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Den positiven Ansatz der Ökobewegungen sehen

Vielen jungen Menschen bieten Klima, Natur und Umwelt oder auch Kapitalismuskritik einen Sinn ihres Lebens. Diese Bereitschaft zur Sinnsuche kann man aufgreifen und die religiöse, transzendente Alternative bieten.
Teilnehmende der Bewegung "Fridays for Future"
Foto: Jörg Carstensen (dpa) | Teilnehmende der Bewegung "Fridays for Future" und ihre Führer Greta Thunberg (S) sowie Luisa Neubauer (D) während eines Aufmarschs in Berlin.

Was macht eigentlich Greta Thunberg? In den vergangenen Monaten ist es ruhiger um sie geworden. Das Thema Klimawandel bleibt natürlich trotzdem omnipräsent. Manche Christen finden das wunderbar, andere nervt das, oder sie finden es übertrieben. Wie also damit umgehen? Eine Episode aus dem Leben des Paulus zeigt eine interessante Haltung, die gläubigen Menschen auch heute gut zu Gesicht stünde. Paulus kommt nach Athen und entdeckt in der antiken Stadt überall eine große Menge Götterstatuen. Als frommer Jude ist er entsetzt über so zahlreiche Verstöße gegen das wichtigste der monotheistischen Gebote.

Lukas berichtet im 17. Kapitel der Apostelgeschichte darüber. In seiner Rede an die Athener bleibt Paulus aber nicht bei seiner Bestürzung stehen, sondern lobt die Athener vielmehr für ihre intensive religiöse Suche. Man sehe schon, dass die Leute hier sehr fromm seien. Der Tempel für einen unbekannten Gott schließlich gibt ihm das Stichwort: eure Religiosität ist grundsätzlich gut, sie hat nur einen entscheidenden blinden Fleck. Ihr kennt Gott nicht, denn der hat sich durch Jesus geoffenbart. Er sieht also den positiven Ansatz, würdigt ihn und verweist auf die tiefer liegende Frage.

„Der blinde Fleck der ökologischen Bewegung ist der Mensch.
Denn den bezeichnet sie nicht selten als Krankheit des Planeten, als eine Belastung“

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Um eine solche Haltung könnte es auch im Umgang mit zeitgenössischen Bewegungen gehen: wo ist das berechtigte Anliegen dahinter? Nun handelt es sich bei der ökologischen Bewegung fraglos nicht um Götzendienst oder Polytheismus, auch wenn sich dort wohl manche pseudoreligiöse Überhöhung der Natur findet. Sie ist schlichtweg der menschlichen Sorge um die Zukunft geschuldet. Dabei hat sie jedoch ebenso einen blinden Fleck wie jenen, auf den Paulus in Athen deutet. Nur ist es diesmal nicht mehr nur der unbekannte Gott.

Der blinde Fleck der ökologischen Bewegung ist der Mensch. Denn den bezeichnet sie nicht selten als Krankheit des Planeten, als eine Belastung. Der Mensch und wozu es ihn eigentlich gibt, das ist der große Unbekannte geworden. Doch für wen (und warum?) schützen wir den Planeten, wenn es nicht an entscheidender Stelle um den Menschen geht? Geht es aber um den Menschen, dann muss „Ökologie“ mehr bedeuten als die Sorge um die Natur. „Ökologie“ bedeutet, sich um ein Haus („oikos“) zu kümmern, das einen bestimmten „logos“ hat, eine bestimmte Ordnung. Menschen nun bewohnen allerdings nicht nur das „Haus“ des Planeten, sondern auch den sozialen Raum, den Raum des Herzens. Tatsächlich macht es den Menschen aus, dass es ihm um viel mehr geht als nur um das Überleben allein. Ökologie ist deshalb nur dann ganzheitlich, wenn sie auch den Menschen in den Blick nimmt mit dem, was ihn menschlich macht. Dazu gehört sein Fragen nach dem Höheren. Sein Bezug auf Transzendenz. Dass er ohne Sinn nicht leben kann.

Die Aktionsbereitschaft junger Menschen ist bewegend

Die Tatsache, dass Millionen junger Menschen weltweit bereit sind, für den Schutz der Natur auf die Straße zu gehen, ist ein bewegendes Zeichen. Es ruft danach, den ökologischen Gedanken zutiefst ernst zu nehmen. Von Menschen, die an Jesus glauben, muss die Sorge um unsere gemeinsame Zukunft allerdings umfassender gedacht werden.


Der Autor ist Leiter des Gebetshauses Augsburg

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