Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Abtreibung

Philosoph Schönecker kritisiert Abtreibung

Warum sich sowohl mit christlicher als auch mit säkularer Ethik gegen Abtreibung argumentieren lässt, erklärt Dieter Schönecker im Interview.
Abtreibungsrecht in Polen galt bislang als außerordentlich streng
Foto: Copyright: xDreamstimexOxlockx v (www.imago-images.de) | Das Abtreibungsrecht in Polen galt bislang als außerordentlich streng.

Der Philosoph Dieter Schönecker hat sich im Gespräch mit der „Tagespost“ kritisch gegenüber Abtreibung positioniert.

Schönecker, der sich selbst als Theist und Christ bezeichnet, wies die verbreitete Vorstellung, dass in einem säkularen Staat auch nur säkulare Argumente in ethischen Debatten vorgetragen werden sollten, als unbegründet zurück. Atheisten hätten nämlich genauso metaphysische Voraussetzungen wie Menschen, die an Gott glaubten.

Lesen Sie auch:

Schönecker zufolge lässt sich aber auch eine Reihe säkularer Argumente gegen die moralische Zulässigkeit von Abtreibungen anführen. Auch bei Immanuel Kant, dessen Ethik auf der Idee einer vernünftigen Autonomie des Menschen basiert, lassen sich dem führenden Kant-Experten Schönecker zufolge Argumente gegen Abtreibung finden. Auch das ungeborene Kind ist für Kant nämlich bereits eine Person mit Rechten.

„My body, my choice“ – ein „hanebüchenes Argument“

Scharfe Kritik übte Schönecker, der an der Universität in Siegen einen Lehrstuhl für Praktische Philosophie innehat, an dem Slogan „My body, my choice“, mit dem Abtreibungsbefürworter zu argumentieren versuchen. Für den Hochschullehrer handelt es sich aus gleich mehreren Gründen, die er im Gespräch darlegte, um ein „hanebüchenes Argument“. So sei es etwa „generell nicht wahr, dass man mit seinem Körper machen darf, was man will, wenn man mit Kant so etwas wie Pflichten gegen sich selbst anerkennt.“

Des Weiteren äußerte sich Schönecker zum Unterschied von Recht und Moral, zur Möglichkeit, moralisch Falsches zu tolerieren und den Grenzen einer solchen Toleranz, sowie der Bereitschaft heutiger Studenten, sich von Argumenten überzeugen zu lassen.  DT/sost

Das gesamte Gespräch mit dem Philosophen Dieter Schönecker über ethische Argumente gegen Abtreibung lesen Sie in der kommenden Ausgabe der "Tagespost", die am 4. April 2024 erscheint.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Abtreibung Immanuel Kant Schwangerschaftsabbruch Säkularisation

Weitere Artikel

Leben und Überleben im Staat: In den USA verteidigen auch Katholiken die Todesstrafe. Doch die Hinrichtung hat nicht die Bekehrung im Sinn.
26.11.2025, 07 Uhr
Peter Schallenberg
Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Österreich gibt es Bestrebungen, Abtreibungen ohne jede Einschränkung zu legalisieren.
23.06.2025, 14 Uhr
Alice Pitzinger-Ryba

Kirche

Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Bei der letzten Sitzung der Synodalversammlung in Stuttgart geht es um Bilanz, Reformperspektiven und den Übergang zur Synodalkonferenz. Ob Rom dem Gremium zustimmen wird, ist weiterhin offen.
09.01.2026, 14 Uhr
Meldung
Die Kardinalsversammlung in Rom ist ohne Ergebnisse oder neue Ideen zu Ende gegangen. Dem Papst ging es darum, das Band der Einheit zu stärken. Aber viele fehlten.
09.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Mirko Cavar, früher Freikirchler, heute Katholik, lobt die Ökumene bei der MEHR-Konferenz. Er meint, die einzelnen Konfessionen könnten viel voneinander lernen.
08.01.2026, 13 Uhr
Elisabeth Hüffer
Der US-Bischof kritisiert den deutschen Sonderweg und plädiert für eine Synodalität, welche auf pastorale Praxis statt dauerhafte Grundsatzdiskussionen setzt.
09.01.2026, 10 Uhr
Meldung