„That it will never come again is what makes life so sweet.” – Dass wir nur eines davon haben, macht das Leben so süß: Mit diesem Zitat der amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson lässt sich ziemlich treffend zusammenfassen, was den inhaltlichen Kern des „Side Events“ zum Katholikentag am Donnerstagnachmittag ausmachte, das die „Tagespost“ im Würzburger Lügensteinmuseum veranstaltete.
Der Publizist und „Tagespost“-Kolumnist Lorenz Jäger las dort in intimer Atmosphäre mehrere Kapitel aus seinem viel beachteten Buch „Die Kunst des Lebens, die Kunst des Sterbens“. Mit dem erwähnten Dickinson-Zitat stieg der langjährige FAZ-Journalist auch in seinen Vortrag ein.
Inspiriert vom Älterwerden
Die Moderation der Veranstaltung übernahm Mirco Weiß, Leiter der Verlagskommunikation bei der „Tagespost“. Was ihn dazu gebracht habe, das Buch zu schreiben, wollte er von Jäger wissen. „Das Älterwerden“, antwortete dieser lapidar. „Wenn man mal die 70 hinter sich hat, denkt man naturgemäß an andere Dinge“, so Jäger, der bald seinen 75. Geburtstag begeht.
Auch die Beschäftigung mit den Biographien berühmter Persönlichkeiten habe prägenden Einfluss auf ihn gehabt, ergänzte der Publizist, der unter anderem Biografien von solch unterschiedlichen Philosophen wie Theodor W. Adorno und Martin Heidegger verfasst hat. „Wenn man sich mit Lebensgeschichten beschäftigt, dann fragt man sich: Wie ist es den Menschen möglich gewesen, gerade dieses Leben so zu leben?“ Das Zusammenkehren solcher Fragen habe ihn schließlich auf die Idee für sein jüngstes Buch gebracht.
Die Grundfrage nach der Würde des Menschen berührt
Einerseits faszinierte die Thematik der Buchlesung dadurch, indem sie sich durch ihre Zeitlosigkeit von den Tagesdebatten über Kirchenpolitik, Strukturreformen und die gegenwärtigen innen- wie außenpolitischen Herausforderungen abhob, die auch den Katholikentag in Würzburg erwartungsgemäß prägen. Andererseits zeigte sich im Rahmen von Jägers Vortrag doch auch die Aktualität, die in der Beschäftigung mit dem Leben und Sterben liegt. Man muss nicht einmal nach Amerika blicken – auch hierzulande werden Diskussionen über Leihmutterschaft, Abtreibung und assistierten Suizid immer offensiver geführt. Alles Themen, die an der Grundfrage nach der Würde des Menschen rütteln, die sich in seinem Leben, gerade aber auch in seinem Sterben offenbart.
Lorenz Jäger spannte aber dennoch auch die Brücke über den großen Teich, indem er zwischen den vorgetragenen Passagen aus seinem Buch und im Gespräch mit dem Publikum die teils schockierenden Utopien des Transhumanismus kritisierte, wie sie rund um die Tech-Milliardäre des Silicon Valley kursieren. Bestrebungen, das menschliche Bewusstsein digital zu konservieren, nannte Jäger nur als ein Beispiel, wie man versuche, den Tod zu überwinden. Dagegen verteidigt er die Einsicht, die schon Emily Dickinson ereilte, nämlich dass gerade die Vergänglichkeit dem Leben seinen Wert und seine Dringlichkeit verleiht.
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