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So kann künstliche Intelligenz der Gemeinschaft dienen

Beim Studientag der Stiftung Centesimus Annus pro Pontifice war von Kulturpessimismus keine Spur, dafür viel von Vertrauen und Pragmatismus.
KINA - Hungrig nach Datenmengen
Foto: dpa | Sollen Kinder möglichst früh lernen, sich in der digitalen Welt zurecht zu finden? Schließlich kommt es oft darauf an, wie digitale Werkzeuge genutzt werden.

Die Diskussion ist rege. Und irgendwann fällt schließlich der Satz, der gut die Tendenz der ganzen Debatte an diesem Nachmittag auf den Punkt bringt: „Es muss doch eigentlich darum gehen, dass wir uns viel stärker fragen, in welchen seiner Talente ist der Mensch einfach unersetzbar?“ Beim Studientag der Stiftung Centesimus Annus pro Pontifice (CAPP) ging es in diesem Jahr um das Thema „Digitales Vertrauen“ und die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz der menschlichen Gemeinschaft dienen könnte.

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Unter Anleitung von Sozialethiker Elmar Nass debattierten die rund 30 Teilnehmer einen ganz Tag lang in der Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main über einen Themenkomplex, der ganz deutlich die Gesellschaft bewegt. Und: Das ist spürbar, damit sind auch immer Sorgen verbunden. Kann der der Mensch die KI noch steuern? Oder droht er selbst, gesteuert zu werden? Oder ist die künstliche Intelligenz nicht vielleicht auch in erster Linie ein Werkzeug, das man gut oder schlecht nutzen kann?

Ethische Herausforderungen

Mit einem Hammer kann man schließlich auch einen Nagel in die Wand schlagen oder dem Nachbarn dem Kopf einhauen. Wie dieses Werkzeug in Aktion tritt, liegt an der menschlichen Hand, die sie führt.

Wie man auf der Grundlage des Glaubens darüber nachdenken kann, wie der Mensch ethisch diesen Herausforderungen gerecht werden kann, dafür ist man bei der CAAP sozusagen Experte. Denn in Anschluss an die katholische Soziallehre denken hier die Mitglieder ständig darüber nach, wie auf dieser Grundlage unsere Gesellschaft ethisch gestaltet werden kann. Und dabei sind die Mitglieder der Stiftung in der Regel keine Profi-Sozialethiker oder Philosophen, sondern stammen aus anderen Berufsfeldern. Unternehmer, Manager, Juristen - einige aus dem Umfeld des BKU – sind darunter. Ihr Blick, und das zeigt sich auch während des Studientages, ist dabei immer auch auf die Praxis gerichtet. So ist denn an diesem Nachmittag auch von Kulturpessimismus nichts zu spüren. Hier sieht man in der KI vor allem eine Gestaltungsaufgabe, und für diese Herausforderung gilt es, einen ethischen Rahmen abzustecken.

Der Mensch kann in Alternativen denken

Und damit sind wir wieder bei der Feststellung vom Beginn: Was macht den Menschen aus? Was kann nur er? Welche seiner Talente kann durch keine KI ersetzt werden? Da ist, so macht ein Diskussionsteilnehmer deutlich, zum Beispiel die Sensibilität für Transzendenz. Ein andere Punkt, der offene Blick in die Zukunft und die Fähigkeit, in Alternativen zu denken. Selbst dann, wenn er diese Alternative noch gar nicht kennt. Der Mensch könne, so formuliert es ein Teilnehmer, zwischen A und B unterscheiden, auch dann, wenn noch gar nicht so genau feststehe, wofür B eigentlich stehe.

Diese Beiträge aus der Debatte beweisen, dass letztlich die CAPP mit ihren Aktivitäten selbst ein starkes Beispiel dafür ist, was speziell Menschen leisten können, Nämlich miteinander diskutieren, Positionen austauschen und – auf Grundlage dieser Debatten - auch zu Ergebnissen kommen. Das Besondere an den Studientagen der Stiftung ist, sie bestehen nicht nur darin, dass sich die Teilnehmer gelehrte Vorträge anhören. Sie werden auch selbst aktiv. In Kleingruppen wurden verschiedene Spezial-Aspekte des Oberthemas diskutiert. Aber auch hier zielorientiert, am Ende stehen Thesen, die im Plenum diskutiert werden. Das Besondere dabei: Diese Themen der deutschen Sektion der Stiftung – hier kommt der internationale Charakter zum Tragen – wird in den weltweiten Diskurs dieser päpstlichen Einrichtung eingespeist. Man diskutiert hier also nicht für sich allein, sondern versteht so einen Studientag auch immer als einen Beitrag zum großen Gespräch der Weltkirche.

Auch lebenspraktische Fragen sind Thema

Schließlich bilden die Mitglieder der Stiftung miteinander eine Gemeinschaft. Die Fragen, die aufgeworfen werden, müssen daher auch nicht immer theoretisch sein. Es geht auch lebenspraktisch: So wurde kontrovers darüber gesprochen, ab welchem Alter Kinder in die digitale Welt eintauchen sollten? Hier gibt es keine Patentlösung. Aber der Austausch zwischen Gleichgesinnten, die auf der gleichen ethischen Grundlage stehen, kann dabei helfen. Und diese Form der Kommunikation, die die CAPP durch ihre Arbeit fördert, ist eben auch etwas spezifisch Menschliches.

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