Zukunft

„Generation Alpha“: Die nächste Generation

Welche Zukunft erwartet die seit 2010 im Entstehen befindliche „Generation Alpha“?
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Foto: dpa | Wird für die noch junge „Generation Alpha“ eine goldene Zukunftssonne aufgehen? Die Herausforderungen jedenfalls sind immens.

Wird die „junge Generation“ in Zukunft ihr Leben meistern können? Diese meist mit Zweifeln unterlegte Frage taucht immer wieder auf – meist verbunden mit Kritik an eben jener nachfolgenden Generation.

Und diese Kritik ist bekanntermaßen nicht neu. „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen“, schrieb schon der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.). Ganz taufrisch ist die Sorge, ob junge Menschen die Zukunft meistern können, also nicht.

Allerdings beschäftigen sich heute viele Forscher und Marketingverantwortliche in der Wirtschaft sehr intensiv mit nachrückenden Generationen. Vor allem die sogenannte Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) steht dabei im Fokus der öffentlichen Debatte. Diese jungen Menschen sind die erste Generation, die von Kindesbeinen an mit der tagtäglich auf uns einstürzenden digitalen Informationsflut aufgewachsen ist. Sie kennt eine Welt ohne neue Technologien nicht.

Auf „Generation Z“ folgt „Generation Alpha“

Die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt verwischen für die „Gen Z“ immer stärker. Das Smartphone ist Alltagsgegenstand Nummer eins und führt auf schnellem Wege zu WhatsApp, Instagram und Co. „Digital Natives“ – also die wohl überwiegende Mehrheit der Generation Z, die laut Meinung von Soziologen und Zukunftsforschern die Digitalisierung gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen haben – nutzen also primär digitale Medien, greifen aber auch auf traditionelle Informationskanäle zurück.

Es ist eine sich sehr schnell wandelnde Welt, in welche diese Generation hineingeboren wurde. Die Digitale Revolution, die viel Althergebrachtes seit Jahren durcheinanderwirbelt, ist für „Gen Z“ eine Selbstverständlichkeit. Während Millennials, die Vorgänger der Generation Z, langsam ins Familienleben starten und „Gen Z“ ein begehrtes Forschungsobjekt für Zukunftsforscher sind, steht schon eine Nachfolgegeneration in den Startlöchern: die „Generation Alpha“, also diejenigen, die in den Jahren 2010 bis 2025 das Licht der Welt erblickt haben werden.

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Viel sagen kann man über diese Generation noch nicht. Durchaus nachvollziehbar. Die Ältesten von ihnen gehen gerade mal in die Schule und ein erheblicher Teil dieser Alterskohorte ist noch nicht einmal geboren. Trotzdem könnten sie die Gesellschaft in Zukunft ähnlich prägen wie ihre Vorgänger der Generation Z.

Affinität zu digitaler Technologie

Eines kann man schon heute mit Sicherheit sagen: Die Generation Alpha wird zum Jahr 2025 hin weltweit rund 2 Milliarden Menschen umfassen und wird vor Herausforderungen stehen, die ihre Vorgänger nicht kannten. Die Trendstudie „Jugend in Deutschland – Winter 2021/22”, die die Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann herausgebracht haben, beleuchten neben der Generation Z auch bereits die Generation Alpha. Alpha ist, so betonen es Schnetzer und Hurrelmann, eine Generation, die als erste Generation vollständig im 21. Jahrhundert aufwachsen wird. Ihre Eltern gehören größtenteils zu den Millennials. Geboren in den frühen Achtzigern bis in die späten Neunziger, sind diese die ersten „Digital Natives“. Diese Affinität zu digitaler Technologie prägt den Alltag und das Aufwachsen ihrer Kinder.

Anders als ihre Eltern, die erst im Jugendalter so richtig mit dem Thema Internet in Berührung kamen, kennen die Alphas die analoge Welt so nicht mehr: Smartphone, Tablet und Spracherkennungssoftware sind für Alpha schon im Babyalter vertraute Begleiter. In der Familie abgeschaut, lernen sie früh, auf Smartphone- oder Tablet-Bildschirmen zu swipen – und das oft schon, bevor sie überhaupt richtig sprechen können. Sie wissen, dass Alexa und Siri auf Zuruf das Lieblingskinderlied spielen. Und dass Zeichentrickserien über Streamingdienste jederzeit und überall abrufbar sind. Die Alphas wachsen in einer Welt auf, die in der Kindheit der Babyboomer, Generation X und Millennials noch wie Science-Fiction klang.

