Kinderkatechese

Von wegen Leiche

Eine kleine Geschichte zu Fronleichnam macht Kindern den etwas sperrigen Namen dieses Festes zugänglich 
An Fronleichnam feiert die Kirche das Fest vom "Leib des Herrn". Dabei wird der Leib Christi durch die Straßen getragen.
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | An Fronleichnam feiert die Kirche das Fest vom "Leib des Herrn". Dabei wird der Leib Christi durch die Straßen getragen.

 Heute ist es einmal wieder so weit. Sarah und ihr kleiner Bruder Lukas dürfen den Nachmittag bei Oma und Opa verbringen. Sie freuen sich schon sehr, denn es gibt bestimmt leckeren Kuchen und Saft dazu. Außerdem ist es so schön, mit Oma und Opa zu spielen. An ganz besonderen Tagen, wenn Opa sehr gut aufgelegt ist, erzählt er von früher. Wie es war, als er ein Kind war und gemeinsam mit den anderen Kindern in seinem Dorf ganz schön viele Streiche ausgeheckt hat. Dann sitzen Sarah und Lukas immer ganz gebannt auf dem Boden und stellen sich das vor, wie alles so war, als Opa selbst noch ein Kind war. Nur ein paar Straßen müssen Lukas und Sarah laufen, da stehen sie auch schon vor der Haustür und klingeln. 

Oma macht die Tür auf. „Hallo Oma, was gibt es heute zu essen?“, ruft Sarah gleich zur Begrüßung. Oma lacht und sagt: „Kommt erst mal rein und sagt Hallo zu Opa.“ Schon stürmen die beiden Kinder ins Wohnzimmer. Dort sitzt Opa in seinem dicken, gemütlichen Sessel und blättert in einem Buch. Lukas ist gerade in die zweite Klasse gekommen und kann schon richtig gut lesen. Sofort entziffert er den Buchtitel: Fronleichnamsumzüge. „Wow, so ein schwieriges Wort habe ich ja noch nie gesehen“, staunt Lukas.

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Fronleichnam: Ein altes Wort für „Leib des Herrn“

Sarah ist schon in der fünften Klasse. „Also, was Umzüge sind, weiß ich“, sagt sie. „Das ist, wenn ganz viele Menschen gemeinsam durch die Straßen ziehen. Aber Fronleichnam? So ein komisches Wort! Hat das etwas mit Gruselgeschichten zu tun, Opa?“ „Wie kommst du auf Gruselgeschichten?“, fragt Opa. „Naja, Leichnam. Das ist doch eine Leiche!“, erwidert Sarah. „Jaja, das stimmt. Aber Fronleichnam ist schon ein sehr altes Wort und heißt in unsere Sprache heute übersetzt ,Leib des Herrn‘. Das ist jetzt nicht viel einfacher – oder habt ihr schon eine Idee, was das bedeuten könnte?“ 

Lukas ruft: „Das erinnert mich daran, was der Pfarrer immer im Gottesdienst sagt: Leib Christi“. „Sehr gut!“, lobt Opa, „Genau darum geht es am Fronleichnamsfest. Um den Leib Christi: also darum, dass wir in der Kommunion Jesus Christus immer noch ganz bei uns haben, obwohl er vor 2000 Jahren gestorben ist.“ „Halt mal, halt mal“, ruft Sarah, „jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr. Ist das Buch, was du da angeschaut hast, nicht ein Buch über Umzüge? Da sind doch lauter bunte Bilder – was hat das mit dem Gottesdienst zu tun?“

„Jesus ist nicht nur für die Menschen da, die sonntags in die Kirche gehen.“

Opa seufzt ein bisschen. „Aber Sarah: Wart ihr noch nie auf einem Fronleichnamsumzug?“ Er steht von seinem Sessel auf, wobei er ein bisschen ächzt und stöhnt. Als er sich dem hohen, dunklen Regal in der Ecke nähert, halten Sarah und Lukas den Atem an. Das kann nur eines bedeuten… Und ja, es stimmt: Opa holt die Kiste mit alten Fotos vom obersten Regalfach. Die beiden jubeln, Opa muss heute in seiner besten Laune sein! Und schon sitzen die beiden auf dem Boden und stöbern in den alten Bildern. Viele Menschen sind da zu sehen, Fahnen, bunte Kleider, kleine Kinder tragen Körbchen mit Blütenblättern, die sie auf die Straße streuen, auch eine Blaskapelle dabei.

Der Leib Christi wird durch die Straßen getragen

„Seht ihr das?“, fragt Opa und zeigt auf ein Bild, auf dem vier Männer ein Dach aus Stoff tragen. Darunter ist ein Priester, der etwas Großes aus Gold in den Händen hält. „Der Pfarrer trägt die Monstranz: Das ist ein kostbar verziertes Gehäuse, in dem der Leib Christi durch die Straßen getragen wird.“ „Wow“, staunt Sarah. „Ich dachte, der Leib Christi bleibt immer in der Kirche.“ „Naja, das ist ja eben die Idee von Fronleichnam“, erwidert Opa, „Jesus ist nicht nur für die Menschen da, die sonntags in die Kirche gehen und ihn dort in der Kommunion treffen können. Jesus ist wirklich für alle Menschen da. An Fronleichnam wird Jesus direkt zu den Menschen gebracht.“

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Opa erzählt, wie auch heute noch überall die Dörfer und Städte für Fronleichnam geschmückt werden. Fahnen hängen aus den Häusern, junge Birken verzieren den Weg, an dem der Umzug vorbeikommt und ganz besonders: Bei den Stationen, an denen Halt gemacht wird, legen fleißige Helfer wunderschöne Bilder aus Blüten aus. „Schaut mal, ob ihr Fotos findet, auf denen solche Blumenteppiche zu sehen sind!“, trägt Opa den Kindern auf. „Ich hab eines“, ruft Lukas „hier ist ein Brot und Trauben drauf“. Sarah hat eines gefunden, auf dem die Jünger von Jesus dargestellt sind, wie sie um den Abendmahlstisch sitzen.

Eine Erinnerung an die Erstkommunion

„Das muss ja unglaublich viel Arbeit sein, so einen Teppich auszulegen“, staunt sie. „Bist du eigentlich auch irgendwo zu sehen?“, fragt Lukas. Opa kramt ein Bild hervor: „Ja, hier in der Blaskapelle bei den Klarinetten. Ich war der Jüngste und habe manchmal ein paar falsche Töne gespielt.“ Sarah und Lukas müssen kichern. „Und hier ist ein Bild, wo ihr die Oma im Kommunionkleid sehen könnt: Wer zum ersten Mal zur Kommunion gegangen ist, darf an Fronleichnam noch einmal sein Kleid oder seinen Anzug anziehen und ganz vorne im Zug mitlaufen.“

Opa richtet sich auf und streckt sich ein bisschen. „Übrigens gehen Oma und ich auch dieses Jahr zum Fronleichnamsumzug. Wenn ihr wollt, dürft ihr gerne mitkommen!“ Plötzlich ruft Oma aus der Küche: „Ja, soll ich meine Zimtschnecken etwa alleine essen?“ Weder Sarah noch Lukas hatten bemerkt, dass schon längst ein köstlicher Duft aus der Küche strömte. Schnell räumen sie die Fotos zurück in die Kiste und stürzen an den Küchentisch. Das war ein toller Nachmittag!

Zur Autorin: Isabel Kirchner ist Theologin, Musikerin und Mutter eines kleinen Sohnes. Sie war an der Erstellung des YOUCAT for Kids (www.youcat.org) beteiligt.

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