seit vielen Jahren verheiratet und das sehr gerne.“ Die traditionelle Ehe und Familie würden auch in Zukunft wichtig sein. „Sie wird nicht dadurch geschwächt, dass nicht alle diese Weise des Zusammenlebens wählen.“

Scholz: Selbstbestimmtes Sterben muss möglich sein

Auch zur Diskussion um eine Neuregelung der Suizidbeihilfe äußerte sich der SPD-Kanzlerkandidat. Man dürfe die Tür nicht zuschlagen, die das Bundesverfassungsgericht für die eigene freie Entscheidung am Lebensende geöffnet habe, betonte Scholz. „Der Bundestag sollte den Weg, den das Verfassungsgericht eröffnet hat, so ausgestalten, dass er für die Menschen, die selbstbestimmt sterben wollen, auch funktioniert.“ Gleichzeitig müssten jedoch auch die Hospizarbeit und die Palliativmedizin gestärkt werden. Er selbst habe viele Hospize besucht und mit Sterbenden gesprochen. Von der Arbeit und von der Gemeinschaft in den Hospizen sei er „sehr beeindruckt“.  DT/mlu

  

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Christen Christliche Glaubensrichtungen Christliche Kunst und Kultur Deutscher Bundestag Evangelische Kirche Hospize Olaf Scholz

Weitere Artikel

Moderatorin Bettina Tietjen bekennt sich zu ihrem christlichen Glauben.  Die lilafarbene Bibel aus Kindertagen steht bei ihr immer noch im Bücherregal. 
08.02.2026, 11 Uhr
Esther von Krosigk
Der „Quiet Revival Report“ über wachsendes Christentum unter jungen Briten erweist sich als fehlerhaft. Hinweise auf einen Trend bleiben dennoch.
03.04.2026, 14 Uhr
Oliver Gierens

Kirche

Im Zisterzienserstift Heiligenkreuz herrscht nach der Visitation wieder Aufbruchsstimmung.
26.04.2026, 15 Uhr
Stephan Baier
Ließ sich der spätere Papst Johannes Paul II. im Umgang mit Missbrauchstätern etwas zuschulden kommen? Nein, meint ein polnischer Journalist, und weist gegenteilige Folgerungen zurück.
26.04.2026, 13 Uhr
Olga Dolesniak-Harczuk
Deutschland bekommt bald einen neuen Apostolischen Nuntius. Anlass auf die Geschichte dieser Institution zurückzublicken. Teil eins.
26.04.2026, 19 Uhr
Michael Feldkamp
Unermüdlich warb der Apostolische Nuntius Nikola Eterović für die Einheit mit der Weltkirche. Eine undankbare Aufgabe im synodalen Deutschland, die nun ihr Ende hat.
24.04.2026, 14 Uhr
Franziska Harter