Diese Affinität zur digitalen Technologie wird gleichzeitig auch die größte Herausforderung dieser Generation sein. Durch den stetigen Fortschritt und die Digitalisierung, die zu ihrem Leben dazugehören, wächst eine hyperflexible Generation heran. Auf der anderen Seite würde sich diese Generation mit zeitlichen Verbindlichkeiten und Ortsgebundenheit schwertun. Zudem drohen Krankheiten wie Allergien, Übergewicht sowie diverse Gesundheitsprobleme, die aufgrund von zu viel vor Computer- oder Handybildschirmen verbrachter Zeit entstehen, die kommende Generation stark belasten.Es sei deswegen laut Schnetzer und Hurrelmann Aufgabe von Eltern und Schulen, den „Alphas“ zu helfen, sich in dieser für sie neuen Welt zu behaupten. Neben Geschichtsunterricht würden für sie beispielsweise Schulfächer wie Programmieren und der sichere Umgang mit Social Media von Vorteil sein, schlägt Schnetzer vor.

Hyperflexibel, überbehütet und am Ende unglücklich?

Im Herbst des letzten Jahres veröffentlichte zudem das Institut für Generationenforschung ebenfalls eine Studie zu diesem Thema. Ein Jahr lang wurden 1.231 Pädagoginnen und Pädagogen über ihre Wahrnehmung und Einschätzung der von ihnen betreuten Kinder im Alter von 0-10 Jahren befragt. Insgesamt wurden so 22 511 Kinder beurteilt. Zudem wurden ebenfalls 652 Eltern über ihre Erziehung und Einschätzung ihrer Kinder befragt. Diese Studie ist bisher die umfangreichste Generationenforschungsstudie über die Generation Alpha.

Die Forscher kommen in der Studie zu einem Ergebnis, das alles andere als beruhigend sein kann: „In Deutschland gab es noch nie so viele unglückliche Kinder.“, kann man als Zusammenfassung der Studie auf der Website des Instituts lesen. Die Kinder seien unglücklich, sprachlich defizitär und auch sonst sozial auffällig, kann man weiter lesen.

Ein großes Problem, das die Forscher explizit ausgemacht haben, ist die Überbehütung vieler Kinder: Die Elterngeneration der Generation Alpha gilt den Generationsforschern sowohl als vielfach „orientierungslos“, aber auch als „leistungsorientiert“ und „hyperperfektionistisch“. Ihnen wird nachgesagt, im eigenen Leben immer alles richtig machen zu wollen. Wird dieser Ansatz auch bei der Kindererziehung verfolgt, hat man es zumeist mit sogenannten „Helikopter-Eltern“ zu tun: Diese behüten ihren Nachwuchs überdurchschnittlich und nehmen diesem viel zu oft Dinge ab, die dieser eigentlich selbst bewältigen oder erledigen könnte.

Kinder sind weniger begeisterungsfähig

„Die Kinder sind weniger begeisterungsfähig als zum Beispiel die Kinder vor zehn Jahren“, beschreibt Studienleiter Rüdiger Maas das Studienergebnis im Herbst gegenüber dem SWR. Corona sei in vielen Punkten ein Beschleuniger gewesen, aber viele Ansätze habe es schon seit einigen Jahren gegeben. Man habe festgestellt, dass Kinder, die „überbehütet“ aufwachsen, ähnliche Symptome zeigten wie Kinder, die kaum behütet würden – und somit genau das Gegenteil von dem erreicht werde, was Eltern eigentlich mit ihrer Erziehung intendierten. Maas ist skeptisch im Hinblick auf den Schaden, der durch diese Form der Erziehung verursacht wird: Er erwartet, dass viele der in der Studie aufgezeigten Defizite in der kindlichen Entwicklung sich über die kommenden Jahre hinziehen und teilweise auch nicht mehr aufholbar sein werden.

Das klingt zunächst niederschmetternd. Doch es ist ratsam, den kritischen Blick auf solche Studien nicht zu verlieren. Denn Prognosen sind keine Prophezeiungen und können lediglich erahnen, was ganze Generationen vorantreiben wird und mit welchen Themen sie sich besonders stark auseinandersetzen werden. Die individuellen Erfahrungen des Einzelnen finden in solchen Untersuchungen wenig Berücksichtigung. Insofern sollten Generation Alpha betreffende Prognosen dazu genutzt werden, Negativtrends entgegenzuwirken.

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