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Alarmierende Engpässe in Pflegeberufen

Personalmangel, Fehlzeiten und hohe Fluktuation trifft auch die "Care"-Berufe. Ein Pressegespräch der Caritas lotet Lösungsvorschläge aus.
In der Pflege bleiben immer mehr Stellen unbesetzt
Foto: Ute Grabowsky/photothek.net via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | In der Pflege bleiben immer mehr Stellen unbesetzt, die Situation ist alarmierend.

Die Fachkräftesituation in den "Care"-Berufen ist alarmierend. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Caritaspanels 2022. Sowohl die konkreten Herausforderungen für den größten Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialbereich als auch neue, kreative Ansätze kamen im Rahmen eines Pressegesprächs mit Norbert Altmann, dem Sprecher der Caritas-Dienstgeberseite und Ute Leber vom Forschungsbereich Betriebe und Beschäftigung am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zur Sprache.

Neben Personalmangel, Fehlzeiten und hoher Fluktuation ist die Stellenbesetzung ein drängendes Problem für die Caritas. So blieben im letzten Jahr 24 Prozent der ausgeschriebenen Stellen unbesetzt. Zudem wird sich die Situation weiter verschärfen, wenn von den 700.000 Mitarbeitern der Caritas etwa 200.000 in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand eintreten. 

45 Prozent aller Stellen nicht besetzt

Die Fachkräftesicherung wird aber auch in der Gesamtwirtschaft schwieriger. Dort konnten laut dem IAB Betriebspanel sogar 45 Prozent aller Stellen nicht besetzt werden. Leber konstatierte hier einen leichten Wandel vom Fach- zum Arbeitskräftemangel, denn an dritter Stelle der Personalprobleme stehe die Suche nach Arbeitskräften für einfache Tätigkeiten.

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Flexibilisierte Arbeitsbedingungen, kostenlose oder vergünstigte materielle Zusatzleistungen, Fort- und Weiterbildungen während der Arbeitszeit und die Ausweitung von mobilem Arbeiten in bestimmten Bereichen tragen laut dem Caritaspanel dazu bei, dass die Arbeitsplätze attraktiver werden. Wichtig sei auch der Ausbau der Ausbildungskapazitäten, so Altmann.

Hier hebt sich die Caritas deutlich von der Gesamtwirtschaft ab. Während in der Altenhilfe und im Krankenhaus über 80 Prozent der Rechtsträger ausbilden und die Zahl der Ausbildungsplätze in der Altenhilfe im Vergleich zu 2020 um mehr als 50 Prozent gestiegen ist, sind nur etwa die Hälfte der Betriebe aktive Ausbilder. Die Besetzungsquote ist mit 88 Prozent bei der Caritas deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (67 Prozent), und auch die Übernahmequote kann sich sehen lassen: 73 Prozent der Auszubildenden wurden nach erfolgreichem Abschluss übernommen. 
Bei einem Vergleich der tariflichen Ausbildungsvergütungen steht die Caritas ebenfalls gut da. Mit durchschnittlich 1.276 Euro pro Monat erhalten Auszubildende zur Pflegefachkraft sowie in den praxisintegrierten Ausbildungen zur Erzieherin /zum Erzieher mit durchschnittlich 1.276 Euro pro Monat die höchsten Ausbildungsvergütungen, dicht gefolgt vom Baugewerbe.  

Mehrere Social-Media-Kampagnen

Bei den Best-Practice-Beispielen lag der Schwerpunkt auf Werbemaßnahmen. Rainer Schlaghecken, Referatsleiter Pflege beim Caritasverband Düsseldorf, stellte die Aktion „#BeiClickAusbildung in der Pflege“ vor. Der Hauptfokus der Aktion liegt auf Social Media, wo bei Facebook und Instagram ein einminütiger Imagefilm mit einem Chat verknüpft wird. Der Erfolg spricht für sich, denn durch die einfache Kontaktaufnahme über einen Messenger wurde bislang eine dreistellige Zahl an Bewerbern akquiriert. 

Die in den sozialen Medien laufende Imagekampagne des Diözesancaritasverbands München und Freising steht unter dem Motto „Nah. Am Nächsten“. Mit eigens angefertigten Portraitfotos und kurzen, passenden Texten soll ein „ modernes und eigenständiges Gesicht der Pflegemarke“ gezeichnet werden, wie Aleksandra Solda-Zaccaro, Abteilungsleiterin Kommunikation und Sozialmarketing, erläuterte. „Mit Herz die Seele pflegen“, „Mit Abstand am besten. Ohne auch“ oder „Da sein für ein schönes Dasein“ lauten einige der Botschaften. 

Das „IstZeitPflege“-Projekt des Caritasverbands Hochrhein, vorgestellt von Geschäftsführer Rolf Steinegger, setzt einen anderen Schwerpunkt. Nach mehrjährigen Verhandlungen mit den Pflegekassen rechnet die Caritas nicht mehr nach Modulen ab, sondern mit kostendeckenden Stundensätzen. So wird eine passgenaue Pflege ermöglicht. Statt starker Fremdvorgaben durch die Module erleben die Pflegekräfte nun ein selbstbestimmtes Arbeiten, das ihnen Spaß macht, wie die Rückmeldungen zeigen. Der Bürokratieaufwand habe deutlich abgenommen, auch die Patienten seien zufrieden.  DT/chu

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