Die Revolte von 1968 gilt bis heute vielen als kultureller Wendepunkt der Bundesrepublik. Kritiker hingegen sehen in ihr den Beginn einer ideologischen Entwicklung, deren Folgen Deutschland bis heute prägen – von Autoritätsverlust und gesellschaftlicher Polarisierung bis hin zur Relativierung von Gewalt. Genau 50 Jahre nach dem Tod von Ulrike Meinhof widmet sich die Journalistin, Autorin und Meinhof-Tochter Bettina Röhl in Würzburg diesem bis heute kontroversen Kapitel deutscher Zeitgeschichte.
Am Samstag, 16. Mai, um 19 Uhr ist Röhl zu Gast im „Tagespost“-Salon im Lügensteinmuseum in der Korngasse. Unter dem Titel „50 Jahre Ulrike Meinhof – Textzeugnisse und Erinnerungen“ erwartet die Besucher eine Mischung aus Podiumsgespräch und Lesung – moderiert von Sebastian Sasse, Ressortleiter Innenpolitik der „Tagespost“.
Intensive Auseinandersetzung mit den ideologischen Wurzeln der RAF
Kaum ein Thema der neueren deutschen Geschichte ist so intensiv beschrieben, verklärt und ideologisch aufgeladen worden, wie die Studentenbewegung von 1968 und der Terror der RAF. Bettina Röhl nähert sich diesem Komplex aus einer einzigartigen Perspektive: Als Tochter von Ulrike Meinhof erlebte sie die Entstehung der RAF als Kind unmittelbar mit. Ihre Recherchen fördern bis heute unbekannte Briefe, Dokumente und Fotografien zutage, die einen unmittelbaren Blick auf die Atmosphäre jener Jahre ermöglichen.
Der Abend verspricht eine intensive Auseinandersetzung mit den ideologischen Wurzeln der RAF, den kulturellen Folgen von 1968 und der bis heute offenen Frage, wie aus gesellschaftlichem Protest politischer Extremismus entstehen konnte. Gerade weil Bettina Röhl seit Jahren gegen die Verklärung der 68er-Bewegung anschreibt, dürfte die Veranstaltung zu den spannendsten und kontroversesten Programmpunkten des Side Events gehören.
Bettina Röhl wurde 1962 in Hamburg geboren, wo sie 1982 Abitur machte. 1986 begann sie neben ihrem Studium der Geschichte und Germanistik ihr Volontariat bei dem Zeitgeistmagazin „Tempo“. Sie arbeitete unter anderem für „Spiegel TV“, „WELT“, „Cicero“ und „Wirtschaftswoche“ und veröffentlichte zahlreiche Buchbeiträge. 2001 wurde sie mit ihren Veröffentlichungen zu Joschka Fischers Gewaltvergangenheit bekannt. Nach „So macht Kommunismus Spaß“ ist „Die RAF hat euch lieb“ ihr zweites historisch-biographisches Buch über die linke Geschichte der Bundesrepublik.
Veranstaltungsinformationen
Samstag, 16. Mai 2026, 19 Uhr
Tagespost-Salon im Lügensteinmuseum
Korngasse 12, Würzburg
Anreise: Tram 4 oder 5 bis Sanderstraße. Das Side Event befindet sich direkt hinter der Karmelitenkirche St. Joseph und St. Maria Magdalena (Reuererkirche).
Eintritt frei | begrenzte Platzzahl
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










